Texte aus der Kategorie 'Zeitschriften im Test'
Promedia

War mir ja gar nicht so bewusst, dass es Medienmagazine wie Sand am Meer gibt. Dank des Medienforums in der vergangenen Woche habe ich ein paar von denen abseits des Mainstreams kennengelernt. Ich muss sagen: Bei manchen ist es nicht wirklich schade drum.
Nehmen wir beispielsweise das Magazin “pro media“, das ihr monatlich erscheinendes Magazin ganz im Zeichen des Medienforums gestaltete. Sprich: Das Heft drehte sich vor allem um Medien aus NRW. WAZ, WDR, Handelsblatt – fast alle großen kamen vor. Das Schlimme (also neben den Tatsachen, dass deren Internetseite schon den ganzen Tag nicht funktioniert und ein Jahresabo 195 Euro kostet) allerdings ist: Alles, was in diesem Heft zu finden ist, sind wirklich grottige Interviews. Ja, grottig. Kann man nicht beschönigen. Gründe?
Erstens: Man merkt den “Gesprächen” an, dass die meisten von ihnen per Mail oder Fax “geführt” worden sind. Sprich: Fragen ausdenken, Fragen hinschicken, Antworten zurückbekommen, fertig. Bei keinem der Interviews merkt man, dass da nochmal nachrecherchiert oder nachgehakt wurde, es sind unfassbar viele Rechtschreibfehler drin – also eigentlich ganz ganz furchtbar. Dieses “Nicht-Eingreifen” führt im Übrigen auch dazu, dass die letzte Antwort im Interview mit WDR-Intendantin Monika Piel wirklich beinahe eine Spalte lang ist.
Zweitens: Vielleicht liegt es daran, dass es sich bei diesem Blatt um das Medienforum-Spezial handelt. Denn nur so lässt es sich eigentlich erklären, dass der Kölner OB Fritz Schramma folgende Fragen gestellt bekommt (in einem so genannten Medienmagazin): “Welche Rolle spielt für den Medienstandort das Medienforum?” oder “Welches Entwicklungspotenzial sehen Sie für die kommenden Jahre?” oder “Im nächsten Jahr könnte es das 20. Medienforum NRW geben. Wird es ein rauschendes Fest werden?”. Man könnte das ganze Gefälligkeitsjournalismus nennen, wenn man wollte.
Drittens: Leider gelang es bei dieser Ausgabe auch nicht, die Leute “Interviews” machen zu lassen, die sich mit dem Medium oder der Person vorher mal ordentlich auseinandergesetzt haben. Oder warum stellt man Julius Endert von Handelsblatt.com die seltsame Frage “Was ist ein elektrischer Reporter?”
Meine Empfehlung: Nicht abonnieren. Kaufen geht ja anscheinend eh nicht.
Ebay Magazin

Nein, ich brauche diese Zeitschrift nicht. Mir hat sich bisher die Faszination des Einkaufs bei Ebay schlicht nicht erschlossen. Ich lege keinen Wert darauf, von anderen Käufern bewertet zu werden. Genauso wie ich per Katalog shoppen meide, mag ich mir meine Klamotten auch nicht bei Ebay kaufen. Und an Papst-Autos, Promis oder sogar ganzen Bands hatte ich bisher auch noch kein Interesse. Doch: Ich bin ein Einzelfall. Und deshalb gibt es wohl dieses Magazin. Für 2,50 Euro, vierteljährlich, am Kiosk.
Aber. Auch wenn ich kein wirklicher Ebay-User bin, wider Erwarten mochte ich dieses Magazin doch. Nicht, weil ich sonderlich viel Neues erfahren habe. Wohl aber, weil die Texte liebevoll aufbereitet, gut recherchiert und vor allem nett zu lesen sind. Man liest einfach diese skurrilen Geschichten über Nicknames, die Wahl des perfekten Fotos oder Produkttextes. Am liebsten mochte ich allerdings die verschiedenen Listen: die häufigsten Suchanfragen in den unterschiedlichen Ländern, die beliebtesten Nicknamen oder die Liste über die Länder, in denen die meisten Auktionen stattfinden (übrigens: Deutschland).
Doch. Ich lese all die meisten dieser Inhalte, die übrigens auf die “Ressorts” Community, Kaufen & Gewinnen, Verkaufen & Verdienen, Trends & Produkte oder Service & Wissen verteilt sind, genau einmal. Sicherlich: Wenn man einmal einen Text darüber schreibt, was man beim Ersteigern eines Telefons beachten sollte, dann kann man in drei Monaten die gleiche Geschichte noch einmal anhand von Digitalkameras und in einem halben Jahr anhand von Fahrrädern erzählen. Aber immer wieder ein Update dieser Listen? Immer wieder beste Suchtipps, Geschichten über Menschen, die gerade ausmisten oder eine Vorstellung des neuen Bewertungssystems?
Aber weil ihr auch extra eine Geschichte eingebaut habt, die eure redaktionelle Unabhängigkeit unterstreichen soll (“Alternative Marktplätze”, S. 124), bedanke ich mich auch brav. Für diese eine Ausgabe Ebay-Magazin. Es war unterhaltsam mit dir. Und das kann man wirklich nicht zu jedem Internetmagazin sagen.
Andere Meinungen:
Ulrike Simon
Thomas Lückerath
Fotozeitschriften im Test
Wenn man das erste Mal im Kiosk vor dem Regal mit Fotozeitschriften steht, hat man die Qual der Wahl. Unzählige Titel unterschiedlicher Preisklassen preisen die neuesten Testberichte, Tips und Tricks, Workshops und noch vieles mehr an. Da ist guter Rat teuer, im wahrsten Sinne des Wortes. Viele Magazine reißen mit einem Preis ab 5 € aufwärts ein kleines Loch in das schmale Budget.
Ich habe nun im Laufe der letzten Monate diverse Titel durchprobiert. Viele Verlage bieten auf ihren Internetseiten ein kostenloses Probelesen von 1 bis 2 Exemplaren an, allerdings darf bei den meisten das rechtzeitige Kündigen nicht vergessen werden, möchte man die Zeitschrift nicht regulär abonnieren.
