Texte aus der Kategorie 'Zeitschriften im Test'

Bunte

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Es ist eine harte Zeit für Klatschzeitschriften. Den schnellen Klatsch hole ich mir zumindest meist im Internet. Gibt ja genügend tolle Klatschblogs da draußen, die nicht nur heiße News aus der Promiwelt liefern, sondern auch tolle Fotos. Und so stehen die Zeitschriften da draußen vor der Aufgabe, Nachrichten noch einmal ganz besonders schön aufzuschreiben, Fotos mit abgefahrenden Bildunterschriften zu betexten. Manchmal gelingt dies. Manchmal eben nicht.

Die aktuelle Titelstory der “Bunten” ist ein schönes Beispiel dafür, wie man es nicht tun sollte. Denn Chefredakteurin Patricia Riekel hat sich dafür entschieden, das frisch vermählte Paar Helmut und Maike als Titelbild zu drucken. Wir erinnern uns. Am Dienstag meldet die “Rheinpfalz”, dass Altkanzler Helmut Kohl seine Maike bereits am Donnerstag im Heidelberger Krankenhaus geehelicht hat. Am Mittwoch gibt’s den großen Bericht des Trauzeugen Kai Diekmann. Mit Fotos von Daniel Biskup.

Und wie erzählt die “Bunte” die Geschichte des Liebespaares? Schafft sie es, irgendeinen Mehrwert (Tolle Fotos, tolle Worte, tolle Stimmen) zu bringen? Die Antwort ist einfach: nein. Sie druckt nämlich die Fotos von Daniel Biskup einfach noch einmal, dazu ein kleiner Text, der langweilig ist. Mehr Fakten gab’s vom Trauzeugen. Und natürlich gab es auch in “Bunte” keine Antwort auf die Frage, warum Helmut Kohl vom Cover so aussieht, als ob er von der Welt um ihn herum nicht mehr allzu viel mitbekommt. Auch nichts zu seinem Gesundheitszustand. Wahrscheinlich hätte man die Fotos sonst nicht drucken dürfen.

Doch glücklicherweise ging es nicht nur um Kohl. Es gab nämlich auch noch ein paar Interviews. Eins mit Natascha Kampusch, eins mit Torsten Frings. Die hab ich dann doch gerne gelesen.

| Freitag, 16. Mai 2008 | 23:06
Zeitschriften im Test | 5 Kommentare

Brand eins

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“Brand eins” ist eine seltsame Zeitschrift. Denn obwohl ich wirklich regelmäßig die mehr als acht Euro ausgebe, um die vielen Artikel rund um die Wirtschaft zu lesen, schaffe ich es so gut wie nie, auch wirklich alles zu lesen. Meistens läuft das so ab: Ich kaufe die Zeitschrift, lese einen Artikel (So wie in der letzten Ausgabe den Text über “Lego”) und dann lege ich sie beiseite und denke nach. Und wenn ich fertig gedacht habe, mache ich meistens erstmal was anderes, das Heft gerät in Vergessenheit. Wenn ich dann am Zeitschriftenkiosk sehe, dass schon wieder eine neue “Brand eins” gibt, kaufe ich sie mir. Und das Spiel beginnt von vorn.

Lustigerweise war es diesmal anders. Also fast. Denn trotz der großen Konkurrenz am Bremer Hauptbahnhof (Es gab auch noch “Engel” für nur 4,30 Euro) entschied ich mich für “Brand eins” (und den “Weserkurier” zur Konkurrenzbeobachtung). Und begann diesmal, kurz nachdem ich Platz genommen hatte, gleich mit dem Lesen.

Dabei fiel mir eines auf: Gleich zu Beginn musste ich Texte lesen, die so wahnsinnig schlecht geschrieben waren, dass es mich gruselte. War das schon immer so? Schlecht redigiert, dröge – viel schlimmer geht’s im “Handelsblatt” auch nicht zu, dachte ich. Doch wenig später wurde ich versöhnt.

Denn auch wenn die Texte vom Stil diesmal nicht die besten waren: Schlauer wurde ich. Ich lernte was über den Markt von Fleurop, las etwas über Ex-Tyco-Chef Dennis Kozlowski. Ich mochte auch die Geschichte über den Subventionswahn. Große Freude bereitete mir der Text über den Kampf von einem Polizisten gegen die Kaffeefahrtenmafia und Uneinsichtigkeit alter Damen, die für eine kleine Reise bei Kaffee und Kuchen auch gerne mal beschissen werden. Und dann waren da noch die Texte über seltsamen Verbraucherschutz, die Solarindustrie, den Allianz-Schadensregulierer und die Flut an Insolvenzverwaltern.

