In einer Hierarchie neigt jeder Beschäftigte dazu, bis zu seiner Stufe der Unfähigkeit aufzusteigen.

Sagt das Peter-Prinzip des Autors Raymond Hull. Und von außen betrachtet wirkt es, als folge Tom Jacobi eben diesem Prinzip. Wie heute bekannt wurde, verlässt der 52-jährige das Verlagshaus Gruner + Jahr, wo er lange Art Director des Stern und zuletzt auch Chefredakteur von View war.

In der Printmedien-Branche genießt Jacobi hohes Ansehen. Und das auch zurecht. Seit 2000 war der gelernte Fotojournalist, der zuvor schon einmal 10 Jahre lang für das Wochenmagazin fotografierte, für die Optik des Stern verantwortlich. Intern nannte man ihn das Auge. Offensichtlich wollte Jacobi aber mehr. Also übertrug man ihm die redaktionelle Verantwortung für die Neuentwicklung View. Das passte auch durchaus noch ins Profil des Art Directors, der seine Nase zunehmend hoch trug.

Ich habe Tom Jacobi offen gestanden nie kennengelernt. Aber ich stand auf so mancher Veranstaltung vor, neben und manchmal auch hinter ihm. Umgeben von jungen Häschen ließ er sich da immer gern bewundern. Ich will nicht sagen, dass er ausgesprochen hochnäsig wirkte. Aber er wirkte ausgesprochen hochnäsig. Und das nicht nur, weil er selbst sehr hoch ist. Ich tippe auf mindestens 1,95 Meter.

Nun wechselt der offensichtlich weiterhin sehr karriere-ambitionierte Jacobi in den Vorstand des Hamburger Immobilien-Unternehmens Engel & Völkers. Dort ist er künftig zuständig fürs Marketing. Was einen Fotojournalisten mit einem erwiesenermaßen guten Händchen für die Optik von Magazinen nun aber befähigt, das Marketing eines Immobilien-Maklers zu verantworten, erschließt sich mir eher nicht. Daher dachte ich sehr schnell an das Peter-Prinzip.

admin | Freitag, 21. März 2008 | 19:46
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An Zufall mag ich kaum glauben, dass die Verleger-Familie Jahr Ihren Anteil am Verlagshaus Gruner + Jahr gerade jetzt aufstocken will. Die Zahlen sind nicht gut, die Gelegenheit scheint günstig. Und so erklärte Angelika Jahr laut Branchenmagazin werben & verkaufen jüngst:

Wir würden eher dazukaufen, wenn man uns lässt.

Derzeit gehören den Erben des Gründers John Jahr 25,1 Prozent des Zeitschriftenhauses, das mit 2,83 Milliarden Jahresumsatz (2007) noch immer das größte in Europa ist. Über die Mehrheit von 74,1 Prozent verfügt das Medienhaus Bertelsmann, das noch immer zu den größten weltweit zählt. Dennoch stehen beide Unternehmen im Augenblick nicht eben glänzend da.

Bertelsmann, vor zehn Jahren nach Disney noch zweitgrößtes Medienunternehmen der Welt, fällt im Wettbewerb immer weiter zurück. Nach 19,3 Milliarden Umsatz im Jahr zuvor nahm der Konzern 2007 nur noch 18,8 Milliarden ein. Den Gewinn schmälerte das Management gar von 2,5 Milliarden auf 405 Millionen Euro. Das Buchclubgeschäft – Keimzelle des Unternehmens – wird zur immer stärkeren Belastung. Doch eben wegen seiner historischen Bedeutung war der Bereich bislang sakrosant.

Bei G+J sieht es ebenfalls nicht allzu rosig aus. Der Verlag leidet neben einer fehlenden Internet-Strategie vor allem unter seiner Beteiligung am Druckkonzern Prinovis, der gemeinsam mit Avarto (ebenfalls Bertelsmann-Tochter) und Springer betrieben wird. Der Tiefdruckmarkt, also das Geschäft von Prinovis, steht aufgrund von Überkapazitäten heftig unter Druck. Einmalaufwendungen für Restrukturierungsmaßnahmen und Wertberichtigungen sind unter Bilanz-Gesichtspunkten keine hübschen Wörter.

So wuchs Gruner+Jahr im Kerngeschäft (also Magazine, Online-Angebote, Merchandising und Messen) zwar ein bisschen im Umsatz (plus 2 Prozent) und ganz gut im Gewinn, gleichwohl fielen 2007 gegenüber 2006 im Gesamtunternehmen beide – Umsatz (von 2,86 auf 2,83 Milliarden Euro) und Gewinn vor Steuern sowie Zinsen (von 277 auf 264 Millionen Euro).