Fotohits – Magazin für Fotografie und Bildbearbeitung

Erscheinungsweise: alle 2 Monate
Preis: 1,50 €
Seitenanzahl: ca. 90
www.fotohits.de
Bewertung: 4/5
Gliederung:
Neuheiten
Foto & Technik
Wissen
Foto Hits Aktionen
Report
Portfolio
Die Fotohits war wegen ihres sehr günstigen Preises die erste Zeitschrift, welche ich im Oktober 2006 ausprobiert habe – und ich muss gleich vorweg zugeben, ich bin ihr treu geblieben.
Mein Eindruck ist, dass es sich vorwiegend an Einsteiger in den Bereich der Fotografie richtet. Die einzelnen Artikel vermitteln gut verständlich grundlegende Informationen.
Die Themenzusammenstellung bietet von allem etwas – meiner Meinung nach eine gelungene Mischung aus Technik (Testberichte), Portfolios, Einführung in die Fotografie (z.B. wachsendes Fotolexikon), nützlichen Tips für die Bildbearbeitung und Wettbewerben.
Bei dem Preis lohnt sich ein Blick allemal.
+ günstiger Preis
+ gelungene Themenzusammenstellung
Fotoheft – Digitale und analoge Fotografie

Erscheinungsweise: monatlich
Preis: 2,50 €
Seitenanzahl: ca. 70
www.photographie.de
Bewertung: 1/5
Gliederung:
News
Technik & Test
Wettbewerbe
Rubriken & Praxis
Schulen zum Sammeln
Mein erster Eindruck von dieser Zeitschrift war etwas ernüchternd: Sehr bunt, sehr oberflächlich und irgendwie inhaltslos.
Neben den üblichen Testberichten und News vom Fotomarkt, an denen es nichts auszusetzen gibt, ist dieses Heft vor allen Dingen eins: vollgestopft mit Wettbewerben. Die Anzahl der informativen Artikel lässt zu wünschen übrig, einzig und allein die zwei oder drei Workshops laden zum verweilen, sprich lesen ein.
Mein Anspruch an eine Fotozeitschrift ist ein anderer – möchte ich mir eine Fülle von Bildern anderer Hobbyfotografen anschauen, klicke ich im Internet auf die entsprechenden Seiten (z.b. Fotocommunity) – in einem Printmagazin wirkt dies jedoch auf mich ermüdend.
Auch wenn der günstige Preis zum Lesen einlädt – das Fotoheft selbst tut es nicht.
+ nette Workshops
+ günstiger Preis
- oberflächlich
- wirkt inhaltlos und mit Wettbewerben überladen
Hier gibt es zwei Ausgaben gratis.
CHIP Foto Video digital

Erscheinungsweise: monatlich
Preis (mit DVD): 4,20 €
Seitenanzahl: ca. 120
www.chip-fotowelt.de
Bewertung: 4/5
Gliederung:
Aktuell
Community
Test & Technik
Praxis & Workshops
Professionell
Im Test
Ich muss ehrlich zugeben, im Kiosk hatte mich die CHIP nicht gereizt – eher durch Zufall bin ich über ein gutes Probe-Abo-Angebot zu ihr gelangt. Doch was ich entdeckte, überraschte mich.
Das Magazin bietet sehr ausführliche (Test-)Berichte, sowohl zu Kameras als auch zum Zubehör (z.B. Drucker, Speicherkarten). Positiv: Neben Kameras werden auch Objektive sehr ausführlich unter die Lupe genommen und bewertet. Ebenso wird auf Bildbearbeitungsprogramme eingegangen.
Zudem bietet die Chip eine gute Auswahl an interessanten und informativen Artikeln, hilfreiche Praxisworkshops und Tips zum Fotografieren.
+ ein empfehlenswertes Rundum-Paket
Hier geht es zur digitalen Leseprobe.
Hier gibt es eine Ausgabe gratis.
ColorFoto – Das Magazin für digitale und analoge Fotografie

Erscheinungsweise: monatlich
Preis: 5,00 €
Seitenanzahl: ca. 130
www.colorfoto.de
Bewertung: 3/5
Gliederung:
News
Kurztests
Kameras
Objektive
Software
Drucker
Service
Zubehör
Portfolio
Fotopraxis
Zur ColorFoto lässt sich Ähnliches sagen wie zur Chip Foto Video digital. Umfangreiche Testberichte, hier jedoch mehr im Rundumschlag – nicht nur Kameras und Objektive, auch anderes Fotozubehör wie Taschen, Drucker und PC-Programme werden ausführlich unter die Lupe genommen. Sehr positiv ist mir die gute und im Vergleich große Auswahl an Fotopraxis-Workshops aufgefallen.
Mir persönlich sagt die ColorFoto nicht gänzlich zu, aber sie ist einen Blick wert.
+ große Auswahl an Praxis-Workshops
FotoMagazin – Das moderne Magazin für Fotografie und Imaging

Erscheinungsweise: monatlich
Preis: 5,00 €
Seitenanzahl: ca. 130
www.fotomagazin.de
Bewertung: 4/5
Gliederung:
Bild
Test & Technik
Praxis
Das FotoMagazin biete zahlreiche, jedoch meist weniger ausführliche Testberichte zu Kameras. Dies ist meiner Meinung nach jedoch zu vernachlässigen – wenn man sich einmal eine Kamera zugelegt hat, schaut man sich sicherlich nicht sofort nach einer Neuen um. Insofern sagt mir ein anderes Themengebiet der Technikberichte mehr zu: Objektive. Diese werden in diesem Magazin recht umfangreich behandelt.
Diese Fotozeitschrift ist durch die ästhetische und dadurch hochwertig wirkende Bebilderung auf jeden Fall auch etwas für’s Auge. Einzig und allein eins trübt den guten Eindruck: eine Menge Seiten an Werbung.
Die Auswahl an ausführlichen Artikeln aus den unterschiedlichsten Themengebieten ist auf jeden Fall sehr lesenswert.
Praxisworkshops zur Bildbearbeitung werden beim FotoMagazin vernachlässigt – hilfreich sind dafür jedoch die Tips zur Fotografie im Allgemeinen.