Wer Lust hat, sollte jetzt noch schnell einen Blick ins Inhaltsverzeichnis werfen und schauen, was dann noch übrig bleibt. Bin gespannt, wann “Capital” und Co. mir so viele interessante Wirtschaftsgeschichten in einem Heft bieten können.

| Montag, 21. April 2008 | 23:09
Zeitschriften im Test | 7 Kommentare

Auf eins

Martin Fuchs, Betreiber des Weblogs Brotbeutel, hat sich das neue Volksmusik-Magazin Auf eins angesehen. Und aufgeschrieben, wie er es findet:

Auf einsGestern schrie mich ein Plakat an: “In Deutschland ist Musik”, und warb für eine neue Musikzeitschrift, die sich dem Genre Volksmusik – gemeint sind Schlager, Musical und volkstümliche Musik – widmet. An sich keine schlechte Idee, stecken hinter dieser Musik doch auch interessante Menschen und Geschäftsmethoden, wie zum Beispiel Hans R. Beierlein, Manager von Udo Jürgens und der “Pate der Volksmusik” – auch wenn diese Musik jetzt glücklicherweise wieder weniger Platz im Fernsehen hat. Und Menschen wie Roy Black (Herztod nach Alkoholismus) und Rex Gildo (Tödlicher Fenstersturz in geistiger Verwirrung) sind einfach auch jenseits ihrer musikalischen Verbrechen interessante tragische Schicksale.

Doch auch die Lebenden wie Les Humphries (gab sich wegen immenser Steuerschulden vorübergehend als tot aus), Christian Anders (verwirrter Guru, der sich nackt an Zäune kettete, weil sein Bruder wegen politischer Korruption verhaftet wurde) und Stefan Mross (Trompeten-Dilettant) geben gute Stories ab – werden aber wegen musikalischer Scheuklappen leider von den angeblich seriösen Magazinen wie SPEX oder Rolling Stone ignoriert. Also beschloss ich, diesem neuen Magazin mit dem obskuren Titel Auf eins (hat das irgendwas mit dem Titel jenes Heinz-Rudolf Kunze Live-Albums “Deutsche klatschen bei der Arbeit” zu tun?) eine Chance zu geben.

Gut, ich bin vermutlich nicht wirklich die Zielgruppe der Hamburger HEIMAT2050 Verlags GmbH, aber das Interview mit Howard Carpendale zu seiner Rückkehr ins Musikgeschäft ist ganz okay. Howie überzeugt durch ehrliche Antworten, und bei mehr Recherche über seinen musikalischen Werdegang und ein paar kluge Nachfragen hätte man echt was rausholen können, aber das wollte Stephan P. Dressel wahrscheinlich nicht, es hätte vermutlich zu sehr nach seriösem Journalismus und zu wenig nach warmherzigen Goldene Blatt-Wortgeklingel geklungen. Denn der Rest der Zeitschrift ertrinkt im Gute-Laune-Schaum.

Ich meine, dass die Kastelruther Spatzen seit 23 Jahren bei sich zu Hause in Süd-Tirol ein Fantreffen organisieren, zu dem über 40.000 Leute kommen, ist schon bemerkenswert, aber dass dabei kein Wort über die Bandgeschichte, die Erwartungen der Fans und den ehemaligen Sänger Andreas Fulterer fällt, ist schon schwach. Denn optisch hat sich die Redaktion Mühe gegeben, aus dem üblichen Sumpf herauszustechen einschließlich der scheinbar jetzt in Musikzeitschriften obligatorischen Modestrecke. Aber inhaltlich wird die Zielgruppe offenbar immer noch als wenig intellektuelle Masse, die nur positive Geschichten über Liebe, Familie und Heimat lesen will, begriffen.

Okay, das Schwesterngesangstrio “Schwesterherz” und das Brüdermusikertrio “Dorfrocker” an einen Tisch zu setzen, um sich mit ihnen über Familie und so zu unterhalten, ist schon im Ausgangspunkt ein Fehlgriff, weil junge Menschen eben noch nicht so viel Erfahrung und gute Geschichten zu erzählen haben. Zu dem Thema interessanter war letztens das Interview mit Jim Reid von “Jesus and Mary Chain” in SPEX 7-8/2007, wo Reid berichtet, dass Geschwister sich oft gegenseitig in der Hand haben, weil sie jede Wunde und Unsicherheit des anderen kennen. Die familiären Bande könnten eine starke Loyalität erzeugen, aber Kämpfe untereinander seien viel verletzender.

Und der Rolling Stone hat schon im Dezember 2004 viel interessanter und tiefschürfender über James Last geschrieben als Sabine Manecke das jetzt tut (und sollte es vielleicht mal demnächst über Howie tun, der sich möglicherweise nicht zu Unrecht als Deutsche Entsprechung zu Neil Diamond versteht). Was beweißt, dass dies Musik tatsächlich guten Journalismus verträgt und nicht bloß Hofberichterstattung, Kreuzworträtsel, Horoskope, Traumdeutung, Kochrezepte – mit einer peinlichen Fotostrecke mit den totgeschminkten Maria und Margot Hellwig -, Tourneedaten – okay, vielleicht ist die Zielgruppe nicht so internetaffin wie Rock- und Popfans – und Plattenbesprechungen mit maximal 50 Worten.

