Autoren-Archiv

Und nochmal Recht gehabt

Meine Klugscheißer-Seele wird dieser Tage gestreichelt. Denn auch in Sachen eines tages lag ich nicht so falsch. Der SPIEGEL-Verlag startet das Magazin. Es liegt ab 9. September für 4,90 Euro am Kiosk. Zur späteren Gesichtswahrung kündigt man das Heft als “einmalige Testausgabe” an. Für den Fall, dass die Mitarbeiter KG mal wieder kalte Füße bekommt.

admin | Montag, 25. August 2008 | 21:18
Frisch vom Boulevard | 6 Kommentare

Wette gewonnen

Ich freue mich selten über Magazin-Einstellung und über Insolvenzen noch weniger. Insofern nehme ich mal emotionslos zur Kenntnis, dass ich diese Wette so gut wie gewonnen habe. Das dem Trend glänzend hinterher produzierte Second Life Magazin gibt’s nicht mehr, für den Verlag wurde Insolvenz beantragt.

admin | Dienstag, 08. Juli 2008 | 11:24
Todesanzeigen | 9 Kommentare

Warum es eines tages eines Tages geben sollte

Der SPIEGEL-Verlag hat ein Problem. Genau genommen zwei. Wohl und Wehe hängen an der Hamburger Brandstwiete in hohem Maße vom SPIEGEL ab. Ja, es gibt noch das Manager Magazin, es gibt den Harvard Business Manager und nicht zuletzt SPIEGEL TV, aber dann war es das auch. Sie Abhängigkeit von einem Produkt ist für kein Unternehmen gut. Würde eine konjunkturelle Delle das wirtschaftliche Ergebnis des Magazins schwächen, wäre der gesamte Verlag betroffen. Es gibt keine nennenswerten Standbeine, die ein Minus beim Flaggschiff ausgleichen könnten.

Diese Erkenntnis ist ebenso wenig originell wie neu. Das Management ist sich dessen schon seit mindestens einem Jahrzehnt bewusst. Aber da greift dann eben das zweite Problem. Der Verlag gehört mehrheitlich seinen eigenen Mitarbeitern. Das hat SPIEGEL-Gründer Rudolf Augstein einst so verfügt und später bitterlich bereut, nie aber rückgängig machen können.

Die Erträge des Verlages gelangen also in Form einer jährlichen Ausschüttung anteilig direkt auf die Gehaltszettel der Mitarbeiter. Nun haben Neugründungen im Magazingeschäft die unangenehme Begleiterscheinung, zunächst einmal Geld zu kosten. Drei bis fünf Jahre bis zur schwarzen Null sind wirklich nichts außergewöhnliches. Verluste über einen solchen Zeitraum machen sich aber in der Brieftasche der Mitarbeiter bemerkbar. Und während das SPIEGEL-Wirtschaftsressort ebenso wie die Kollegen des Manager Magazins gern ein Loblied auf langfristig angelegtes Management singt, darf man den Mitarbeitern in ihrer Gesamtheit durchaus kurzfristige Profitgier unterstellen. Denn Beweise gibt es genug.

brand eins ist das prominenteste. Nach gerade zwei Ausgaben des Heftes, das damals noch Econy hieß, bekamen sie kalte Füße und stellten es ein. Wie die Anfänger. Momo schaffte gar nicht erst den Sprung in den Markt (Im Text zu Momo habe ich das auch schon mal sehr ausführlich erzählt). Auch SPIEGEL Reporter gab ein recht kurzes Gastspiel.