+ sehr gelungene Artikel zu den unterschiedlichsten Themengebieten
- viel Werbung
PHOTOGRAPHIE – Das Magazin für digitale und analoge Photographie International

Erscheinungsweise: monatlich
Preis: 5,00 €
Seitenanzahl: ca. 120
www.photographie.de
Bewertung: 2/5
Gliederung (Ausgabe 5/2007):
Blicke & Portfolios
Gesichter & Geschichten
Test & Technik
Action & Awards
Praxis & Knowhow
Galerie & Forum
Das bereits weiter oben erwähnte Fotoheft ist ein kleiner Ableger des Magazins PHOTOGRAPHIE. Dementsprechend skeptisch ging ich nun an diese Zeitschrift heran.
Auf den ersten Blick wirkt sie wie das Hochglanzmagazin unter den Fotozeitschriften, verstärkt wird dies auch durch das große Format – und auch während des Lesens bleibt dieser Eindruck.
Photographie bietet interessante Artikel mit ausdrucksstarken Fotografien, einige ausgewählte Testberichte, welche sehr ausführlich daher kommen. Auch einige praxisorientierte Artikel runden den Inhalt ab.
Überzeugen kann mich diese Zeitschrift jedoch nicht, sie hinterlässt bei mir lediglich durch ihre eindrucksvollen Bilder einen bleibenden Eindruck. Der Inhalt an sich ist Geschmackssache.
+ eindrucksvolle Bebilderung
Hier gibt es zwei Ausgaben gratis.
DigitalPHOTO

Erscheinungsweise: monatlich
Preis: 6,90 € (mit CD)
Seitenanzahl: ca. 110
www.digitalphoto.de
Bewertung: 3/5
Gliederung:
Aktuelles
Test
Fotopraxis
Fotografie
Bildbearbeitung
An diesem Magazin schreckte mich vor allem eines ab – der Preis. Knapp sieben Euro finde ich persönlich für eine Zeitschrift doch recht happig. Ich muss jedoch zugeben – sie ist es im Preis-/Leistungsverhältnis wert.
DigitalPhoto bietet die üblichen Testberichte zu Kameras, Objektiven und Zubehör, beeindruckt jedoch durch informative und sehr ausführliche Berichte. Egal ob es um allgemeine Artikel, Workshop zur Bildbearbeitung oder um Tips zur Fotopraxis geht – alles wird verständlich und ausführlich beschrieben. Die Themenauswahl lässt nicht zu wünschen übrig, die Werbung im Heft hält sich in Grenzen, die CD bietet nützliche Programme und Workshops.
Wen der hohe Preis nicht abschreckt, für den lohnt sich der Griff zu dieser Fotozeitschrift.
+ informative und sehr ausführliche Berichte
- hoher Preis
Hier gibt es zwei Ausgaben gratis ( -> “Kennenlern-Abo”).
Foto Praxis

Erscheinungsweise: alle 2 Monate
Preis: 7,80 € (mit CD)
Seitenanzahl: ca. 140
www.fotopraxis-online.de
Bewertung: 2/5
Gliederung (Ausgabe 02/07):
Kurz belichtet
Die große Fotoschule
Die besten Profitricks
Testlabor
Die besten Fototools
Bilder perfekt präsentieren
Video-Praxis
Gleich vorweg: Aufgrund des hier ebenfalls sehr hohen Preises habe ich von dieser Zeitschrift nur eine Ausgabe getestet.
Was sofort auffällt: Wie der Name es schon sagt, ist die Foto Praxis sehr praxisorientiert. Testberichte zu Kameras tauchen hier nur in niedriger Zahl und nicht sehr umfangreich auf. Dafür wartet das Magazin mit Berichten zum Zubehör auf, z.B. Stative und Blitzgeräte. Ebenso werden zahlreiche Bildbearbeitungsprogramme vorgestellt.
Die Rubrik „Die große Fotoschule“ hält, was sie verspricht: Zahlreiche Tips und Tricks werden in umfangreichen Artikeln sehr ausführlich erläutert. Die beigefügte CD bietet dazu ergänzend Videos oder die passenden Tools.
Die allgemeinen Artikel zu diversen Themen aus der Fotopraxis (z.B. Monitorkalibrierung, Kamerareinigung) gestalten sich ebenso sehr umfangreich und informativ.
Diese Fotozeitschrift reizt mich persönlich nicht, zum treuen Leser zu werden – ist jedoch bei interessanten Titelthemen hin und wieder sicherlich einen Blick wert.
+ sehr praxisorientiert
+ „Die große Fotoschule“ ist empfehlenswert
- hoher Preis
Fazit:
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass keine Fotozeitschrift perfekt ist – um einen umfassenden Überblick über alle Themengebiete der Fotografie zu erlangen, reicht meiner Meinung nach nicht die Lektüre eines Magazins. Was ich sehr schade finde – strapaziert es doch nur unnötig den Geldbeutel des interessierten Lesers.
Meine persönlichen Favoriten führt die Foto Hits aufgrund ihres unschlagbaren Preises an – der Inhalt stimmt, dabei kann man einfach nichts verkehrt machen. Platz 2 teilen sich die CHIP und das FotoMagazin – beide bieten gute Testberichte zu Objektiven und informative Artikel.
Platz 3 geht an die DigitalPhoto – dieses Magazin bietet unumstritten von allen Zeitschriften die ausführlichsten Berichte und Workshops. Ein großer Wermutstropfen ist jedoch der happige Preis.
{Veröffentlicht @ Bilderzirkus}
Zeitschriften im Test: Hello!

Stimmt’s, ihr meint auch, dass alleine dieses Cover für einen neuen Zeitschriftentest spricht? Wer wie ich zunächst glaubt, dass es hier um die große Cover-Story zur Hochzeit von Rüpel-Kicker Wayne Rooney handelt – weit gefehlt. Seine süße Coleen feierte “nur” ihren 21. Geburtstag. Trotzdem hat sich Wayne ein bisschen – sagen wir einmal – aufgehübscht. Ist er nicht irgendwie süß?
Aber genug zum Cover, da es sich hier um einen Zeitschriftentest handelt, kann ich mich ja nicht nur über die erste Seite dieses englischen People-Magazins auslassen, obwohl sich hinter dem angekündigten Titel um eine 24 Seiten lange (!!!) Geschichte handelt: Alle Fotos, alle Details (der geschenkte Brillie, die heißesten Gäste, die Fußball-Freunde). Immerhin – Hello! ist knapp 160 Seiten stark. Wie hoch der Rooney-Anteil also ist, sollte sich der geneigte Leser selbst ausrechnen.
