Texte aus der Kategorie 'Todesanzeigen'

No Woman, more cry

Wir haben alles versucht, WOMAN in Deutschland langfristig zu etablieren. Leider ist es uns nicht gelungen, eine wirtschaftliche Perspektive zu erarbeiten. Wir danken den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in Redaktion und Verlag für ihre außerordentlichen Leistungen und ihr großes Engagement.

WOMANMit diesen herzerwärmenden Worten von Dr. Bernd Buchholz, Vorstand und Deutschland-Chef von Gruner+Jahr, gab der Verlag heute das Aus für das Frauenmagazin bekannt. Mit Heft 10/2007 erscheint am 30. April die letzte deutsche Ausgabe. Hintergrund sei, Überraschung!, die fehlende wirtschaftliche Perspektive.

Vor rund viereinhalb Jahren versetzte G+J mit dem Start von WOMAN den Markt der Frauenzeitschriften in helle Aufregung. Zum Kampfpreis von 1 Euro sollte die Zeitschrift starten. Nur zog der Verlag diese Startphase arg in die Länge und lies immer offen, wann das Heft mal für einen wirtschaftlich sinnvollen Preis verkauft werden sollte. Es begann eine Prima-Preisschlacht im Segment.

Nun bleibt am Baumwall nichts, als noch einmal zu betonen, dass man es trotz

treuer Lesergemeinde, hoher publizistischer Qualität und hoffnungsvoller Startphase

leider nicht geschafft habe. Die Seelen der Job verlierenden Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter werden auch noch einmal von Verlagsgeschäftsführer Dr. Volker Breid öffentlich gestreichelt:

Die Kolleginnen und Kollegen in Redaktion und Verlag haben mit viel Herzblut für WOMAN gekämpft. Wir suchen jetzt nach fairen Lösungen für alle betroffenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Ich bedanke mich bei dem tollen WOMAN-Team für den unermüdlichen Einsatz.

admin | Donnerstag, 19. April 2007 | 18:08
Frisch vom Boulevard, Todesanzeigen | 2 Kommentare

VNU Deutschland wird geschlossen

PC ProfessionellGerade noch wurde das Computer-Magazin PC Professionell einem Relaunch unterzogen. Sogar mit einem begleitenden Blog. Profitieren wird die Mannschaft nicht mehr davon.

Denn nachdem es nicht gelang, das Magazin zu verkaufen, wird eingestellt. Im Mai erscheint mit Ausgabe 6 nach 16 Jahren das letzte Heft. Ebenso wie vom Schwesterblatt Internet Professionell, das es 12 Jahre lang gab. Zum 30. Juni wird der Verlag VNU Business Publications Deutschland geschlossen, 75 Angestellte sind davon betroffen.

Die Private-Equity-Gesellschaft 3i hatte VNU Europa im Februar gekauft. Die VNU-Verlagsgruppe Business Media Europe ist in sieben Ländern aktiv. Das eigentliche Interesse der Investoren galt jedoch ausschließlich den niederländischen Aktivitäten. Alle anderen Landesgesellschaften sollten verkauft oder eben geschlossen werden. Bis Juni hatten sich die neuen Inhaber dafür Zeit gegeben. Nun heißt es, es sei kein Investor zu finden.

Wie in solchen Fällen üblich, verkauft 3i die Abonnenten-Datenbank. Zum Käufer gibt es allerdings noch keine Information. Es wird ein Mitbewerber sein, der seine Datenbestände nun günstig aufstockt.

admin | Mittwoch, 18. April 2007 | 16:09
Frisch vom Boulevard, Todesanzeigen | 4 Kommentare

Short Look

Der Markttest beweist: Wir gewinnen LOOK-Käufer, ohne FRAU IM SPIEGEL-Käufer zu verlieren. Die beiden Titel dürften bundesweit eine Gesamtauflage von rund 420.000 Exemplaren erreichen.

So publizierte Gruner+Jahr noch im September. LOOK, war ein Klon von FRAU IM SPIEGEL. Nur die Aufmachung der Hefte war unterschiedlich. Mit dem Konzept sollten jüngere Leser gefunden und gebunden werden, denen FRAU IM SPIEGEL zu spießig ist.