Aber Nana Mouskouri – immerhin Gegnerin der griechischen Militärdiktatur der 1970er Jahre – hat für ihre Abschiedstournee nicht wirklich nur 60 Zeilen verdient. Und was haben die 6 Seiten über einen Burgenländer Winzer mit Musik zu tun? Und schließlich ist der offene Brief an Peter Alexander einfach nur peinlich. Woher nimmt sich diese junge schnöselige Redaktion das Recht, diesen alten Haudegen der sauberen Familienunterhaltung zur Rückkehr auf die Bühne aufzufordern in die Welt von Tokio Hotel und Aggro Berlin, wo er nur scheitern kann (schließlich funktioniert auch der Humor eines Heinz Ehrhard heute nur noch bedingt, weil das Wissen des Bildungsbürgertums, mit dem er damals spielte, heute stetig verloren geht – was ja auch das Erfolgsgeheimnis eines Günther Jauch ist)?

Dies war die erste Ausgabe, aber das kann noch besser werden. Schließlich war die erste Sendung von Schmidt und Pocher vor 4 Wochen ja auch eine absolute Katastrophe, die Anlass zu der Vermutung gab, Herr Schmidt wolle durch schlechte Sendungen ein vorzeitiges Ende des Vertrags mit der ARD erzwingen, etwas, was ja auch Rockbands gerne mal machen, indem sie mit der Vorlage absichtlich schlechter Demos Plattenfirmen dazu veranlassen, Optionen auf Fortsetzung von Verträgen nicht wahrzunehmen. Inzwischen sind Schmidt und Pocher deutlich besser geworden – auch wenn Pocher mit dem Lachen über Schmidts Witze doch echt nervt – und so gebe ich vermutlich Auf eins noch mal eine Chance – in der nächsten Ausgabe soll ein großes Interview mit Peter Kraus kommen, sowie ein Konzertbericht über “Pur” (beides eigentlich auch potentielle Themen des Rolling Stone) -, denn wie gesagt, auch die Volksmusikszene hat trotz ihres schlechten Ansehens einige interessante Geschichten zu bieten, man muss nur bereit sein, sie auch zu schreiben.

| Montag, 19. November 2007 | 17:51
Zeitschriften im Test | 1 Kommentar

Mode selber machen

Vor einiger Zeit habe ich einer sehr guten Freundin zum Geburtstag ein Abo des Burda Modemagazins geschenkt.

Wenn ich diese Freundin dienstagabends anrufe, erreiche ich sie nicht, weil sie dann beim Nähkurs ist. Für mich war das zunächst sehr befremdlich. Ein Nähkurs ist für mich eine Art der Freizeitgestaltungen, die meine Mutter bis Ende der 60er Jahre wahrgenommen hat. Zugegebenermaßen lernte meine Mutter dort Handwerk, um sich ihr sehr edles Hochzeitskleid im Jackie-O.-Stil selbst zu nähen.

Damit ich beim Geburtstag der Freundin nicht mit einem langweiligen Umschlag vor ihr stehe, hatte ich – quasi als Symbolgeschenk – eine Ausgabe des Modemagazins gekauft. Beim Durchblättern des Heftes war ich überrascht, dort nicht Schnitte für Kittel und Blümchenblusen zu finden, sondern zum Teil wirklich geschmackvolle Modelle. Die überzeugten mich dann aber doch nicht so sehr, dass ich mit einem Nähkurs begonnen hätte oder mir fortan Kleidungsstücke anhand der Schnitte von einer Schneiderin meines Vertrauens nähen lassen würde.

Offensichtlich möchte Burda jedoch auch Nähschläfer wie mich – junge Frauen die nie Handarbeitsunterricht hatten, sich aber potenziell für selbstgenähte Kleidung interessieren würden, weil sie individueller und, im Gegensatz zu Designerstücken, auch günstiger ist – aktivieren.

1st ROWOhne große Ankündigung erschien am 5. Oktober erstmals das Magazin 1st ROW. Chefredakteur ist Armin Morbach, der junge Mann mit Fetisch-Leder-Kappe aus der ersten Staffel von Germany’s Next Topmodel. Für das Editorial hat er sich allerdings eine Stoffkappe aufgesetzt.

Bleiben wir gleich mal beim Editorial. Angesprochen werden soll die modebewusste Frau, die Wert auf Individualität legt:

Sie finden in dieser Ausgabe 21 Modelle, die Sie selbst nachnähen können. [...] In einer Zeit, in der alles immer schneller, besser und dem Trend entsprechen muss – und sich alle Damen immer mehr gleichen –, denken wir: Es ist Zeit wieder seinen eigenen Stil zu zeigen. Und wie würde das besser funktionieren, als sich etwas Einmaliges, Einzigartiges selbst zu schneidern? Mit dem Stoff, der mir gefällt dem ganz speziellen Knopf, der besonderen Farbe….

Der Mann hat Recht. Eigentlich sieht man auf der Straße nur bejeanste Frauen mit T-Shirts in den Farbvariationen Schwarz, Blau, vielleicht Rosa oder Rot. Je nach Mode stecken die Jeans in den Stiefeln oder über den Stiefeln. Die Frage bleibt: Hält das Heft was es verspricht?

In drei Modestrecken Mit 1st ROW backstage, Selbstbewusster Auftritt: Absolute Perfection und Endlich wieder Farbe: Color Proofs werden Burda-Modelle – zum Teil handelt sich dabei um bearbeitete Modelle aus dem Fundus der alten Aenne Burda (1909-2005) – neben aktuelle Mode gesetzt beziehungsweise mit aktueller Mode (von Chanel bis H&M) kombiniert.