Aber kommen wir zu den Fakten zu Hello!. Und die sind im Grunde auch schnell erzählt. Denn: Wer die Bunte oder Gala kennt, kennt auch Hello!. Nur, dass wir hier weniger tolle Fotos von Jutta Speidel (ok, kleiner Scherz) oder Sarah Connor finden, sondern ein bisschen mehr Prinzessinnen-Quatsch und Fearne und Katie (TV-Presenters). Sowieso finde ich ja, dass das Wort TV-Presenter tausendmal besser ist als Moderator(in), was ja in Deutschland für jedes Häschen gilt.
Aber ich schweife schon wieder ab. Hello! gibt’s seit 1988, es erscheint wöchentlich und kostet 1,90 Pfund. Also eigentlich perfekt für mich, die in dieser Woche eine der mehr als 400.000 Menschen war, die zu dem Magazin gegriffen haben.
Kommen wir also schnell zu dem wirklich wichtigen, den Inhalten. Und die sind, in Zeiten von diesem Internet, von dem viele seit einiger Zeit sprechen, eher als langweilig einzuschätzen. Neue Gerüchte um eine Schwangerschaft von Nicole Kidman? Schon gelesen. Naomi Campbell hat ihre Sozialstunden abgeleistet? Alles schon gelesen und gesehen. Britney Spears kann mit Perücke wieder lachen? Nicht neu. Der Rosenball von Monaco mit der schönen Prinzessin Charlotte? Sie tanzte auch schon woanders ganz wild.
Neu war für mich lediglich die Tatsache, dass Hugh Grant gerade mit einer Frau was hat, die einen kleinen Jungen mit in die Beziehung gebracht hat. Und dass es in Sachen Jet-Set Girls auf jeden Fall Nachwuchs gibt. Zumindest auf der Insel.
Kommen wir aber nun noch zum letzten wirklich lohnenden Detail dieser Ausgabe von Hello!: diesem Foto. Interessierte können gerne miträtseln: Spot the Rooney! Wie viele Rooneys sind auf diesem Bild vereint? Kleiner Tipp: Es sind nicht zwei!

spex
Da liegt sie nun, die erste mit Spannung erwartete spex-Ausgabe unter neuer redaktioneller Führung. Zu allererst fällt natürlich die Optik auf. Das Cover sieht anders aus, kein weißer Rand mehr, kein schwarzes Logo auf weißem Kasten. Anders, nicht unbedingt moderner. Beim Durchblättern des Heftes kommt schnell Ernüchterung dazu: Die Optik des Heftes kann kein bisschen mit der spex der vergangenen Jahre mithalten, mit dem Heft des Art Directors Mario Lombardo, der unzählige Preise gewann und spex ständig neu erfand. Die neue spex besteht hauptsächlich aus einer Optik: Oben Foto, unten Text, alles schön geordnet, aber völlig uninspiriert. Zumindest auf diesem Feld ist also noch viel zu tun.
Wie sieht es aber mit dem wichtigeren Teil aus? Den Texten, den Themen, den Inhalten? Der erste Text der neuen Redaktion ist ein überaus seltsames Editorial, das die Wirrungen vom Ende des Jahres, als die alte Redaktion der neuen Platz machen musste, zwar kurz anspricht, dann aber auf zwei Seiten lieber alte Diedrich-Diederichsen-Texte zitiert ohne auf den Punkt zu kommen. Unterschrieben ist das Editorial mit “Die Redaktion”, nicht also mit Max Dax, dem neuen Chef der Truppe. Nach dem Inhaltsverzeichnis folgt dann eine Seite mit Leserbriefen beziehungsweise Forumseinträgen zur spex-Revolution. Auch dort: keine Meinung der neuen Redaktion, keine Worte zum neuen Heft, keine Ankündigungen zur neuen Linie, etc. Nur Lesermeinungen.
Es folgt der “Magazin”-Teil mit kurzen Texten zu den Klaxons, !!! und den Flowerpornoes. Erster Höhepunkt dann auf Seite 26. Max Dax trifft Mark E. Smith von The Fall. Nett geschrieben, ein wenig selbstherrlich, aber das ist okay. Ein paar Seiten später sorgt Dax für das zweite Highlight: ein herrlich ungeglättetes Interview mit Nick Cave und seiner neuen Band Grinderman. Doch das war’s dann schon so ziemlich mit Texten, die gelesen werden müssen.
Jochen Distelmeyer sagt in einem Interview das selbe wie in anderen Interviews zum Blumfeld-Ende, das “Vorspiel für Pole” ist viel zu lang geraten, der Robert-Anton-Wilson-Nachruf kommt auch ein bisschen spät. Der Nachteil der neuen zweimonatlichen Erscheinungsweise. Immer wieder aber geht das immer gleiche Layout auf die Nerven. Selbst die okaye Titelgeschichte über Maximo Park ist langweilig gestaltet.
Hinten raus wird es dann immer seltsamer mit der neuen spex. Eine 10-Seiten-Reportage über Tiflis und Georgien? 12 Seiten Gespräche mit Berliner “Underground-Rappern”? Sido? Underground? 14 Seiten über den Künstler Martin Kippenberger? 10 Seiten über die Hip-Hop-Szene Houstons? Das interessiert mich alles nicht. Klar, es gab immer wieder Vorwürfe, die spex kreise sich nur um “weiße” Indie-Musik und ignoriere Hip Hop. Aber ist das nicht gerade die Stärke einer Zeitschrift? Die klare Konzentration auf bestimmte Themen? Wenn ich etwas über Hip Hop lesen will, greife ich zu andern Blättern, aber nicht zur spex.
Wirklich bitter ist dann das, was ab Seite 144 folgt: die Plattenkritiken. Ganze 25 Rezensionen. In einem 2-Monats-Magazin. Das ist mir viel zu wenig. Denn 90 % der Platten sind diejenigen, die eh durch alle Magazine bis in den Mainstream gejagt werden: Air, Kaiser Chiefs, Arcade Fire, The View. Wo sind all die Bands und Künstler, die man durch spex erst entdeckt? Genau das ist das Hauptproblem der neuen spex. Sie bietet keine Überraschungen, sie lässt kalt, sie langweilt, sie kreist sich um Cave, Distelmeyer, Smith. Vergangenheit, nicht Zukunft – das ist die neue spex. Und wenn sich das nicht in den kommenden Ausgaben wieder ändert, sehe ich auch keine große Zukunft mehr für ein solches Magazin. So leid es mir tut.