Hätte klappen können. Das Konzept liegt nun aber auf dem Friedhof.

admin | Mittwoch, 31. Januar 2007 | 17:29
Todesanzeigen | 2 Kommentare

Momos Zeitblume verwelkt

TEMPO-Gründer Marcus Peichl hatte den Job, für den SPIEGEL-Verlag ein Kulturmagazin zu entwickeln. Name der Entwicklungs-Redaktion: Momo. Nun kam die Nachricht, dass das Projekt begraben wurde. Interessant sind die Hintergründe. Aber um die vollumfänglich verständlich zu machen, will ich an dieser Stelle mal ein bisschen arg ausschweifen.

“Nirgendwo anders”, heißt es in einer Selbstdarstellung des SPIEGEL, “ist die Idee, die Beschäftigten eines Unternehmens auch zu Inhabern zu machen, so konsequent verwirklicht worden.” Nehmen wir mal an, das stimmt – dann ist auch nirgendwo anders so eindrucksvoll bewiesen worden, wie schädlich die Mitarbeiter-Beteiligung für die Entwicklung eines Medienunternehmens sein kann.

Das Magazin SPIEGEL und seine Ableger (uniSPIEGEL, SPIEGEL Special etc.) erscheinen in der SPIEGEL Verlag Rudolf Augstein GmbH & Co. KG. Diese GmbH gehört zu

Der SPIEGEL gehört also zur Hälfte seinen Angestellten. Und da die Mitarbeiter KG auch in der Rudolf Augstein GmbH mit einem Anteil von 50,5% das Sagen hat (Augstein-Erben 24%, Gruner+Jahr 25,5%), geht ohne die eigene Mannschaft nichts im Verlag.

Die Idee kam von Magazin Gründer Rudolf Augstein selbst. In der Eigendarstellung der SPIEGEL-Gruppe liest sich das so:

Seit 1974 sind Redakteure, Dokumentationsjournalisten und Verlagsangestellte dank der Schenkung Rudolf Augsteins 50-Prozent-Teilhaber des SPIEGEL-Verlags. Jeder Mitarbeiter, der drei Jahre beim SPIEGEL arbeitet, kann sich als stiller Gesellschafter an der Mitarbeiter KG beteiligen. Diese “Kommanditgesellschaft Beteiligungsgesellschaft für SPIEGEL-Mitarbeiter mbH & Co.” ist Gesellschafter des SPIEGEL-Verlags.

Die Mitarbeiter-Beteiligung war von Anfang an als Teil der Alterssicherung gedacht. Es gibt im SPIEGEL keine allgemeine Pensionskasse, die Gewinnausschüttung dient daher auch der Altersvorsorge. In jedem Frühjahr werden nach einem ausgeklügelten Punktesystem, das Betriebszugehörigkeit und Jahresgehalt berücksichtigt, die 50 Prozent des SPIEGEL-Gewinns verteilt, die der KG zustehen.

Die Rechte der stillen Gesellschafter der Mitarbeiter KG werden von fünf gewählten Geschäftsführern vertreten. Zurzeit sind dies Dr. Thomas Darnstädt, Armin Mahler, Karl Heinz Gill, Carsten Türke und Cordelia Freiwald. Die Geschäftsführer werden auf drei Jahre gewählt und sind ehrenamtlich, also zusätzlich zu ihrer normalen Arbeit, tätig. Sie entscheiden darüber mit, wenn ein neuer Chefredakteur berufen wird und Tochtergesellschaften wie die SPIEGEL TV GmbH gegründet werden.

Nun hört man allerdings nicht selten, dass Augstein selbst Jahre später sehr unglücklich über seine Entscheidung war, die Hälfte seines Babys zu verschenken. Und wer will das in Frage stellen? Die Mitarbeiter sind der größte Bremsklotz beim Vorankommen des Verlages.

Da mag man einwerfen: “Warum? Dem Magazin geht’s doch gut.” Aber das greift zu kurz. Ja, im Augenblick steht der Verlag gut da. Doch schon seit Jahren gilt auch im SPIEGEL-Hochhaus an der Brandstwiete die Erkenntnis, dass die Aufstellung des eigenen Unternehmens höchst fragil ist. Zwei Drittel seines Gesamtumsatzes macht der Verlag mit dem SPIEGEL.