Die Fotos gleichen denen der klassischen Modezeitschriften wie Vogue oder Elle. Einerseits werden so die Selbstmachmodelle aufgewertet, andererseits ist es auch ein bisschen langweilig. Denn ich hatte mehr erwartet als eine schnöde Kopie der Hochglanzmagazin-Ästhetik.

Trotzdem – die Idee ist gut. So gut, dass mir die Vorstellung, mich zu einem Nähkurs bei der VHS anzumelden, um mir das 1st ROW Wollkleid Nr. 710 selbst zu schneidern, gar nicht mehr so fern ist.

Angelehnt an andere Modemagazine, können sich die nähenden oder nähen lassenden Leserinnen auch in Artikel über Aenne Burda – wie überraschend – oder ein Interview mit dem Dior-Homme-Desinger Kris van Assche vertiefen. Die Texte sind nicht zu kurz, nicht zu lang und insgesamt gut geschrieben. Sehr interessant fand ich den Beitrag von Axel Botur über vier junge Mode-Designer.

Eher ärgerlich, weil langweilig und sowas von abgeschmackt, war der Reisebericht über – gähn – Capri und Cannes. Da wird es jetzt im Winter übrigens auch kalt. Völlig überflüssig ist zudem die letzte Seite, auf der wichtige Modegrößen aufschreiben, wen sie sich in ihre erste Reihe wünschen. Mag sein, dass es auch an Joop lag, der wohl beim Schreiben seiner Wunschreihe gerade keinen kreativen Schub hatte. Eine unterhaltsame Modekolumne – ich würde mich da notfalls und selbstlos anbieten – würde einen besseren Dienst tun.

Und was mir ehrlich gesagt auch fehlte, war das beigefügte Schnittmuster. Es wäre ausgesprochen lässig gewesen, im Herzen dieses Magazins einen adrett gefalteten Bogen mit einer Anleitung für den Minirock 706 zu finden. Schließlich ist es ein Burdamode-Heft, da sollte man gute alte Traditionen doch fortführen.

| Montag, 08. Oktober 2007 | 18:25
Zeitschriften im Test | 3 Kommentare

MAX meets Lufthansa-Magazin

Ach, ich hatte das befürchtet. Ja, Vorurteile sind was schlimmes. Noch schlimmer ist es aber, wenn sie so beeindruckend bestätigt werden wie bei RICH. Schon die Idee für dieses Magazin klang so wahnsinnig überflüssig. “Deutschlands erstes Status-Magazin” wollten die Macher präsentieren. Und begannen schon mit einer Lüge. Sogar die Lufthansa gibt ein Status-Magazin heraus. Seit Jahren.

Nur wahrscheinlich mit einem qualifizierteren Verteiler. Denn bei der Lufthansa weiß man, wieviel Geld die Status-Passagiere allein dort lassen. Ich bezweifle, dass sich die mehr als 500.000 Empfänger, die RICH ungefragt per Post erhalten, so klar klassifizieren lassen. Sagen wir mal so – ich kenne RICH-Empfänger, die ich und die sich selbst eher nicht zum “ausgesuchten Leserkreis” (Anschreiben) der “anderen Führungskräfte, Manager und Unternehmer” (Editorial) zählen würden.

Aber auch sonst ist RICH ja eher ein leeres Versprechen. “Intelligente Unterhaltung auf hohem Niveau” versprachen die beiden Chefredakteure Christian Müller und Andreas Wrede im Begleitschreiben zur ersten Ausgabe. Und dann kommen so ausgelutschte wie schlecht geschriebene Geschichten dabei raus wie das Interview mit Werner Baldessarini. Man lässt ihn – Überraschung! – über Mode und Stil sprechen. Und Autor Wolf Dieter Böttcher garniert die ja nicht uninteressanten Aussagen Baldessarinis mit so geistreichen Einwürfen wie

Seine Mitarbeiter [...] lächeln. Es ist klar, sie mögen ihren Chef.

oder

Es ist schwer, ein Interview mit Werner Baldessarini zu beenden. Man möchte es auch gar nicht. Denn seine Begeisterung für alles, was mit Mode zu tun hat, ist ansteckend.

Wie überraschend. Und das bei einem Modemacher. Verrückte Welt.

Er liebt seinen Job. Und ist authentisch, sagt schonmal “Bullshit”, wenn er anderer Meinung ist.

Hui, wie aufregend. Bullshit. Ein Rebell!

“Schreiben S’des alles aber nicht so bierernst”, sagt Werner Baldessarini zum Abschied [...]

Und man wünscht sich, der Autor hätte drauf gehört. Und das alles nicht so plattitüdenhaft bierernst ohne jede Liebe zur Sprache runtergeschrieben.

Ach, und so geht das weiter. Eine Reportage über Moskau, zusammengezimmert aus den einfallslosesten Sätzen, die in den letzten 10 Jahren in Illustrierten über die “Boomtown” geschrieben wurden. Da wird das Ritz Carlton zum Haus, “das keine Wünsche offen lässt”. Das ist so inspirationslos.