Profits
Wenn ich aus dem Stand mal die schlechtesten mir bekannten Magazine benennen sollte, wäre Profits definitiv ganz vorn dabei. Profits, so heißt es beim Deutschen Sparkassenverlag, “ist das große deutsche Nutzwertmagazin für den klassischen mittelständischen Unternehmer sowie für eine immer stärker wachsende Zahl von gut verdienenden Freiberuflern und Selbstständigen”. Ich würde ja eher sagen, Profits ist eine der größten Geldverschendungen im Markt der Kundenzeitschriften.
Jedenfalls ist es seit Jahren das einzige Magazin, dass ich ins Altpapier verabschiede, ohne auch nur einmal in den Innenteil geschaut zu haben.
Das Magazin kommt in dem Bemühen um Seriosität ungefähr genauso sexy daher, wie ein Filialleiter der Sparkasse Hunsrück in der letzten halben Stunde seiner jährlichen Weihnachtsfeier-Ansprache an die Beschäftigten. Aber schauen wir uns das elend ruhig mal genauer an. Zum Beispiel am Beispiel der ersten Ausgabe dieses Jahres. Die habe ich mit nämlich mal wieder angesehen. Und mich gleich gehörig geärgert.
“So machen Sie Ihre Firma stark” steht da auf dem Titel. Und illustriert wird das – Achtung! Bildwitz! – mit einer Tasse Kaffee, die so stark ist, dass der Löffel drin steht. Höhö. Dabei möchte man den Machern des Heftes zurufen: Nehmt mehr Koffein. Das könnte auch das Magazin lebendiger erscheinen lassen.
Denn der Inhalt von Profits ist so leblos, dass ich nun schon seit einigen Minuten überlege, woran ich das festmache. Aber die Geschichten plätschern alle so gleichermaßen lieblos dahin, dass es nichtmal eine besonders schlechte gibt. Sie sind eher alle gleichschlecht. Überschriften wie “Blick über den großen Teich” (Thema Auslandsgeschäft), “Ausgeprägte Treue” (Firmenporträt) oder “Politur fürs Image” (Unternehmenswettbewerbe) zeugen vom mangelnden Esprit der Redaktion.
Unterstützt wird das alles mit einem Layout, dass keine Akzente setzt. Bilder und Texte werden auf jeder Seite gleichmäßig leidenschaftslos zusammengezimmert. Keine Highlights, keine Pointen, plätscher, plätscher. Allerdings immer mit dem Bemühen, möglichst viel Text unterzubringen und dieses Bemühen nicht von allzu vielen Bildern behindern zu lassen.
Dabei reden wir hier schon über einen modernisierten Auftritt. Als ich das letzte Mal ins Heft gesehen habe – das mag gern ein bis zwei Jahre zurückliegen – sah das alles noch so aus, als hätte man beim Verlag gerade den Schriftsatz mit beweglichen Lettern entdeckt. Von Layout mochte man da gar nicht reden. Jetzt gibt es wenigstens mehr als ein Bild pro Doppelseite.
Gleichwohl ist der Auftritt des Magazins eigentlich eine Ungeheuerlichkeit. Und das unter mehreren Aspekten.
Offensichtlichtlich glauben die Macher von Profits, den Firmenkunden der Sparkassen ein solches Magazin andrehen zu können. Die Welt hat sich in den letzten Jahren aber ein bisschen schneller gedreht, als man das in Stuttgart, dem Sitz des Verlages, offensichtlich mitbekommen hat. Kundenmagazine sind heute oft so gut, dass Sie mit Kauf-Zeitschriften locker mithalten können.
Einige nutzen den fehlenden Druck von Verkaufszahlen (beziehungsweise die gesicherte Finanzierung durch Auftraggeber) sogar dafür, besseren Journalismus zu bieten, als Kiosk-Magazine das aufgrund von Sparzwängen oft können. Hier aber führt der Mangel an Wettbewerb dazu, dass ein Verlag langweiligen Journalismus in mittelmäßiges Layout verpackt.
Und das ist der zweite Ungeheuerlichkeits-Aspekt: Die Sparkassen zahlen das sogar. 65.075 Exemplare nehmen sie laut IVW pro Ausgabe durchschnittlich beim Verlag ab. Für 52 Seiten gähnende Langeweile. Sechsmal im Jahr. Das tut weh.
Nun ist es ja aber durchaus so, dass die deutschen Sparkassen beim Mittelstand und seiner Finanzierung eine wichtige Rolle spielen. Einher geht das damit, dass die Unternehmer den Instituten Kompetenzen unterstellen. Was für ein großartiges Magazin könnte man auf dieser Basis machen. Nutzwertige Informationen aus erster Hand, Best-Practice-Reportagen aus dem Innenleben von Unternehmen, Tipps und Tricks ind Steuer- und Finanzfragen, spannend verkauft, exklusiv verpackt.
Wenn ich mir dann also ausmale, wie Profits sein könnte, wenn die Macher ihre Auftraggeber und ihre Leser nur ernst nähmen, dann werde ich angesichts dieses Heftes fast ein bisschen wehmütig.
Vanity Fair
So wie der gestrige Tag endete, begann der heutige. Nicht weniger als vier Pressemitteilungen zur Erstausgabe von Vanity Fair blies der Verlag heraus:
- Staraufgebot bei VANITY FAIR in Berlin: Prominentenportraits verhüllen das Redaktionsgebäude zum Start des neuen Gesellschaftsmagazins
- Exklusive Aufnahmen in VANITY FAIR: Star-Regisseur Robert Wilson revolutioniert das klassische Portrait mit neuartiger Video-Technik
- Exklusiv in VANITY FAIR: Michel Friedman im Gespräch mit der NPD-Spitze
- Exklusivmeldung: VANITY FAIR in Berlin – Angelina Jolie und Brad Pitt kommen auch
Grad habe ich dann mal die Erstausgabe Vanity Fair durchgeblättert. Hier hängen geblieben, dort auch längere Stücke gelesen. Mein Urteil? Nun ja, hmm, tja, pfff, nu… Nett, würde ich sagen. Ja, nett.