Nehmen wir mal an, das Magazin würde in eine fundamentale Krise rutschen. Sinkende Verkäufe, einbrechende Anzeigeneinnahmen… Soll es ja geben. Das würde den Verlag ziemlich hart treffen. Weil es keinen Geschäftsbereich gibt, der so viel Gewinn abwirft, dass er eine Krise beim Muttermagazin auffangen könnte. Der Verlag braucht eigentlich seit Jahren dringend neue Geschäftsfelder, weitere Zeitschriften.

Natürlich ist das Magazin nicht die einzige Aktivität der Verlages. Im Lauf der Jahre wurden durchaus einige weitere gegründet. So zum Beispiel:

Na? Was fällt da auf? Richtig, die bedeutenden Gründungen im Verlag fanden in den Siebzigern statt. Danach gab es nur noch todsichere Line Extensions der Marke SPIEGEL. Aber nichts Aufregendes mehr, das die Unabhängigkeit vom Muttermagazin stärken konnte.

Warum ist das so? Die Antwort steckt bereits in der oben zitierten Eigendarstellung:

In jedem Frühjahr werden nach einem ausgeklügelten Punktesystem, das Betriebszugehörigkeit und Jahresgehalt berücksichtigt, die 50 Prozent des SPIEGEL-Gewinns verteilt, die der KG zustehen.

Die Mitarbeiter sind am Gewinn des Verlages beteiligt. Das gibt jedes Jahr eine hübsche Summe auf das ohnehin nicht kleine Jahresgehalt drauf. Damit rechnen die Mitarbeiter natürlich Jahr für Jahr. Bei vielen springen bei der Gewinnausschüttung mehr als zwei Monatsgehälter raus.

Nun ist es aber kein Geheimnis, dass jede Neugründung im Medienbereich zunächst mal Geld kostet. Zwischen drei und fünf Jahren gibt man einem neuen Magazin, bis es die Gewinnschwelle erreicht. Im Klartext: Investiert der Verlag in neue Standbeine, geht das zu Lasten des Gesamt-Gewinns. Sinkt der Gewinn, bekommen die Mitarbeiter weniger Geld.

Das führt dazu, dass die Mitarbeiter KG nahezu jede Neugründung verhindert. Aus Angst ums eigene Geld. Was zählt schon die langfristige Zukunftssicherung, wenn in diesem und vielleicht auch in den nächsten Jahren weniger Geld ins eigene Säckl kommt?

Böse Unterstellung? Vielleicht. Aber ich glaube, ich kann’s beweisen. Es ist ja nicht so, dass es keine Ambitionen für neue Projekte gab. So versuchten sich die Hamburger 1997 in der Entwicklung eines ganz neuartigen Wirtschaftsmagazins. Im Oktober gab es grünes Licht, im April 1998 erschien das Magazin namens ECONY zum ersten Mal.

Die Branche feierte das neue Konzept. Die Redaktion um Gabriele Fischer hatte ein wirklich gutes Heft an den Start gebracht. 24.000 Exemplare gingen von der ersten Ausgabe über den Ladentisch. Schon kurz nach Erscheinen der zweiten bekam der Verlag, bekamen die Mitarbeiter allerdings kalte Füße. Man stellte das Magazin ein.

Verlegerisch vollkommener Unsinn. Kein Magazin bewährt sich nach Nummer eins. Die Verkaufszahlen der zweiten Nummer kannte man ja noch gar nicht. Auch die Werbekunden überschlugen sich noch nicht mit Anzeigen-Aufträgen. Die Mitarbeiter fürchteten um ihren Gewinn und zuckten zurück.

Kleine Ironie der Geschichte: Das Team um Gabriele Fischer machte eine wechselvolle Geschichte durch. Und setzte das ECONY-Konzept mit brandeins fort, das bis heute erscheint und, wie man hört, gar nicht so unerfolgreich ist.

So läuft das beim SPIEGEL. Und so lief es mit Momo. Nur unter verschärften Bedingungen. Denn zur Zeit herrscht Wahlkampf im SPIEGEL-Verlag. Die Geschäftsführung der Mitarbeiter KG wird neu besetzt. Und Gabor Steingart, Leiter des Berliner Büros, Kumpel sowie Nachfolge-Aspirant von Chefredakteur Stefan Aust, hat es auf die Position des KG-Geschäftsführers Thomas Darnstädt abgesehen.

