Texte vom November 2007
Sie haben es geschafft
Glaubte man ja gar nicht mehr: Seit Jahren wurde spekuliert, wann Gruner & Jahr das Wirtschaftsmagazin Capital endlich wieder monatlich erscheinen lässt. 2000 wurde wegen des Anzeigenbooms von monatlicher auf 14-tägige Erscheinungsweise umgestellt. Doch der Boom währte nicht lang, insbesondere Wirtschaftsmagazine unterlagen viele Jahre einer richtigen Anzeigenflaute.
Zuletzt kochten die Spekulationen noch einmal hoch, als das Magazin, dass von Klaus Schweinsberg redaktionell geführt wird, gerelauncht wurde. Jetzt, ein bisschen mehr als ein Jahr später, haben sich die Verlagsoberen endlich durchgerungen:
Laut Kress (Kein Link, weil kein Permalink möglich) kommt Capital ab 2008 wieder monatlich.
Auf eins
Martin Fuchs, Betreiber des Weblogs Brotbeutel, hat sich das neue Volksmusik-Magazin Auf eins angesehen. Und aufgeschrieben, wie er es findet:
Gestern schrie mich ein Plakat an: “In Deutschland ist Musik”, und warb für eine neue Musikzeitschrift, die sich dem Genre Volksmusik – gemeint sind Schlager, Musical und volkstümliche Musik – widmet. An sich keine schlechte Idee, stecken hinter dieser Musik doch auch interessante Menschen und Geschäftsmethoden, wie zum Beispiel Hans R. Beierlein, Manager von Udo Jürgens und der “Pate der Volksmusik” – auch wenn diese Musik jetzt glücklicherweise wieder weniger Platz im Fernsehen hat. Und Menschen wie Roy Black (Herztod nach Alkoholismus) und Rex Gildo (Tödlicher Fenstersturz in geistiger Verwirrung) sind einfach auch jenseits ihrer musikalischen Verbrechen interessante tragische Schicksale.
Doch auch die Lebenden wie Les Humphries (gab sich wegen immenser Steuerschulden vorübergehend als tot aus), Christian Anders (verwirrter Guru, der sich nackt an Zäune kettete, weil sein Bruder wegen politischer Korruption verhaftet wurde) und Stefan Mross (Trompeten-Dilettant) geben gute Stories ab – werden aber wegen musikalischer Scheuklappen leider von den angeblich seriösen Magazinen wie SPEX oder Rolling Stone ignoriert. Also beschloss ich, diesem neuen Magazin mit dem obskuren Titel Auf eins (hat das irgendwas mit dem Titel jenes Heinz-Rudolf Kunze Live-Albums “Deutsche klatschen bei der Arbeit” zu tun?) eine Chance zu geben.
Gut, ich bin vermutlich nicht wirklich die Zielgruppe der Hamburger HEIMAT2050 Verlags GmbH, aber das Interview mit Howard Carpendale zu seiner Rückkehr ins Musikgeschäft ist ganz okay. Howie überzeugt durch ehrliche Antworten, und bei mehr Recherche über seinen musikalischen Werdegang und ein paar kluge Nachfragen hätte man echt was rausholen können, aber das wollte Stephan P. Dressel wahrscheinlich nicht, es hätte vermutlich zu sehr nach seriösem Journalismus und zu wenig nach warmherzigen Goldene Blatt-Wortgeklingel geklungen. Denn der Rest der Zeitschrift ertrinkt im Gute-Laune-Schaum.
Ich meine, dass die Kastelruther Spatzen seit 23 Jahren bei sich zu Hause in Süd-Tirol ein Fantreffen organisieren, zu dem über 40.000 Leute kommen, ist schon bemerkenswert, aber dass dabei kein Wort über die Bandgeschichte, die Erwartungen der Fans und den ehemaligen Sänger Andreas Fulterer fällt, ist schon schwach. Denn optisch hat sich die Redaktion Mühe gegeben, aus dem üblichen Sumpf herauszustechen einschließlich der scheinbar jetzt in Musikzeitschriften obligatorischen Modestrecke. Aber inhaltlich wird die Zielgruppe offenbar immer noch als wenig intellektuelle Masse, die nur positive Geschichten über Liebe, Familie und Heimat lesen will, begriffen.