Was schlechtes kann man gar nicht wirklich über diesen 720-Gramm-Brocken sagen. Aber auch nicht so viel gutes. Die Inhalte sind alle so lala. Til Schweiger auf dem Titel, Michel Friedman bei den Nazis, ein Oberflächen-Porträt von Barak Obama, Hannah Herzsprung als neues Gesicht des deutschen Films, das Tagebuch der Anna Politkovskaja, Interview mit Kurnaz-Anwalt, die frühen Jahre der Victoria Beckham und und und… Eben die Theman, die man in den letzten Wochen und Jahren so oder ähnlich ähnlich auch im Hamburger Abendblatt lesen konnte. Oder in Stern, SPIEGEL, Focus, Bunte. Also überall, außer im Herz für Tiere.
Das, was ich gelesen habe, war solide runtergeschrieben. Sauber, glatt, geradlinig. Manchmal auch schmerzbefreit, wenn man selbst vor den ältesten Plattidüden nicht zurückschreckt (“Ferari-Chef … über sein Leben auf der Überholspur” – autsch.), die einen an der Existenz eines Textchefs zweifeln lassen.
Verglichen mit dem Image des amerikanischen Mutterheftes, verglichen mit den eigenen Ankündigungen könnte man ein bisschen enttäuscht sein. Die deutsche Erstausgabe von Vanity Fair hat nun wahrlich keinen Orkan ausgelöst. Sie ist ein gut gemachtes Mainstream-Lüftchen.
Das ist schade. Denn wahrscheinlich ist die Zeit für die Gründung eines neuen großen Magazins in Deutschland gerade so günstig wie seit zehn Jahren nicht mehr.
Und darin steckt vielleicht auch die schlechte Nachricht. Das Team um Chefredakteur Ulf Poschardt hatte relativ wenig Zeit (etwa ein halbes Jahr) – gemessen daran, was man sonst üblicherweise in eine solche Neuentwicklung steckt (ein bis zwei Jahre). Aber für die Produktion eines spannenden, überraschenden Heftes sollte sie eigentlich gereicht haben.
Nunja, man kann vielleicht gegenrechnen, dass Poschardt es nicht leicht hatte. Schließlich haben die ersten Mitarbeiter ihn schon vor dem Start verlassen. Andererseits konnte sich die Mannschaft ganz aufs Heft konzentrieren. Denn der dazu gehörige Online-Auftritt startet ja erst am 5. April. (Ich kannte das bisher nur umgekehrt.)
Selbstverständlich haben die Werbekunden erstmal gut gebucht. Die Konjunktur zieht an, die Budgets sind da. Und natürlich wird sich die Erstausgabe gut verkaufen. Allein aus Neugier und im Ergebnis einer millionenschweren Werbekampagne sowie der medialen Begleitung zum Start.
Aber ich erlaube mir Zweifel, dass diese Redaktion es schafft, ein ausreichend großes Publikum Woche für Woche zum Kauf zu überzeugen. Wenn schon die Erstausgabe jeden Hauch des Besonderen vermissen lässt – wie will dieses Team dann unter echten Produktionsbedingungen Scoops ausgraben?
Der Verlag wird einen langen Atem brauchen. Oder eine neue Redaktion. In jedem Fall viel Geld.
=============================================
Weitere Reaktionen auf die Erstausgabe:
- Die Netzeitung macht sich lustig
- Thomas Knüwer irgendwie auch
- werben&verkaufen über die Nervosität bei Gruner+Jahr
- Florian Steglich hat exzellente Themenvorschläge
weddingstyle
Kommen wir nun zum einzigen Hochzeitsmagazin in Deutschland, das man empfehlen kann, ohne sich nachher dafür zu schämen: weddingstyle. Kern des Magazins, das erst fünf Mal erschien, sind die Hochzeitsreportagen.
Wenn man heiratet, tut man dies ja meist zum ersten Mal und selbst beim zweiten Durchlauf würden sich sicher nur wenige Menschen als erfahren bezeichnen. Man hat einfach keine Ahnung vom Heiraten aber umso größere Erwartungen an das Fest. Von sieben Hochzeiten, die ich in meinem Leben bisher besucht habe, waren gerade drei Feste so schön, dass sie für mich Vorbildfunktion haben könnten.
Anders als beim Matratzenkauf kann man vor dem Kauf einer Hochzeit kein Probeliegen machen, und das obwohl man für den Preis einer Mittelklasse-Hochzeit ein ganzes Kinderheim mit Matratzen versorgen könnte. Leider ist es auch sehr schwer, sich aus Informationszwecken auf andere Hochzeiten einzuladen.
Wenn man eine Hochzeit plant, braucht man vor allem Informationen. Ein Hochzeitsmagazin, das einem vor allem Informationen darüber gibt, in welches Kleid man am besten mit einer Größe 38 oder 36 passt, ist zwar hübsch anzusehen, hat aber den Nutzen einer Papaya wenn man Lust auf saure Gurken hat.
Diese Lücke füllt weddingstyle. Pro Ausgabe besucht man Dank der mehrseitigen Reportagen fünf bis acht Hochzeiten. Die Paare sind alt, jung, dünn, dick, hübsch, weniger-hübsch aber meist gut fotografiert. Praktischerweise findet man im Serviceteil die Kontaktdaten der Fotografen, deren Reportagen man zuvor bewundert hat. Vieles von dem was man sieht, entspricht nicht dem eigenen Stil ist aber es ist in gewisser Weise inspirierend.
Die Erläuterungen zu den Reportagen sind zwar zuweilen etwas sonnig-pädagogisch formuliert
Die Buchsbaumkränzchen sehen, in Reih und Glied aufgehängt wie ein Vorhang, einfach nur toll aus. Gela hatte sie mit Perlen verziert und mit Organza-Schleifenband versehen, um sie später als Autobänder zu verteilen.
aber oft interessant.
Darüber hinaus gibt es für Menschen, die viel Freude am Dekorieren, Basteln, Backen und Blumenbinden haben, detaillierte Anleitungen und Tipps für die Tischdekoration, die Einladungskarten/Papierkram, Häppchen für den Sektempfang oder zum Bau von Hochzeitstorten.