In dem Getümmel geht es nicht sonderlich feingeistig zu. So berichtet die Frankfurter Allgemeine Zeitung in einem schönen Stück über die internen Machtkämpfe zum Beispiel über einen Konflikt zwischen Steingart und dem neuen Verlagsgeschäftsführer:

Steingart hatte auf einer Wahlveranstaltung vor Korrespondenten gesagt, man habe im Spiegel gegen den erstklassigen Geschäftsführer Karl Dietrich Seikel mit Mario Frank einen Mann aus der Provinz eingetauscht, der bei Gruner + Jahr wohl keine große Karriere mehr vor sich gehabt hätte.

Daraufhin machte sich Widersacher Darnstädt für Disziplinarmaßnahmen gegen Steingart stark, der das laut Hamburger Abendblatt mit den Worten konterte: “Wir brauchen eine disziplinierte Diskussion, keine Disziplinarmaßnahmen”.

Inmitten dieses Kampfgetümmels geriet auch Momo ins Schlachtfeld. Und starb. Dabei, so heißt es, hatte sich gerade die Mitarbeiter KG anfangs für das Projekt stark gemacht. Man wollte ein weiteres Magazin, neben dem von Aust – der einst gegen starken Widerstand der Mitarbeiter KG Chefredakteur wurde – dominierten Schlachtschiff. Darnstädt selbst lag viel an Momo.

Und Peichls Team lieferte offensichtlich auch etwas Marktfähiges ab. Der Dummy für Momo fand Gefallen in der Markforschung. Anzeigenabteilung und Vertrieb waren nach anfänglicher Skepsis optimistisch.

Und doch will niemand mehr das Heft. Stefan Aust war nie von der Kultur-Konkurrenz angetan. Und auch Fürsprecher Darnstädt bläst inzwischen ins Skepsis-Horn. Nun heißt es nämlich, das neue Magazin könne dem SPIEGEL nur schaden. Da mag man fragen, wie ein Magazin, das zu einem Drittel aus Kulturterminen und zu zwei Dritteln aus Reportagen und Lesestücken aus dem Kulturbetrieb bestehen sollte, dem politischen Wochenmagazin das Wasser hätte abgraben sollen.

Und so muss man wohl davon ausgehen, dass es wiederum die Mitarbeiter waren, die beim einem Start von Momo um ihre Gewinnausschüttungen fürchteten. Die Bewerber um den Geschäftsführungsposten wollten ihrem Wahlvolk entsprechend deutlich machen: Wir kämpfen für Euren Jahresbonus und gegen neue Experimente, die Geld kosten.

Für den neuen Verlags-Geschäftsführer Mario Frank, gerade vor drei Wochen als Nachfolger in die großen Fußstapfen von Karl Dietrich Seikel getreten, war es wahrscheinlich der erste Konflikt im neuen Amt. Vielleicht wäre es im Sinne der langfristigen Entwicklung klug von ihm gewesen, die vermeintliche Machtprobe durchzustehen. Vielleicht war es im Sinne seiner eigenen Karriere klug, dem Hauptgesellschafter entgegenzukommen und Momo abzublasen.

Die bisher von dem Projekt verursachten Kosten – man darf wohl locker von einem Millionenbetrag ausgehen – werden abgeschrieben.

Über weitere Entwicklungsprojekte soll erst entschieden werden, wenn die derzeit laufende Überprüfung der Wachstumsstrategie des SPIEGEL-Verlages abgeschlossen ist

hieß es aus dem SPIEGEL-Hochhaus. Aber so heißt es eigentlich seit Jahren schon. Und letztlich klingt das mit jedem Jahr stärker nach langfristigem Selbstmord aus Angst vor dem Tod.

“Nirgendwo anders”, heißt es in einer Selbstdarstellung des SPIEGEL, “ist die Idee, die Beschäftigten eines Unternehmens auch zu Inhabern zu machen, so konsequent verwirklicht worden.” Nehmen wir mal an, das stimmt – dann ist auch nirgendwo anders so eindrucksvoll bewiesen worden, wie schädlich die Mitarbeiter-Beteiligung für die Entwicklung eines Medienunternehmens sein kann.

admin | Donnerstag, 18. Januar 2007 | 22:16
Todesanzeigen | 11 Kommentare

Re: V.i.S.d.P. – die pdf-Ausgabe. Ab jetzt jeden Freitag neu.