Mittelmäßige Zahlen beim Verlag und drastische Gewinn-Minimierung beim Mehrheitseigentümer lassen es für die Jahrs offensichtlich sinnvoll erscheinen, die Gespräche über eine Anteils-Aufstockung wieder aufzunehmen, die vor einem Jahr schonmal ergebnislos im Sande verliefen. Kaufen soll man schließlich immer bei schlechten Kursen. Zumal die G+J-Substanz im Augenblick noch gesund, der Zug für eine kluge Online-Strategie noch nicht ganz abgefahren ist.

admin | Freitag, 21. März 2008 | 18:39
Frisch vom Boulevard, Spaß mit Zahlen | 1 Kommentar


VerkauftNachdem sich die WAZ-Gruppe in den vergangenen Jahren sehr auf ihr Tageszeitungsgeschäft konzentriert hat, liegt der Fokus nun wieder auf dem Segment Zeitschriften. Dafür holte man sich eigens den bei Bauer geschassten Manfred Braun. Und der präsentierte gestern nun seinen ersten Clou.

Gruner + Jahr hat es also tatsächlich geschafft, die abgetakelte Frau im Spiegel der Verlagstochter Ehrlich & Sohn loszuwerden. Viel Freude hatten die Hamburger mit dem 1945 gegründeten Blatt schon länger nicht mehr. Verkaufte man vor zehn Jahren noch mehr als 700.000 Hefte von jeder Ausgabe, gingen zuletzt durchschnittlich nur noch rund 310.000 Exemplare über die Ladentische.

Mit verschiedenen Ideen versuchten Redaktion und Management, den Abwärtstrend zu stoppen. Überzeugend war keine. Und so gab es bereits im vergangenen August Meldungen, nach denen Frau im Spiegel für 20 Millionen Euro zum Verkauf stehe. Neben dem Klambt-Verlag war auch von der WAZ die Rede. Die ist es nun also geworden.

Brauns Leute gliedern das Magazin zwischen Goldenem Blatt und Echo der Frau in den Westdeutschen Zeitschriftenverlag in Düsseldorf ein. Die Redaktion allerdings wird von München aus arbeiten. Die 39 journalistischen Mitarbeiter von Frau im Spiegel dürfen zum bisherigen Gehalt auch mit nach München gehen. Wer das Angebot annimmt, erhält auch eine Beschäftigungsgarantie für drei Jahre.

Gleichwohl beklagen die Gewerkschaftsvertreter von Ver.di einen weiteren Stellenabbau bei G+J. Funktionär Holger Artus wird im Branchenblatt werben & verkaufen so zitiert:

Dass sich G+J von diesem Titel trennt, kommt mir gewissermaßen wie Nokia in Bochum vor: Trotz Erfolg ab nach Rumänien.

Wahrscheinlich meint er das witzig.

Davon, dass sich “Erfolg” nach dem Verkauf aber wieder einstellen kann, ist G+J-Zeitschriftenvorstand Bernd Buchholz naturgemäß überzeugt. Er lässt sich wie folgt zitieren:

Um Frau im Spiegel erfolgreich weiter zu führen, ist eine Einbindung in ein Magazinportfolio nötig, in dem mehrere Titel koordiniert im Marktsegment agieren können. Diese Einbettung ist für Frau im Spiegel bei Gruner + Jahr in der notwendigen Form nicht gegeben. Daher ist ein Verkauf an den WZV mit seinem Frauenzeitschriften-Portfolio die beste Lösung für die künftige Entwicklung von Frau im Spiegel.

Na dann. Muss nur noch das Kartellamt zustimmen.

admin | Donnerstag, 20. März 2008 | 08:53
Frisch vom Boulevard | 4 Kommentare


Eigentlich war’s wirklich witzig. Heute-Journal-Moderator Claus Kleber, der sich letztlich doch nicht für die offene Stelle beim SPIEGEL begeistern ließ, warb dieser Tage mit dem Slogan

Dieses Angebot vom SPIEGEL nehme ich gerne an

für das Online-Portal SPIEGEL Wissen. Der Verlag hatte nicht nur ein prominentes Testimonial, der Branche wurde zugleich die sympathische Selbstironie aller Beteiligten demonstriert.

Dumm nur, dass das Zitat nie autorisiert wurde. Kleber hatte dem Verlag zwar signalisiert, die Idee witzig zu finden, dann aber an seinen Chefredakteur Nikolaus Brender verwiesen. Er müsse dem Werbe-Einsatz schließlich zustimmen.

So lange warteten sie Heißsporne der Brandstwiete dann aber nicht. Als Brenders “Nein” zur Kampagne kam, war Die Zeit bereits im Druck. Inklusive der Anzeige:

Klebers unautorisierte SPIEGEL-Wissen-Werbung

Die SPIEGEL-Leute wollen es nach einem “Mea Culpa” nun mit einer Spende an die Rory Peck Foundation, eine Hilfsorganisation für Journalisten und Kameraleute in Krisengebieten, wieder gut machen.