Und sonst?

Ach, reden wir nicht drüber. Eigentlich ist RICH eine Frechheit. Glauben die wirklich, dass Menschen der angepeilten Zielgruppe so einen Schmarrn brauchen? Das Magazin besteht zu einem großen Teil aus Product Placement, wie es Max & Co. seit Jahre zelebrieren. Ein bisschen Zigarren-Kram, ein bisschen Auto-Werbung als Redaktion getarnt, ein bisschen Technik-Kram, wie man es aus dem Playboy kennt, ein bisschen Reisereportagen-Surrogat auf Basis von PR-Fotos wie im Lufthansa-Magazin. Ich finde in diesem Heft auch wirklich nichts, was als besonders, individuell, neu oder auch nur als attraktiver Journalismus zu bezeichnen wäre.

Und diesen Scheiß tatsächlich als “intelligente Unterhaltung auf hohem Niveau – geprägt von Kennerschaft, Kreativität, Originalität und publizistischer Tiefe” zu bezeichnen, ist so unverschämt, dass man sich als Empfänger eigentlich nur verarscht vorkommen kann.

Insofern ergibt es natürlich wieder Sinn, dass das Magazin kostenlos versendet wird. Da will ich mal nichts sagen, das Vertriebskonzept passt zum Inhalt. Wenn ich tippen müsste, würde ich schätzen, der Anteil an unbezahlten PR-Fotos liegt bei 80 Prozent, die persönliche Recherche bei unter zehn.

Ich sage: RICH is the new POOR im Zeitschriftenmachen.

Morgen kommt übrigens die zweite Ausgabe. Die Pressemitteilung dazu klingt irgendwie viel positiver, als dieser Text.

admin | Freitag, 05. Oktober 2007 | 16:42
Zeitschriften im Test | 3 Kommentare

Sport-Bild Sonderheft Champions League 2007/2008

Es ist als durchaus mutig zu bezeichnen, ein Sonderheft zur Champions League herauszubringen – eine Liga, die in dieser Form immer mehr an Popularität einbüßt. Aber als echter Fußballfan muss man ja mitreden können. Zumindest ein paar Statistiken zu den großen Vereinen gilt es, parat zu haben.

Anders als bei den Bundesliga-Sonderheften genießt der Kicker hier keinen Kultstatus und so griff ich entgegen meiner sonstigen Gewohnheiten zum Sport-Bild Sonderheft Champions League 2007/2008. Das Blatt aus dem Axel-Springer-Verlagshaus in Hamburg versprach schnelle Information dank wenig Text, vielen Bildern und vor allem vielen, vielen Statistiken. Im Stakkato hetzt man durch das Heft, nur, um vor der ersten Partie darüber informiert zu sein, wie viel sportbild.jpgdie einzelnen Teams Wert sind (mit diesen Daten warb man massiv in der Ankündigung und kaufte sie letztlich nur bei transfermarkt.de ein. Knallharte Recherche sieht anders aus), wer der teuerste Spieler einer Mannschaft ist, welche Erfolge ein Verein vorzuweisen hat und wie die Prognose für die kommende Saison lautet. Wünschenswert wären mehr Infos zur taktischen Ausrichtung der Mannschaften gewesen – diese gibt es nämlich nur für die deutschen Teams. Immerhin hat man den UEFA-Cup mit ein paar Seiten bedacht ­– wohl auch, damit Lothar Mathäus wieder wohlwollend über den HSV faseln darf (der will da wohl unbedingt mal Trainer werden) und natürlich, weil man dann auch über den FC Bayern berichten kann. Zur Erinnerung: Bayern spielt dieses Jahr UEFA-Cup!

Insgesamt ist das Sport-Bild-Sonderheft Champions League 2007/2008 aber durchaus gelungen. Es bietet alles, was man über diese Liga wissen muss. Und damit folglich deutlich weniger als das Bundesliga-Sonderheft aus gleichem Hause.

| Dienstag, 18. September 2007 | 19:36
Zeitschriften im Test | 2 Kommentare

Stars on TV

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Früher als ich noch “Verbotene Liebe” und “Marienhof” geschaut habe und zwischendurch mal eine Folge nicht sehen konnte, habe ich im Videotext nachgelesen, was passiert ist. Als ich wenig später eine “GZSZ”-Phase hatte, habe ich im Videotext nachgelesen, was in der Woche so passieren wird. Manchmal stand das auch in einer der Fernsehzeitschriften, die mir in die Hände gerieten. Und als ich dann eine Weile immer wieder bei “Verliebt in Berlin” reingeschaut habe, hielt ich mich durch die Vorschau auf der Webseite auf dem Laufenden. Leider gucke ich seit einigen Monaten keine Soaps mehr, nein, ich verfolge nicht einmal mehr das Geschehen per Videotext, Internet oder TV-Zeitschrift. Würde ich das noch tun, ich könnte zu “Stars on TV” greifen.