Guten Tag, sehr geehrter Herr Hetzel.

Wir kennen uns noch nicht persönlich. Ich möchte Ihnen heute für die freitägliche Zusendung Ihres Hinweises auf die jeweils aktuelle PDF-Ausgabe von V.i.S.d.P. danken. Vielleicht ist es aber für uns beide besser, wenn Sie mich da künftig aus dem Verteiler streichen.

Der Niedergang Ihres Mediums ist so schmerzhaft, weil das alles mal mit einem wirklich amüsanten Heft begonnen hat.

Ich war schon sehr nachsichtig, als Sie uns als Abonnenten später als alle anderen über die Einstellung des Print-Magazins informiert haben. Und dann war ich irgendwie auch zu bequem, um mal nachzufragen, wie das eigentlich mit dem vorab bezahlten Abo-Geld ist, über das Sie nie ein Wort verloren haben.

Aber dieses peinliche PDF-Ding ist dann doch der kleine Dreh zu viel. Uninspiriert zusammengeklatschte Meldungen kann ich auch im “journalist” lesen. Zudem schaffen Sie es, Woche für Woche “Interviews der Woche” ohne jeden Erkenntnisgewinn für Ihre Leser zu publizieren. Hajo Schumachers Kommentare sind irgendwie auch nur noch Mainstream-Zusammenfassungs-Luftblasen. Und Gala-Fotos… Naja, irgendwie ja verzichtbar. Vor allem seit die Sprechblasen strunzdoof hingekalauert werden und nur die Hälfte der abgebildeten Menschen auch einen Namen bekommt.

Ich glaube, wir brauchen wirklich mal ein gutes Medienmagazin in Deutschland. Ich war ja sogar bereit, dafür zu zahlen. Ich weiß, ich war zu wenige. Aber nichts für ungut, unsere Wege sollten sich hier trennen.

Vielleicht gab sogar den Ausschlag, dass Sie jetzt auch noch mit dem offensichtlichen Schlechtabschreiben ohne Quellen-Nennung begonnen haben. Unter dem Stichwort “Nekrolog” nennen Sie “von den 85 im letzten Jahr eingestellten Zeitschriften” jene, die Ihre Redaktion am meisten vermisst. Und wir wissen ja, dass Sie die dem Nekrolog von retromedia.de entnommen haben. Denn wir wissen ja, dass im letzten Jahr noch viel mehr Zeitschriften als die benannten 85 gestorben sind. retromedia.de nennt nur eine Auswahl. Was da ja auch steht. Was Ihre Leser nicht erfahren, weil Sie eben schlecht abschreiben und auch keine Quelle nennen.

Also, machen Sie’s gut. Oder anders – wenn Sie’s wieder gut machen, lese ich gern von Ihnen.

Herzliche Grüße
Sebastian Marquardt

Zwei kleine und feine Ergänzungen: eins, zwei. Und eine fiel mir selbst noch ein. Der vollkommen anachronistische Teilnahme-Modus an der Vanity-Fair-Wette nämlich. Ausdrucken, ausfüllen, faxen.

admin | Freitag, 12. Januar 2007 | 16:35
Todesanzeigen | 9 Kommentare

Der etwas andere Jahresrückblick

Jens Schröder hat für retromedia.de alle Magazine aufgelistet, die im Jahr 2006 den Zeitschriftentod starben.

| Samstag, 30. Dezember 2006 | 13:06
Todesanzeigen | Kommentieren

Aller guten Dinge sind… ääh, fünf!

So, Kinder, ihr müsst jetzt ganz stark sein. Zum einen weil ich meinem Ruf als Hexe mal wieder alle Ehre gemacht habe. Zum anderen, weil es um dieses Exemplar nun wirklich schade ist.