Am Ende aber führt kein Weg an der Erkenntnis vorbei: Der SPIEGEL-Verlag braucht Diversifizierung. Ich finde, eines tages passt da perfekt ins Bild. Ich erwähnte ja, dass ich von einer Umsetzung des Portals in eine Printversion überzeugt bin. Und das sind die Gründe, die es aus meiner Sicht zwingend machen:

  1. einestages.de hat sich relativ schnell etabliert. Es gibt also eine Zielgruppe für diese Form des Geschichtenerzählens.
  2. Die starke redaktionelle Einbindung von nutzer-generierten Inhalten des Web-Portals wird es nicht für lau geben. Aber die Honorarkosten dürften deutlich unter SPIEGEL-Niveau liegen.
  3. Gleichsam beschreiten die Macher mit der Einbindung der Leser in die Heftproduktion einen für den klassischen Printmarkt im General-Interest-Segment neuen Weg. Das dürfte das öffentliche Interesse nennenswert verstärken und für eine gute start-begleitende PR sorgen.
  4. Historie ist zugleich bekanntermaßen eine der SPIEGEL-Stärken. Das Mutterheft kann die perfekte Werbeplattform für das Magazin bieten. In Print ebenso wie online.
  5. Gleichsam wäre eines tages perfekte Vermarktungsplattform für die inzwischen zahlreichen Historien-Publikationen wie Sonderhefte oder DVDs des SPIEGEL. Das Stichwort aus dem Buzzword-Bingo für Manager: Synergie-Effekte!
  6. eines tages wäre sicher kein Mega-Top-Seller, könnte aber eine solide Auflage im hohen fünf- oder niedrigen sechsstelligen Bereich liefern. Und damit schwarze Zahlen.
  7. Das Online-Portal bindet bereits eine interessierte Zielgruppe, die direkt zum Magazin hingeführt werden könnte. Dies in Verbindung mit den Werbe-Möglichkeiten des Mutterschiffs macht einen Großteil des Marketings über die eigenen Objekte möglich, spart also Kosten.
  8. Das wiederum macht auch die Investition überschaubarer. Das Projekt ließe sich den Mitarbeitern damit besser verkaufen als ein großes Objekt, für dass es diese Marketing-Basis im eigenen Haus nicht gäbe.
  9. Letztlich sind zwei bis drei kleine Beiboote ebenso wertvoll wie ein Top-Seller aus dem gleichen Haus.
  10. Mit Bastian Sick hat Matthias Müller von Blumencron selbst das beste Beispiel ins Feld geführt. Zwiebelfisch war eine kleine Netzkolumne für Sprachfetischisten. Inzwischen wurden drei Millionen Bücher verkauft und Sick füllt ganze Hallen, um seine Klugscheißereien unters Volk zu bringen. Auch hier stehen dem großen Erfolg überschaubare Investitionen gegenüber.

Oder anders: Die wären schön blöd, es nicht zu versuchen.

admin | Dienstag, 03. Juni 2008 | 23:18
Aus berufenem Munde | 7 Kommentare

Zickenkrieg

Ist jemals ein Chefredakteur nach seinem Abgang offiziell so mit Gülle übergossen worden wie Lisa Ortgies nach Ihrer Trennung von Emma? Zumindest in den letzten 14 Jahren kann ich mich nicht daran erinnern. Dabei ist das gar keine Frage von Schuld. Es ist schlicht eine Frage der Souveränität. Und Alice Schwarzer hat davon erschreckend wenig.

Für jene, die das in den letzten Tagen nicht verfolgt haben, die Kurz-Zusammenfassung. Im Dezember gab Alice Schwarzer bekannt, sich aus dem operativen Geschäft der von ihr gegründeten Emma zurückzuziehen. An ihrer Stelle sollte Lisa Ortgies, bis dahin Moderatorin der WDR-Sendung frau.tv, die Chefredaktion übernehmen.

Das lief wohl alles nicht so wie geplant, man trennte sich. Ortgies ließ im SPIEGEL wissen, sie habe sich mit ihren Ideen nicht gegen Schwarzer durchsetzen, “keinen konzeptionellen Vorschlag und keines der Themen für die ich angetreten bin, verwirklichen können”. Ja nun, das ist eben manchmal so. Mitarbeiter verlassen Unternehmen und geben dann nicht das beste Zeugnis für ihren Ex-Arbeitgeber ab.