Beeindruckt war ich von der Liste mit 400 Top-Locations. Selbst unsere Lokalität, die eine Art Geheimtipp ist und Hochzeiten nur nebensächlich beherbergt, war gelistet.
Im Herzen er Zeitschrift liegt der Interaktive Weddingplanner (organisatorische Anleitung zur Durchführung einer Hochzeit). Ich weiß zwar nicht, was daran interaktiv ist, er wirkt aber sehr umfangreich. Ich habe ihn aber auch noch nicht benutzt. Bisher haben der Verlobte und ich die Situation ohne interaktive Hilfe gut im Griff.
Auch bei der Brautkleidfrage geht weddingstyle einen anderen Weg als die anderen Magazine. Pro Ausgabe gibt es eine Reportage wie eine normal-aussehnde Frau ein schönes Kleid kauft oder schneidern lässt.
Unterhaltsam, aber wie ich finde wenig nützlich, ist der Outfit-Finder je einmal für Braut und Bräutigam. Wie bei dem Kinderspiel bei dem das Bild eines Tieres in drei Partien (Kopf, Oberkörper und Beine) geteilt ist und man durch das Untereinanderlegen der Körperteile Fantasiegestalten basteln kann, ist es hier möglich das Outfit zu kombinieren (Kleid, Schleier/Frisur, Schmuck, Schuhe).
Von Kleid, über Dekoration, zu Zeremonie bis hin zu Trauringen, Torten und Flitterwochen wird jeder relevante Themenbereich innerhalb (eines) Heftes mehr oder weniger ausführlich angesprochen.
Das fand auch eine Hochzeitstortenkonditorin, mit der ich mich auf einer Hochzeitsmesse unterhielt. Ich hatte in weddingstyle über ihre Arbeit gelesen. Genauso wie ich war sie der Meinung, dass es sich hier um das einzige informative Magazin handeln würde. Bei der Gelegenheit erfuhr ich auch, dass die Chefredakteurin Christine Sperl wohl langjährig als Hochzeitsplannerin tätig war und irgendwann genervt von den Zero-Content-Magazine beschlossen hat, ein Besseres zu machen.
Dass ihr dies gelungen ist, ermittelte auch meine persönlich angelegte empirische Studie. Zwei Freundinnen, die für ein Wochenende zu Besuch waren und sich auf meine Hochzeitsmagazine stürzten, als stände darin, wie man eine Million Euro in zwei Tagen verdient, teilten mir mit getragener Stimme mit, dass weddingsstyle ja wohl das einzige Magazin wäre, das was taugen würde und fragten mich, warum ich mir denn bitteschön die anderen Hochzeitsheftchen gekauft hätte?
Keine Ahnung, wahrscheinlich um darüber schreiben zu können. Naja und wegen der Bilder.
Emma

30 Jahre Emma – Zeit, um einmal ein paar Worte über mein Verhältnis zu dieser Zeitschrift zu verlieren. Was bedeutet mir diese Zeitschrift von Alice Schwarzer? Ganz ehrlich? Die Antwort auf diese Frage lautet schlicht und ergreifend: nichts. Ein einziges Mal stand ich im Zeitschriftenkiosk und dachte mir, och, könntest dir ja mal die Emma kaufen. Das ist noch gar nicht so lange her, da zierte nämlich Jürgen Vogel das Titelblatt. Ein Mann auf der Emma, ist ja eher selten gewesen, in den vergangenen 30 Jahren.
Einerseits ist es wohl traurig, dass ich nicht ein einziges Mal in meinem Leben Emma gelesen habe. So als Frau, junge Frau unter Männern. Und andererseits ist es vielleicht gar nicht so schlimm: Schließlich findet man Frauenthemen nicht nur in Emma, sondern auch in anderen Zeitschriften. Und auch wenn ich es nicht wirklich beurteilen kann, weil ich dieses Magazin bisher vortrefflich ignoriert habe, ist es vermutlich trotzdem ein Verdienst von Emma, dass ich in den vergangenen 30 Jahren nie wirklich Emma lesen musste. Weil meine Mutter zuhause immer Brigitte las, weil es auch in anderen Zeitungen und Zeitschriften (mittlerweile) Frauenthemen gibt.
Wenn also Emma oder Alice Schwarzer also Frauenthemen, Feminismus und all den Kram in die deutsche Medienlandschaft gebracht hat, dann stimmt mich die Lektüre dieser Jubiläumszeitschrift verdammt traurig. Nicht, weil es anscheinend immer noch total wichtig ist/sein muss oder was auch immer, dass es Emma gibt. Nein, eher weil Emma es in all den Jahren nicht geschafft hat, sich so zu präsentieren, dass sie Spaß macht. Sie geht Themen an, die sicherlich irgendwie wichtig sind, aber so verquast geschrieben sind, dass höchstens Hardcore-Frauen diese gerne lesen.
Nun lehrt die (Frauen)Geschichte, dass, wann immer eine Spezies systematisch lächerlich gemacht wird, es damit eine besondere Bewandnis hat und die behauptete Lächerlichkeit, also Marginalität, meist im Gegensatz steht zur tatsächlichen, nämlich beachteten und für einige sogar bedrohlichen Bedeutung dieser Spezies.
(Entnommen aus dem Text: “Frauenbeauftragte – jenseits des Klischees”.)
Langweilig sind die Promi-Glückwünsche (Harald Schmidt, Reinhold Beckmann, Kai Diekmann, Dörte Gatermann (Architektin), Peter Hahne u.v.m.). Sie dürfen sagen, was sie 1. an Emma freut und 2. ärgert. Ihr seid sicherlich nicht sonderlich überrascht, dass die schlimmsten weil vorhersehbarsten Antworten auf diese Fragen auch die am meisten verwendeten Antworten sind. Sinngemäß: 1. und 2.: Dass es sie gibt.
In einem Text über Sarah Wiener geht es vor allem darum, dass sie kocht und eine Frau ist. Auch der Text über eine Betriebsratsvorsitzende thematisiert vor allem das Geschlecht der beschriebenen Person und als es dann um die EU-Generalanwältin Juliane Kokott geht, erfahre ich lerne noch hinzu, dass man Journalistinnen immer noch mit großem I schreibt.