Tja, Retromedia. Übernehmen Sie. Gespannt bin ich auf die Autorennamen, die das Magazin groß gemacht haben. Das wird doch sicherlich rauszufinden sein.

| Samstag, 09. Dezember 2006 | 23:54
Insider-Humor, Todesanzeigen | 2 Kommentare

Manche mögen’s gar nicht heiß

Nur der Vollständigkeit halber (und weil hier sich ja auch mal wieder was tun muss): For you, das wohl nur in einschlägigen Kreisen bekannte Frauenmagazin aus dem Heinrich Bauer Verlag wird eingestellt. Erschienen ist das Magazin laut Kress.de in der Tochtergesellschaft Inter Content, in der all die Magazine erscheinen, mit denen der Verlag nicht allzu gern in der Öffentlichkeit in Verbindung gebracht werden möchte.

Lustig ist allerdings die Vorgeschichte von For you: Zuerst hieß das Blättchen nämlich Coupé for you und wurde als Frauenableger des Tittenblättchens Coupé im September 2003 auf den Markt gebracht. Es existierte genau eine Ausgabe lang, wurde aber 2005 unter dem Namen For you wiederbelebt. Tja, und nun war’s das wieder.

| Freitag, 01. Dezember 2006 | 21:05
Todesanzeigen | 2 Kommentare

Wirtschaftlich notwendige Insolvenz?

Wie gestern berichtet, wurde für den Autoszene-Verlag (VW WOB!, Sound off, AUTO SZENE Tuning) das Insolvenzverfahren eröffnet. Die einstigen Eigentümer und heutigen Minderheitsgesellschafter erheben diesbezüglich schwere Vorwürfe gegen ihren Mehrheitspartner, die Motorpresse Stuttgart.

Um eine Stellungnahme gebeten, teilte die 56,5-prozentige Gruner+Jahr-Tochter heute folgendes mit:

Wir bestätigen hiermit, dass über die Autoszene Verlag GmbH, an der die Motor Presse Stuttgart einen Anteil von 50,7 Prozent hält, die Insolvenz eröffnet worden ist. Ein Umsatzrückgang im Tuning-Markt von 40 Prozent sowohl im Vertriebs- als auch im Anzeigenmarkt in den vergangenen Monaten führte zu einem nicht mehr hinnehmbaren wirtschaftlichen Druck auf den Autoszene Verlag. Die Motor Presse Stuttgart hat lange Zeit die finanziellen Mittel bereitgestellt, die nötig waren, um das Überleben des Verlags sicherzustellen. Dies ist leider in Zukunft nicht mehr vertretbar; die Talfahrt der Marktentwicklung in diesem Segment geht unverändert weiter. Die Motor Presse Stuttgart kann nicht die alleinige finanzielle Verantwortung für die Auto Szene Verlag GmbH übernehmen.

Die Motor Presse Stuttgart hatte zum 1.11.2004 einen Mehrheitsanteil von 50,7 Prozent an der autoszene Verlag GmbH, München, übernommen. Der autoszene Verlag wurde 1998 gegründet und veröffentlicht die Tuning-Titel VW WOB!, Sound Off und Auto Szene Tuning.

Die Entscheidung, ob und wie die Tuning-Titel weitergeführt werden, liegt nunmehr allein beim Insolvenzverwalter.

Vielleicht ist es eine gute Entscheidung der Stuttgarter, nicht auf die Vorwürfe der Partner im Einzelnen einzugehen. Vielleicht will und kann man damit eine öffentliche Schlammschlacht verhindern. Vielleicht ist es aber auch interessant, wozu die Motorpresse nichts sagt und auf welche Position sie sich zurückzieht.

admin | Donnerstag, 23. November 2006 | 13:59
Todesanzeigen | 22 Kommentare

Motorpresse treibt Tochter in die Insolvenz?

Und ich dachte schon, ich sei schuld an der Insolvenz des Autoszene-Verlages. Das kam so: Vor einigen Jahren hatte unser Verlag eine kleine Kooperation mit dem neuen Tuning-Magazin XXL-Tuning, das kurz darauf nicht mehr erschien. Vor wenigen Wochen dann hatten wir eine Kooperation mit der Zeitschrift Auto Szene Tuning, die seit anderthalb Jahren erscheint und nach solidem Geschäft aussah. Insofern war ich etwas irritiert, als letzte Woche ein Anwaltsschreiben über die Eröffnung des Insolvenzverfahrens informierte. Schlechtes Karma?

Nein. Die Mannschaft des Autoszene-Verlages nimmt heute Stellung zur Situation. Und sagt ganz klar: Man wurde vom eigenen Gesellschafter, der Motorpresse Stuttgart (die wiederum seit 2005 zu 56,5 Prozent Gruner+Jahr gehört), in die Insolvenz getrieben.