Denn: Für 2,50 Euro bekomme ich das monatliche Geschehen von allen Soaps in einem Heft dargereicht. Ob Klassiker wie “Verbotene Liebe” oder Telenovelas wie “Rote Rosen” – alles mit dabei. Das ist für Fans geradezu genial und auch für solche, die irgendwie noch dranbleiben wollen, weil sie sich noch nicht ganz mit ihrem soap-freien Leben abfinden wollen, nicht unbedingt unnütz. Ein weiteres Lob muss an die Macher gehen: Denn auch das, was man in Programmzeitschriften immer gerne als Mantel bezeichnet, ist durchaus lesenswert. Zumindest für uns klatsch- und tratschsüchtigen Frauen. Wir sehen ein paar Soap- und Musikstars am Strand, ein paar private Bilder von Heidi Klum und Co., aber auch Geschichten um das TV-Business. Durchaus lesenswert ist sogar die Titelgeschichte über die Quoten-Queens im deutschen Fernsehen. Klar, hätten die Textchen mit ein bisschen mehr kritischer Distanz geschrieben werden können (der Text über Alexandra Neldel wirkt durch die ganze Berichterstattung um Roger Schawinskis “Enthüllungsbuch” sehr skurril), aber für das Soap-Publikum wäre das vermutlich auch vergebene Liebesmüh.

Noch ein Pluspunkt: Auch die viel gesehenen amerikanischen Serien kommen in dem Heft, das die Verlagsgruppe Klambt herausgibt, vor. Dann noch ein bisschen Kino-, DVD- und Musikkram – fertig ist das Heft.

Mir würd’s gefallen. Wenn ich noch Soaps gucken würde.

| Montag, 27. August 2007 | 09:19
Frisch vom Boulevard, Zeitschriften im Test | 2 Kommentare

Bundesliga-Sonderhefte

Wären Fußballfans nicht derart treue Seelen und ihren Ritualen verhaftet, Kicker und Sport-Bild hätten es mit ihren Sonderheften nicht leicht. In schöner Regelmäßigkeit wird in jeder Sommerpause ein mit wenigen Änderungen zum Vorjahr deckungsgleiches Heft präsentiert. Das mag uninspiriert wirken, entspricht aber dem, was sich der ebenfalls nicht besonders kreative deutsche Fußballfan wünscht. Ausnahmen bilden da höchstens ein paar Hardcore-Fußballromantiker, aber für die gibt es ja 11 Freunde – jetzt auch mit einem Sonderheft.

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Kicker oder Sport-Bild? Ich schätze, alle über 30-jährigen kaufen den Kicker, weil er eben schon immer da war und weil das hauseigene Kicker-Sonderheft-Archiv (hat jeder gute Fußballfan) nun einmal gepflegt gehört. Ohnehin bin ich der festen Überzeugung, dass der Kicker den Begriff „Sonderheft“ überhaupt erst erfunden hat. Hier gibt es die obligatorischen Teamfotos (diesmal ohne eingeklinkte Bilder, da mangels WM oder EM alle Profis rechtzeitig zum Fototermin aus dem Urlaub zurück waren), natürlich die Stecktabelle (bei der man nur einmal vor der Saison seine Wunschtabelle zusammensteckt – den eigenen Verein ganz oben, Bayern, sofern es nicht der eigene Verein ist, nach ganz unten). Zahlreiche Statistiken, Expertenmeinungen, Gewinnspiele und ein bisschen Blabla darüber, „dass es am Ende nur um die Kohle geht“ (Karl-Heinz Rummenigge) fehlen natürlich auch nicht. Eigentlich ist man mit dem Heft in 30 Minuten durch und damit auf dem neuesten Stand. Wer hat jetzt welchen Sponsor, welchen Ausrüster, wie heißt inzwischen das Stadion und wie sehen eigentlich die Abschlusstabellen der anderen europäischen Ligen aus? Ich erfahre, wie immer, dass mein Verein vielleicht schlecht, vielleicht aber auch ganz gut eingekauft hat, dass, wenn alle fit bleiben, was gehen kann, dass, wenn es schlecht läuft, es auch schlecht laufen kann. Oder so. Irgendwas in der Richtung steht da zu jedem Verein (außer bei den Bayern. Da steht, wie jedes Jahr, sie seien das „Maß der Dinge“ – wie originell). Ach, ich liebe den Kicker und kaufe ihn seit der Saison 78/79 jedes Jahr. Er gehört einfach zum Sommer. Vielmehr ist er der Sommer, auch wenn dieser wieder nur 30 Minuten dauert.

Anders das Sport-Bild-Sonderheft. Hier erfahre ich, wie immer, dass mein Verein vielleicht schlecht, vielleicht aber auch ganz gut eingekauft hat, dass, wenn alle fit bleiben, was gehen kann, dass, wenn es schlecht läuft, es auch schlecht laufen kann. Dazu gibt’s ne DVD und ein Spielplan-Poster zum selbst eintragen (was man maximal den ersten Spieltag durchhält). Die Sport-Bild bietet überraschenderweise keine Teamfotos (wie soll ich denn so auf den neuesten Stand kommen, optisch? Die erste Sportschau wird so zum Ratespiel, wer da gerade gegen wen spielt). Dafür gibt’s Statistiken en masse (die Pornobilder eines echten Fans). Wenn ich mir alle dort aufgeführten Daten einverleibe, können Netzer, Delling und Kloppo einpacken. Kerner und Beckmann sowieso. Für die Sport Bild braucht man eigentlich auch nicht mehr als 30 Minuten (außer man paukt Statistiken), nur ist man danach trotzdem irgendwie nicht up to date. Man wirbt im Übrigen mit dem Claim „Es geht wieder rund“. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt (Tusch Triola Hayes, 3 Euro ins Phrasenschwein).