Bereits im SPIEGEL wurde Alice Schwarzer jedoch damit zitiert, dass Ortgies ihren Arbeitsantritt “wegen familiärer Verpflichtungen – sie nannte explizit ‘Kinder in Hamburg’ und einen ‘kranken Vater’ – mehrfach verschob”. Für die Verlegerin einer feministischen Frauenzeitschrift durchaus ein schwieriges Zitat.

Was macht nun aber die Emma-Redaktion? Klassisch hätte es eine Pressemitteilung gegeben, in der man mitteilt, es gebe unterschiedliche Auffassungen über die Ausrichtung des Blattes, jedoch keine persönlichen Gründe und fertig ist die Laube.

Aber nein. Alice Schwarzer teilt nun richtig aus und lässt die Welt per Pressemitteilung wissen, Lisa Ortgies sei “nicht für die umfassende Verantwortung einer Chefredakteurin” geeignet. Autsch! Volle Breitseite. Was auch immer Frau Ortgies zur Trennung beigetragen haben mag – sie ist von nun an das Opfer. Denn ein solches Nachtreten des Arbeitgebers, zumal derart öffentlich, ist gegen jeden Anstand.

Entsprechend sehen die Pressemeldungen und Leser-Reaktionen aus. Nicht zuletzt im Emma-Online-Forum wird leidenschaftlich debattiert. Und was passiert in der Emma-Redaktion? Einsicht, Wunden lecken, Mund halten, entschuldigen? Pah!

Die “Emmas”, also die gesamte Redaktion, teilt nun öffentlich “in eigener Sache” mit:

[...] Wir alle hatten darum ab Mitte Mai kaum noch Hoffnung, dass Lisa Ortgies in Zukunft die Verantwortung einer Chefredakteurin von EMMA würde schultern können. Darum haben wir mit Alice gesprochen und ihr gesagt: „Es geht mit Lisa so nicht weiter. Da müsste sich ganz viel ändern, wenn sie wirklich die Verantwortung für die Chefredaktion übernehmen soll.“ Wir hatten allerdings gehofft, dass selbst im Falle einer Trennung Lisa weiter für uns schreibt und sich aktiv in EMMA einbringt (dies vor allem in ihren Spezialgebieten Familie und Beruf).

Es ist vor diesem Hintergrund für uns besonders abwegig, dass Lisa Ortgies nun in der Öffentlichkeit versucht, die Trennung mit einem Konflikt zwischen ihr und Alice zu begründen. Denn von uns allen hat Alice sich am meisten gewünscht, die Chefredaktion in kompetente Hände legen zu können! [...]

Es geht also noch peinlicher. Aber selbst diesem Dokument des Grauens setzen die Damen noch einen drauf. Als handle es sich um einen Staatsakt, veröffentlichen sie ein dreiseitiges PDF-Dokument “Chronologie der Ereignisse”, in dem der Fall noch einmal richtig breitgetreten wird. Ergänzt um ein weiteres PDF – eine gemeinsame “Erklärung zur einvernehmlichen Trennung”, zu deren Unterschrift man Ortgies bringen wollte.

Das ist alles wirklich widerlich. Man steht daneben und staunt, wie eine gestandene Verlegerin derart die Contenance verlieren kann. Und wer sich wohl als nächstes an das Amt wagen wird.

admin | Dienstag, 03. Juni 2008 | 16:19
Frisch vom Boulevard | 11 Kommentare

Aus dem Netz aufs Papier?

Ich würde vielleicht sogar wetten.

So lange ist einestages.de, das user-generated Geschichts-Portal vom SPIEGEL, noch nicht am Start. Aber es scheint, als seien die Verlags-Verantwortlichen nicht nur offiziell zufrieden mit der Entwicklung der Plattform.

Matthias Müller von Blumencron, seit Februar einer der beiden SPIEGEL-Chefredakteure, reagierte heute jedenfalls sehr nervös auf die Frage nach einer Print-Ausgabe von einestages. Gefragt hatte Noch-Brigitte-Verlagsleiterin Julia Jäkel im Rahmen des Mediendialogs Hamburg. Und Blumencron wollte sich nicht in die Karten gucken lassen, antwortete allerdings auch nicht sehr souverän. Am Ende rang er sich zu der Bemerkung durch “Wir denken immer über eine Menge Dinge nach.”