Nicht wissend, wie lange das Statement online bleiben wird, erlaube ich mir hier das Vollzitat der Sichtweise ehemaliger Mitarbeiter des Autoszene-Verlages:

Liebe Leser, liebe Geschäftspartner,

viele haben uns angerufen oder gemailt, weil sie es nicht begreifen können, dass die VW WOB! oder die Sound off, die wir über viele Jahre erfolgreich im Markt positioniert hatten, nun einfach sterben sollen.

Sie alle wissen aus den Medien, dass die Insolvenz heute ein beliebtes Mittel ist, sich von Verpflichtungen zu befreien. Diese menschenverachtende Vorgehensweise ist offenbar nun auch im Verlagsgewerbe angekommen und da Sie – wie wir – Leidtragende dieses Umstands sind, wollen wir Sie über die wahren Hintergründe nicht im Unklaren lassen.

Die Motorpresse Stuttgart hat in 2004 den Autoszene Verlag in München zu 100 % von den Geschwistern Helmut Horn und Ingrid Horn gekauft. 51 % der Anteile wurden sofort bezahlt und übernommen, die restlichen 49 % sollten Ende 2007 bezahlt werden. In der Tuning-Euphorie des Jahres 2004 stiegen die Stuttgarter mit großer Begeisterung ein und versprachen Synergien mit den etablierten Autotiteln des Hauses wie auto motor und sport, sport auto, Auto HiFi etc. Mit dieser Perspektive stimmten wir gerne dem Wunsch der Motorpresse zu, einen weiteren markenübergreifenden Tuning-Titel auf den Markt zu bringen. In anderthalb Jahren haben wir AUTO SZENE Tuning sowohl in den Verkaufszahlen als auch im Bereich Anzeigen auf das Niveau vergleichbarer Titel gebracht.

Leider war die Geschäftsleitung in Stuttgart nicht in der Lage, die versprochenen Synergien hausintern durchzusetzen; statt dessen stülpte man dem funktionierenden „Familienbetrieb“ Konzernstrukturen über. So wuchsen die Kosten nicht nur durch den neuen Titel, sondern auch durch einen geradezu unglaublichen Mehraufwand im Bereich der Verwaltung. Als sich der Zeitschriftenmarkt im Allgemeinen und der Tuning-Markt im Besonderen rückläufig entwickelten, verlor die Muttergesellschaft das Interesse und lehnte trotz ursprünglich anderslautender schriftlicher Zusage die Verantwortung für den Tuning-Generalisten ab. Durch massive Eingriffe in die Vertriebsstrukturen schnitt man den Münchener Verlag kurzerhand von den Vertriebserlösen ab und zwang die Geschäftsleitung zur Anmeldung der Insolvenz.

Im Zeitraum der vorläufigen Insolvenz hat das Münchener Team erneut bewiesen, dass es schwarze Zahlen schreiben kann. Doch weder Stuttgart noch die Insolvenzverwaltung hatte Interesse, das Unternehmen fortzuführen. Die Mitarbeiter wurden einen Tag nach Drucklegung der aktuellen WOB! kurzerhand vor die Tür gesetzt.

Es blieb niemandem die Zeit, Leser und Geschäftspartner zu informieren. Trotz der für die kommenden Ausgaben gebuchten höchsten Anzeigenumsätze des Jahres wurde der Betrieb stillgelegt und die Arbeit von Jahren vernichtet. Wir bedauern sehr, dass Ihre Anzeigen, die Sie im Vertrauen gebucht haben, nicht mehr erscheinen können. Bei den Abonnenten bedanken wir uns für die langjährige Treue und schämen uns für das üble Vorgehen der Insolvenzverwaltung, das letzte Heft der VW WOB! nicht mehr auszuliefern.

Wir bedanken uns für die vielen „Beileidsbekundungen“ und die erklärte Solidarität. Wer uns treu bleiben will, kann uns jederzeit erreichen über www.tuning.de

Nachtrag: Von der Motor Presse Stuttgart gibt es inzwischen auch eine Stellungnahme.

admin | Mittwoch, 22. November 2006 | 18:44
Todesanzeigen | 4 Kommentare

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