Egal, ob Ulla Schmidt oder die vier Stimmenimitatorinnen (drei Angela Merkel, eine Ulla Schmidt) – Warum nur muss jeder Text das Frausein oder irgendeine Metaebene des Frauseins thematisieren?
Ich weiß nicht, wie oft ich mittlerweile Geschichten darüber gelesen habe, wie beschissen es als alleinerziehende Mutter ist: Die Anfeindungen aus den Kindergärten, von Kollegen, Freunden, Nachbarn, was für eine Rabenmutter man doch sei. Wahrscheinlich ist es wichtig, dass diese Texte geschrieben werden, immer wieder geschrieben werden. Ich kann’s nicht mehr lesen.
Das ist wohl ebenfalls ein Verdienst von Emma. Die Übersättigung. Ich weiß nur nicht, ob dies auch beabsichtigt war.
das gegenteil von gut ist gut gemeint: das neue stern-layout
ich habe mir letzte woche den stern zum ersten mal seit vielen jahren wieder gekauft, weil thomas knüwer meinte, dass das neue layout das sich der stern verpasst habe nichts tauge. das hat mich neugierig gemacht und ich wollte es selbst sehen. thomas knüwers erste reaktion war: „spinnen die?� meine erste reaktion war ähnlich: „argh!�.
ich wollte nicht ungerecht sein und wartete die zweite ausgabe im neuen layout ab, die heute erschien. bei beiden ausgaben fiel mir zuerst der heftumfang auf: der „neue� stern fühlt sich an wie die fernsehbeilage prisma, dünn, schlabbrig und fast ein bisschen klebrig. war der stern früher nicht mal dicker, solider, glänzender? dann das inhaltsverzeichniss, dicke rote balken unter jedem zweiten aufmacherfoto scheinen an die farbe eines anzeigenkunden angepasst: eon-rot mit etwas schattigem schwarzverlauf. überhaupt dieser schwarzverlauf. überall im heft werden linien und farbflächen mit diesem schwarzverlauf unterlegt. das soll wirken wie ein schatten und plastizität suggerieren. auch die abgerundeten ecken die jeden zweiten kasten (mit schatten!) umschliessen werden bereits im inhaltsverzeichniss eingeführt.
drei webzwonullige hauptzutaten fallen also sofort ins auge: abgerundete ecken, schatten, balken, grosse überschriften. nur die topmoderne icon- oder text-spiegelung fehlt noch.
ich blättere weiter. die leserbriefseite ist zwar ein wilder mischmasch von serifen und seriflosen schriften, mal schwarz, mal grau, mal fett, mal kursiv, mal fett und kursiv, mal ganz gross, mal ganz klein. in jedem leserbrief 6 verschiedene schriften bzw. schriftauszeichnungen. trotzdem, bis auf die kleine graue farbfläche die rechts abgerundete ecken, oben einen roten balken und links einen schwarzen balken hat, schmerzt diese seite noch nicht allzusehr — solange es nicht zu hell ist.
die schmerzen fangen auf seite 23 an, bei den „nachrichten der woche�. eine seite voller unerträglichem kuddelmuddel. eine überschrift ist serifenlos, eine andere mit serifen-schrift, sechs überschriften oder anreisser sind in versalien, also grossbuchstaben, vier nicht, die seite wirkt vollgequetscht, die info-box links ist übervoll und quietschbunt. das hitlerbiild hat abgerundete ecken, das von peer steinbrück eckige ecken, der „streit der woche� und die „stern-umfrage� haben schutzbalken um sich herum. ich sehe wieder eon-rot, braun-rot, helllrot, graurot, graugrau und nur ganz wenig weiss. fast jede weisse fläche ist mit pastelligen farben zugeschmiert. dagegen sind aldi-anzeigen glanzlichter der typografie.
unter schmerzen blättere ich weiter. schatten, runde ecken, balken. überall balken und linien. und farbflächen, manchmal auch ineinander verschachtelt, manchmal transparent. ich blättere schneller um die unsägliche jugendstil- bzw. frieseurartige schrift (aus den usa?) die ich in der ausgabe der letzten woche sah in den überschriften wiederzufinden. bis seite 80 taucht sie nicht auf (auch später nicht), auch das layout scheint sich zu beruhigen. es wird zu mitte des heftes entspannnter, weniger quirlig, ein bisschen so wie ich den stern aus den siebzigern in erinnerung habe. schwarzweiss mit roten einspregseln, fotos und langen textstrecken die mit dicken foto-doppelseiten aufmachen.
doch dann, im resort „lebensart� wechselt die typografie plötzlich wieder. statt fetter serifenloser überschriften sehe ich jetzt schlanke serifenüberschriften. hä? bei reise, 4 seiten weiter ist wieder alles beim alten, beim „titel�-thema wird wieder alles aus typografischen setzkasten in einen topf geworfen, geschüttelt und aufs papier gekotzt.
manche kästen haben jetzt wie bei der mini-reklame fünf millimeter dicke linienrahmen, andere haben sich offenbar von der last der balken befreit und stehen ganz ohne da.
bei der kultur werden anleihen aus den achtzigern genommen und die typografie verschnitten, übereinandermontiert, mit schrillen pastelltönen gearbeitet. sogar unbedrucktes papier kann man plötzlich sehen! weissflächen!
ganz schlimm wirds am ende des kulturresorts, da musste der layouter 12 dicke balken, 12 abgerundete ecken und sechs schatten um sechs spalten herumarrangieren. nach 138 seiten ist der spass vorbei. eine schreckliche anzeige von den deka-investmentfonts ist aussen auf dem heft. sie beruhigt aber meine augen aber ungemein.
was mich allerdings wundert, ist dass man das stern logo nicht umgestaltet hat, nicht die ecken der spitzen abgerundet hat, keinen schatten und keine balken hinzugefügt hat. dann wüsste man nämlich gleich auf dem cover was für ein massaker einen im heft erwartet.
ich weiss es steht mir nicht an, aber ich versuche es doch mal, ich rufe den stern-layoutern zu, dass sich linien auch im auge des betrachters bilden können (ohne balkkenorgien), dass weissflächen nicht verschenkt sind, sondern ein geschenk, dass weniger zumindest in fragen des layouts oft mehr ist und dass es auch leute gibt, die einen in fragen zeitschriften-layout auch kompetent beraten können.