Um dann von Bastian Sick zu erzählen. Der Zwiebelfischer habe aus seiner Online-Kolumne heraus inzwischen mehr als drei Millionen Bücher verkauft. Und damit lieferte der SPIEGEL-Chef nach einer durchschaubaren Umschiffung der Frage einen guten Grund, es zu versuchen.

Ich rechne fest mit wenigstens einer Nullnummer, und immer noch sehr fest mit einem Sonderheft eines tages, dass dann im Erfolgsfall sehr schnell regelmäßig erscheinen wird.

admin | Montag, 02. Juni 2008 | 19:01
Frisch vom Boulevard | 2 Kommentare

“Das Auge” macht jetzt Marketing

In einer Hierarchie neigt jeder Beschäftigte dazu, bis zu seiner Stufe der Unfähigkeit aufzusteigen.

Sagt das Peter-Prinzip des Autors Raymond Hull. Und von außen betrachtet wirkt es, als folge Tom Jacobi eben diesem Prinzip. Wie heute bekannt wurde, verlässt der 52-jährige das Verlagshaus Gruner + Jahr, wo er lange Art Director des Stern und zuletzt auch Chefredakteur von View war.

In der Printmedien-Branche genießt Jacobi hohes Ansehen. Und das auch zurecht. Seit 2000 war der gelernte Fotojournalist, der zuvor schon einmal 10 Jahre lang für das Wochenmagazin fotografierte, für die Optik des Stern verantwortlich. Intern nannte man ihn das Auge. Offensichtlich wollte Jacobi aber mehr. Also übertrug man ihm die redaktionelle Verantwortung für die Neuentwicklung View. Das passte auch durchaus noch ins Profil des Art Directors, der seine Nase zunehmend hoch trug.

Ich habe Tom Jacobi offen gestanden nie kennengelernt. Aber ich stand auf so mancher Veranstaltung vor, neben und manchmal auch hinter ihm. Umgeben von jungen Häschen ließ er sich da immer gern bewundern. Ich will nicht sagen, dass er ausgesprochen hochnäsig wirkte. Aber er wirkte ausgesprochen hochnäsig. Und das nicht nur, weil er selbst sehr hoch ist. Ich tippe auf mindestens 1,95 Meter.

Nun wechselt der offensichtlich weiterhin sehr karriere-ambitionierte Jacobi in den Vorstand des Hamburger Immobilien-Unternehmens Engel & Völkers. Dort ist er künftig zuständig fürs Marketing. Was einen Fotojournalisten mit einem erwiesenermaßen guten Händchen für die Optik von Magazinen nun aber befähigt, das Marketing eines Immobilien-Maklers zu verantworten, erschließt sich mir eher nicht. Daher dachte ich sehr schnell an das Peter-Prinzip.

admin | Freitag, 21. März 2008 | 19:46
Frisch vom Boulevard, Insider-Humor | 1 Kommentar

Günstige Einkaufsgelegenheit

An Zufall mag ich kaum glauben, dass die Verleger-Familie Jahr Ihren Anteil am Verlagshaus Gruner + Jahr gerade jetzt aufstocken will. Die Zahlen sind nicht gut, die Gelegenheit scheint günstig. Und so erklärte Angelika Jahr laut Branchenmagazin werben & verkaufen jüngst:

Wir würden eher dazukaufen, wenn man uns lässt.

Derzeit gehören den Erben des Gründers John Jahr 25,1 Prozent des Zeitschriftenhauses, das mit 2,83 Milliarden Jahresumsatz (2007) noch immer das größte in Europa ist. Über die Mehrheit von 74,1 Prozent verfügt das Medienhaus Bertelsmann, das noch immer zu den größten weltweit zählt. Dennoch stehen beide Unternehmen im Augenblick nicht eben glänzend da.