Nachtrag: Ronnie Grob von der medienlese findet’s gar nicht mal so witzig.

admin | Mittwoch, 19. März 2008 | 23:51
Insider-Humor | 1 Kommentar


Man mag es kaum glauben, aber selbst der “Guardian” schreibt über das Schicksal der deutschen “Vanity Fair“. Und der Autor ist nicht zimperlich:

It was meant to be a prototype for other editions that would be rolled out across Europe (a Spanish edition will be launched in September). Instead the German edition is in danger of devaluing the original brand.

| Montag, 18. Februar 2008 | 20:52
Frisch vom Boulevard | 5 Kommentare


Einerseits: Sie haben lange durchgehalten. Fast ein Jahr. Das ist nicht so wenig. Andere geben früher auf. Und 50.000 Verkaufte von einem Magazin, das mangels Marketing niemand kennt, ist ja so schlecht auch nicht. Ändert alles nichts an der Tatsache, dass VIP Click offenbar schon seit November nicht mehr erscheint. Wie Kontakter berichtet, wie werben&verkaufen berichtet. Die fehlende Beachtung dieses Magazin-Todes mag allerdings auch Zeugnis ablegen von der Marktbedeutung des Titels.

Andererseits: Ich hatte es ja eh vorhergesehen. (Was jetzt auch nicht sooo schwierig war.)

Lustigerseits: Chefredakteur Andreas Ahlers hat nach eigener Einschätzung im Kontakter eigentlich alles richtig gemacht. Hmmm.

admin | Dienstag, 12. Februar 2008 | 21:06
Todesanzeigen | 3 Kommentare


playvanilla.jpgPlay Vanilla, die Computerspielezeitschrift für Mädchen (Zeitschriftenblog.de berichtete), gibt’s nicht mehr. Zumindest nicht mehr in seiner bisherigen Form, wie wuv.de meldet. Keine Zeitschrift mehr, die alle zwei Monate die heißesten und lustigsten Games für Gamerinnen (und vermutlich auch von Gamerinnen) vorstellte. Jetzt soll es nur noch unregelmäßig monothematische Ausgaben geben, so der Fürther Computec-Verlag.

Wer darüber traurig ist, hebe nun die Hand.

| Montag, 14. Januar 2008 | 20:08
Frisch vom Boulevard, Todesanzeigen | 10 Kommentare


Max tot.

Ulf weg.

Frage mich, ob die Verkündung des neuen Spiegel-Chefs ähnlich genial inszeniert wird, wie das dem FC Bayern bei Klinsi gelungen ist.

| Freitag, 11. Januar 2008 | 23:25
Frisch vom Boulevard | Kommentieren


Schmuddelzeitschriften sind out. Das wissen wir alle spätestens, seitdem der Bauer-Verlag sich von der Praline trennte. Also so halb, weil im Internet gehört die Praline ja noch zum Bauer-Verlag. Zwar lebt sie als Zeitschrift immer noch, doch vergleichbar ist ihre Beliebtheit, ja vielleicht sogar ihre Relevanz, mit vergangenen Tagen nicht. Das geht nicht nur der Praline so, auch andere Zeitschriften, die sich auf die Darstellung wenig bekleideter Damen spezialisiert haben, haben an Auflage verloren, ja, viele gibt es sogar nicht mehr.
zeitschriftenblog.jpg

Nach und nach sterben sie. Bekannte und weniger bekannte. Gute und, äh, lassen wir das.
Welche dieser Zeitschriften es in diesem Jahr erwischt hat, wollen wir hier dokumentieren. Der Friedhof der Schmuddelblätter sozusagen.

geile-titten.jpg reifscharfsexy.jpg

Letzte Ausgabe: 09.03.07 Letzte Ausgabe: 09.03.07

suessegirls.jpg dream-girls.jpg

Letzte Ausgabe: 15.03.07 Letzte Ausgabe: 22.03.07

69sex.jpg extrem-haarig.jpg

Letzte Ausgabe: 13.04.07 Letzte Ausgabe: 14.04.07

private-peepshow.jpg dickrundprall.jpg

Letzte Ausgabe: 20.04.07 Letzte Ausgabe: 11.05.07

sexxy-girls.jpg sexykontakt.jpg

Letzte Ausgabe: 18.05.07 Letzte Ausgabe: 25.05.07

super-busen.jpg sexsuende.jpg

Letzte Ausgabe: 06.06.07 Letzte Ausgabe: 08.06.07

jungemaedchen.jpggerda-reif-und-kraeftig.jpg

Letzte Ausgabe: 06.07.07 Letzte Ausgabe: 08.08.07

scharf-sexy.jpg

Letzte Ausgabe: 28.09.07

Welche Zeitschriften sonst so das Jahr 2007 nicht überlebt haben – retromedia.de.

| Montag, 31. Dezember 2007 | 16:33
Todesanzeigen | 22 Kommentare


Das spannendste an der Absage von Claus Kleber, Chef vom SPIEGEL zu werden, ist die Begründung:

Wir stehen mit dem ‘heute-journal’, mit unseren Nachrichtensendungen im ZDF an der Schwelle des digitalen Zeitalters. In einem Jahr senden wir mit neuester Technik aus dem modernsten News-Studio Europas. Die Informationsgesellschaft wird sich verändern, ein ungeheuer spannender Prozess. Den will ich zusammen mit meinem Team gestalten.

Heißt doch eigentlich: Print ist tot, oder?

| Donnerstag, 13. Dezember 2007 | 00:22
Frisch vom Boulevard | 1 Kommentar


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