Apropos Rund. Die Konkurrenz des leider noch immer brach liegenden Fußballkultur-Magazins, 11 Freunde, hat ein bisschen geschummelt und die reguläre Ausgabe 69 einfach zur Sonderausgabe erklärt. Meisterschale auf den Titel, kleiner Saisonplaner mit bei. Fertig. Gut, einer so kleinen Redaktion sei das verziehen und auch die Abokunden scheint es, schaut man sich in einschlägigen Bundesliga-Foren um, zu freuen. Und es ist ja auch wirklich gut gemacht, dieses „Sonderheft“. Wenngleich, ja wenngleich da nicht diese vielen kleinen handwerklichen Fehler wären. In einem Bericht spricht man davon, jedes Bundesliga-Spiel wird durchschnittlich von 39.957 Anhängern besucht. Im nächsten Artikel sind es nur noch rund 38.500. Und den Bericht über die Strippenzieher der Liga haben wir in Rund schon besser recherchiert gelesen. Weltklasse hingegen das Interview mit Ex-Profi Torsten Legat, der einst auf die Frage, wie er zum Bodybuilding kam, antwortete: „Immer die Castroper Straße rauf“. Heute antwortet er auf Fragen seines Durchsetzungsvermögens innerhalb eines Teams mit „du musst Blut fressen, du musst Scheiße fressen.“ Lecker. Manchmal entdeckt man aber auch Merkwürdiges. Beim HSV steht unter dem größten musikalischen Verbrechen im Namen des Vereins die Liedpassage: „… mach kein Scheiß, los vorwärts – noch ein Tor!” Tatsächlich heißt es aber: „… Happel schreit, los vorwärts – noch ein Tor”. Hat da etwa Chefredakteur Philipp Köster nicht richtig hingehört? In einem Bericht von ihm hab ich mal gelesen, er habe bei Falcos Kommissar immer fleißig „… dadideldum, der Kommissar geht um“ mitgesungen. Na dann. Das Heft wird ohnehin immer dann ein wenig peinlich, wenn man versucht besonders witzig zu sein. Schlechte Profifußballer-Frisuren haben wir auf www.fiese-scheitel.de schon bessere gesehen. Trotzdem hat es die Redaktion geschafft, zu jedem Verein gute Berichte und nette Anekdoten zusammenzutragen. Mit dem beiliegenden Saisonplaner hat man außerdem das wertigste Giveaway geschaffen. Auch wenn so einen Saisonplaner niemand braucht (nach Spieltag 1 weiß man sowieso nicht mehr, wo das Ding abgeblieben ist), das kleine Heft bietet noch mal viel Schmöker-Material. Der Beitrag der Wolfsburg-Anhängerin hat in mir doch glatt etwas Mitleid aufkommen lassen. Vielleicht, ja ganz vielleicht werde ich dem VFL diesmal nicht den Abstieg wünschen.

Fest steht, im nächsten Jahr kaufe ich mir wieder das Kicker-Sonderheft – muss ja. Und 11 Freunde? Warum nicht. Es sei denn, Rund macht ein Sonderheft – oder überhaupt mal wieder ein Heft.

| Samstag, 04. August 2007 | 20:00
Zeitschriften im Test | 6 Kommentare

Blutleeres Standortmarketing

Metropolregion HamburgIch verstehe es nicht. Es will mir einfach nicht in den Kopf.

Die Arbeit ist immer die gleiche – ob ich nun ein schlechtes Magazin mache oder ein gutes. Am Aufwand lässt sich in der laufenden Produktion wenig sparen.

Und deswegen verstehe ich das Magazin der Metropolregion Hamburg nicht. Ich verstehe schon den sperrigen Titel nicht. Denn das Ding heißt wirklich so. Ich verstehe auch das Konzept der monothematischen Heftreihe nur schwer. Will wirklich jemand 84 Seiten zum Thema “Mobilität” in und um Hamburg lesen? Damit beschäftigt Ausgabe 5 der Heftreihe, die ich am Wochenende in einer Café-Auslage fand.

Und selbst wenn wir diese Frage mit “Ja” beantworten – muss man das Thema dann um Himmels willen so strunzlangweilig abarbeiten? Muss man tatsächlich schon mit dem ödesten Editorial der Welt beginnen? Muss man wirklich den Stadtentwicklungssenator mit den Worten “Erhalt und Ausbau der Verkehrsinfrastruktur sind eine entscheidende Voraussetzung für weiteres Wachstum” ins Heft einführen lassen?

Und wenn man das alles will – muss man es nach sieben Jahren brandeins im nunmehr 584. Layout-Klon des Wirtschaftsmagazins machen? Kann ein Verleger wirklich so leidenschaftslos sein, dass es ihm nicht furchtbar peinlich ist, sich auch noch in diese elend lange Schlange von Kopisten einzureihen?