Bertelsmann, vor zehn Jahren nach Disney noch zweitgrößtes Medienunternehmen der Welt, fällt im Wettbewerb immer weiter zurück. Nach 19,3 Milliarden Umsatz im Jahr zuvor nahm der Konzern 2007 nur noch 18,8 Milliarden ein. Den Gewinn schmälerte das Management gar von 2,5 Milliarden auf 405 Millionen Euro. Das Buchclubgeschäft – Keimzelle des Unternehmens – wird zur immer stärkeren Belastung. Doch eben wegen seiner historischen Bedeutung war der Bereich bislang sakrosant.

Bei G+J sieht es ebenfalls nicht allzu rosig aus. Der Verlag leidet neben einer fehlenden Internet-Strategie vor allem unter seiner Beteiligung am Druckkonzern Prinovis, der gemeinsam mit Avarto (ebenfalls Bertelsmann-Tochter) und Springer betrieben wird. Der Tiefdruckmarkt, also das Geschäft von Prinovis, steht aufgrund von Überkapazitäten heftig unter Druck. Einmalaufwendungen für Restrukturierungsmaßnahmen und Wertberichtigungen sind unter Bilanz-Gesichtspunkten keine hübschen Wörter.

So wuchs Gruner+Jahr im Kerngeschäft (also Magazine, Online-Angebote, Merchandising und Messen) zwar ein bisschen im Umsatz (plus 2 Prozent) und ganz gut im Gewinn, gleichwohl fielen 2007 gegenüber 2006 im Gesamtunternehmen beide – Umsatz (von 2,86 auf 2,83 Milliarden Euro) und Gewinn vor Steuern sowie Zinsen (von 277 auf 264 Millionen Euro).

Mittelmäßige Zahlen beim Verlag und drastische Gewinn-Minimierung beim Mehrheitseigentümer lassen es für die Jahrs offensichtlich sinnvoll erscheinen, die Gespräche über eine Anteils-Aufstockung wieder aufzunehmen, die vor einem Jahr schonmal ergebnislos im Sande verliefen. Kaufen soll man schließlich immer bei schlechten Kursen. Zumal die G+J-Substanz im Augenblick noch gesund, der Zug für eine kluge Online-Strategie noch nicht ganz abgefahren ist.

admin | Freitag, 21. März 2008 | 18:39
Frisch vom Boulevard, Spaß mit Zahlen | 1 Kommentar

WAZ kauft alte Tanten

VerkauftNachdem sich die WAZ-Gruppe in den vergangenen Jahren sehr auf ihr Tageszeitungsgeschäft konzentriert hat, liegt der Fokus nun wieder auf dem Segment Zeitschriften. Dafür holte man sich eigens den bei Bauer geschassten Manfred Braun. Und der präsentierte gestern nun seinen ersten Clou.

Gruner + Jahr hat es also tatsächlich geschafft, die abgetakelte Frau im Spiegel der Verlagstochter Ehrlich & Sohn loszuwerden. Viel Freude hatten die Hamburger mit dem 1945 gegründeten Blatt schon länger nicht mehr. Verkaufte man vor zehn Jahren noch mehr als 700.000 Hefte von jeder Ausgabe, gingen zuletzt durchschnittlich nur noch rund 310.000 Exemplare über die Ladentische.

Mit verschiedenen Ideen versuchten Redaktion und Management, den Abwärtstrend zu stoppen. Überzeugend war keine. Und so gab es bereits im vergangenen August Meldungen, nach denen Frau im Spiegel für 20 Millionen Euro zum Verkauf stehe. Neben dem Klambt-Verlag war auch von der WAZ die Rede. Die ist es nun also geworden.

Brauns Leute gliedern das Magazin zwischen Goldenem Blatt und Echo der Frau in den Westdeutschen Zeitschriftenverlag in Düsseldorf ein. Die Redaktion allerdings wird von München aus arbeiten. Die 39 journalistischen Mitarbeiter von Frau im Spiegel dürfen zum bisherigen Gehalt auch mit nach München gehen. Wer das Angebot annimmt, erhält auch eine Beschäftigungsgarantie für drei Jahre.

Gleichwohl beklagen die Gewerkschaftsvertreter von Ver.di einen weiteren Stellenabbau bei G+J. Funktionär Holger Artus wird im Branchenblatt werben & verkaufen so zitiert:

Dass sich G+J von diesem Titel trennt, kommt mir gewissermaßen wie Nokia in Bochum vor: Trotz Erfolg ab nach Rumänien.

Wahrscheinlich meint er das witzig.

Davon, dass sich “Erfolg” nach dem Verkauf aber wieder einstellen kann, ist G+J-Zeitschriftenvorstand Bernd Buchholz naturgemäß überzeugt. Er lässt sich wie folgt zitieren:

Um Frau im Spiegel erfolgreich weiter zu führen, ist eine Einbindung in ein Magazinportfolio nötig, in dem mehrere Titel koordiniert im Marktsegment agieren können. Diese Einbettung ist für Frau im Spiegel bei Gruner + Jahr in der notwendigen Form nicht gegeben. Daher ist ein Verkauf an den WZV mit seinem Frauenzeitschriften-Portfolio die beste Lösung für die künftige Entwicklung von Frau im Spiegel.

Na dann. Muss nur noch das Kartellamt zustimmen.

admin | Donnerstag, 20. März 2008 | 08:53
Frisch vom Boulevard | 4 Kommentare

Der unautorisierte Gag

Eigentlich war’s wirklich witzig. Heute-Journal-Moderator Claus Kleber, der sich letztlich doch nicht für die offene Stelle beim SPIEGEL begeistern ließ, warb dieser Tage mit dem Slogan

Dieses Angebot vom SPIEGEL nehme ich gerne an

für das Online-Portal SPIEGEL Wissen. Der Verlag hatte nicht nur ein prominentes Testimonial, der Branche wurde zugleich die sympathische Selbstironie aller Beteiligten demonstriert.

Dumm nur, dass das Zitat nie autorisiert wurde. Kleber hatte dem Verlag zwar signalisiert, die Idee witzig zu finden, dann aber an seinen Chefredakteur Nikolaus Brender verwiesen. Er müsse dem Werbe-Einsatz schließlich zustimmen.

So lange warteten sie Heißsporne der Brandstwiete dann aber nicht. Als Brenders “Nein” zur Kampagne kam, war Die Zeit bereits im Druck. Inklusive der Anzeige:

Klebers unautorisierte SPIEGEL-Wissen-Werbung

Die SPIEGEL-Leute wollen es nach einem “Mea Culpa” nun mit einer Spende an die Rory Peck Foundation, eine Hilfsorganisation für Journalisten und Kameraleute in Krisengebieten, wieder gut machen.

Nachtrag: Ronnie Grob von der medienlese findet’s gar nicht mal so witzig.

admin | Mittwoch, 19. März 2008 | 23:51
Insider-Humor | 1 Kommentar

VIP Click – ein längst totes “People-Magazin”

Einerseits: Sie haben lange durchgehalten. Fast ein Jahr. Das ist nicht so wenig. Andere geben früher auf. Und 50.000 Verkaufte von einem Magazin, das mangels Marketing niemand kennt, ist ja so schlecht auch nicht. Ändert alles nichts an der Tatsache, dass VIP Click offenbar schon seit November nicht mehr erscheint. Wie Kontakter berichtet, wie werben&verkaufen berichtet. Die fehlende Beachtung dieses Magazin-Todes mag allerdings auch Zeugnis ablegen von der Marktbedeutung des Titels.

Andererseits: Ich hatte es ja eh vorhergesehen. (Was jetzt auch nicht sooo schwierig war.)

Lustigerseits: Chefredakteur Andreas Ahlers hat nach eigener Einschätzung im Kontakter eigentlich alles richtig gemacht. Hmmm.

admin | Dienstag, 12. Februar 2008 | 21:06
Todesanzeigen | 3 Kommentare

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