Ich verstehe es nicht.

Herausgeber dieser unfassbaren Papierverschwendung sind der Verlag sowie die Stadt Hamburg. Und die Idee ist ja nicht einmal schlecht. Die Hansestadt ist einer der großen Globalisierungsgewinner in Deutschland, die Hafenwirtschaft wächst und in der Politik bewegt sich vieles.

Daraus kann man spannende Geschichten machen. Die würde ich auch tatsächlich in diesem Heft erwarten. Denn im Gesellschafterkreis des herausgebenden RegJo Verlages gibt es Werbe-Leute, die einst mit Kreativität in die Positiv-Schlagzeilen der Wirtschaftspresse kamen.

Aber was sie hier abliefern, ist ein Trauerspiel. Erzählt werden die klassischen Geschichten einer Wirtschaftsregion. Gelegentlich hat die Redaktion auch kleine Schätze ausgegraben. Aber alle – die Perlen wie die Klassiker – werden lieb- und farblos runtergeschrieben. Und dann in ein weitgehend abgekupfertes Layout gegossen. Keine Leidenschaft steckt in den Seiten.

Alles wirkt wie ein Akt großer Selbstbefriedigung. Der Senator sieht seine Politik auf gutem Hochglanzpapier, Journalisten freuen sich über die vielen Buchstaben, die ihnen zur Verfügung stehen. Und die Grafiker zeigen, dass sie eigentlich auch Wirtschaftsmagazine machen könnten. Ganz glatt, edel, mit wenig Farbeinsatz und vielen Weiß-Räumen.

Nur erreicht man damit nicht die Menschen, die so ein Magazin im Café mitnehmen. Dieses Heft bringt vielleicht ein paar anerkennende Klapse am Medienbuffet. Leser sicher nicht und das ist schade.

Man könnte doch so spannende Geschichten erzählen. Wenn man nur Leidenschaft für Magazine hätte und für die Leser produzieren würde. Aber so ist es vielleicht einfacher.

Ich verstehe es wirklich nicht.

admin | Montag, 23. Juli 2007 | 09:52
Zeitschriften im Test | 4 Kommentare

versio!

versio!Ungelogen – in einem jener Magazine, über deren Erscheinen ich mich seit zwei Jahren bei jeder Ausgabe nennenswert freue, habe ich bis heute nie einen Text gelesen. Und trotzdem nenne ich es regelmäßig, wenn ich nach meinen Lieblingszeitschriften gefragt werden.

Das Heft heißt versio! und dürfte nur einer sehr kleinen Leserschaft bekannt sein. Es ist, grob gesagt, ein Magazin der Druckbranche. Und es soll potenziellen Kunden des Print-Gewerbes die Möglichkeiten heutiger Magazin-Produktion zeigen.

Und zwar ganz plastisch. In jeder Ausgabe lassen sich die Macher des Heftes ein neues Späßchen für den Titel einfallen. Ich weiß noch, wie sie damit zum ersten Mal meine Neugier weckten. Damals kam unaufgefordert eine Ausgabe per Post. Das Cover sah aus, als hätte jemand einen dicken schwarzen Stift genommen und das Titel-Motiv übermals. Der Clou: Bei Hitze (zum Beispiel durch Reibung oder starkes Anhauchen) verschwand die schwarze Schicht und legte den Blick zum Cover frei. Bis es wieder abkühlte und schwarz wurde.

Als Freund des bedruckten Papiers mit einer Leidenschaft für Spielereien war es natürlich nicht schwer, mein Herz auf diese Weise zu erobern.

Später reichte ich dann gern eine Ausgabe herum, auf der ein Mann beim Diskofox zwischen zwei Damen gezeichnet war, der ein schwarzes Oberteil trug. Wenn man mit dem Finger darüber streifte, war es, als würde man das Samt-Jackett des Mannes streicheln. “Beflockung” nennt sich das Verfahren, mit dem man Stoff auf eine Zeitschrift bringt.

Der aktuelle Titel zeigt eine Tafel Schokolade. Die einzelnen Stückchen dieser Tafel sind gestanzt, so dass eine räumliche Wirkung erzielt wird. Eben, als hätte man eine Riesen-Schokoladentafel in der Hand.

Für diese Effekte liebe ich versio!. Für dieses “Zeigen, was möglich ist”. Für mich als Verleger haben diese Verfahren alle den kleinen Makel, dass sie irrsinnig teuer sind. Aber mit versio! in der Hand kann ich immer wieder staunen, was möglich wäre, wenn man nur das Geld dafür zur Hand nähme.

Insofern ist das Magazin ein gelungenes Aushängeschild für die herausgebende Branche. Wenn es nur im Innenteil nicht so statisch, lieblos layoutet und staubtrocken zuginge. Wenn ein Stück der Leidenschaft auf dem erlebnisorientierten Cover auch in die Texte fließen würde. Dann würde ich versio! vielleicht sogar gern lesen. Es wäre dann ganz nah am perfekten Kundenmagazin.

admin | Dienstag, 17. Juli 2007 | 09:23
Zeitschriften im Test | 3 Kommentare

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