Okay, das Schwesterngesangstrio “Schwesterherz” und das Brüdermusikertrio “Dorfrocker” an einen Tisch zu setzen, um sich mit ihnen über Familie und so zu unterhalten, ist schon im Ausgangspunkt ein Fehlgriff, weil junge Menschen eben noch nicht so viel Erfahrung und gute Geschichten zu erzählen haben. Zu dem Thema interessanter war letztens das Interview mit Jim Reid von “Jesus and Mary Chain” in SPEX 7-8/2007, wo Reid berichtet, dass Geschwister sich oft gegenseitig in der Hand haben, weil sie jede Wunde und Unsicherheit des anderen kennen. Die familiären Bande könnten eine starke Loyalität erzeugen, aber Kämpfe untereinander seien viel verletzender.
Und der Rolling Stone hat schon im Dezember 2004 viel interessanter und tiefschürfender über James Last geschrieben als Sabine Manecke das jetzt tut (und sollte es vielleicht mal demnächst über Howie tun, der sich möglicherweise nicht zu Unrecht als Deutsche Entsprechung zu Neil Diamond versteht). Was beweißt, dass dies Musik tatsächlich guten Journalismus verträgt und nicht bloß Hofberichterstattung, Kreuzworträtsel, Horoskope, Traumdeutung, Kochrezepte – mit einer peinlichen Fotostrecke mit den totgeschminkten Maria und Margot Hellwig -, Tourneedaten – okay, vielleicht ist die Zielgruppe nicht so internetaffin wie Rock- und Popfans – und Plattenbesprechungen mit maximal 50 Worten.
Aber Nana Mouskouri – immerhin Gegnerin der griechischen Militärdiktatur der 1970er Jahre – hat für ihre Abschiedstournee nicht wirklich nur 60 Zeilen verdient. Und was haben die 6 Seiten über einen Burgenländer Winzer mit Musik zu tun? Und schließlich ist der offene Brief an Peter Alexander einfach nur peinlich. Woher nimmt sich diese junge schnöselige Redaktion das Recht, diesen alten Haudegen der sauberen Familienunterhaltung zur Rückkehr auf die Bühne aufzufordern in die Welt von Tokio Hotel und Aggro Berlin, wo er nur scheitern kann (schließlich funktioniert auch der Humor eines Heinz Ehrhard heute nur noch bedingt, weil das Wissen des Bildungsbürgertums, mit dem er damals spielte, heute stetig verloren geht – was ja auch das Erfolgsgeheimnis eines Günther Jauch ist)?
Dies war die erste Ausgabe, aber das kann noch besser werden. Schließlich war die erste Sendung von Schmidt und Pocher vor 4 Wochen ja auch eine absolute Katastrophe, die Anlass zu der Vermutung gab, Herr Schmidt wolle durch schlechte Sendungen ein vorzeitiges Ende des Vertrags mit der ARD erzwingen, etwas, was ja auch Rockbands gerne mal machen, indem sie mit der Vorlage absichtlich schlechter Demos Plattenfirmen dazu veranlassen, Optionen auf Fortsetzung von Verträgen nicht wahrzunehmen. Inzwischen sind Schmidt und Pocher deutlich besser geworden – auch wenn Pocher mit dem Lachen über Schmidts Witze doch echt nervt – und so gebe ich vermutlich Auf eins noch mal eine Chance – in der nächsten Ausgabe soll ein großes Interview mit Peter Kraus kommen, sowie ein Konzertbericht über “Pur” (beides eigentlich auch potentielle Themen des Rolling Stone) -, denn wie gesagt, auch die Volksmusikszene hat trotz ihres schlechten Ansehens einige interessante Geschichten zu bieten, man muss nur bereit sein, sie auch zu schreiben.
Das Aus für Aust
Der Hammer des Tages, er kommt aus Hamburg: Stefan Aust muss gehen. Sein Vertrag als Chefredakteur des Nachrichtenmagazins Spiegel wurde vorzeitig beendet und endet spätestens am 31. Dezember 2008. Allerdings unwahrscheinlich, dass er bis Ende nächsten Jahres die Geschäfte weiter führen wird.
Das haben die Gesellschafter des Spiegel-Verlages einvernehmlich beschlossen. Die Initiative dazu ging laut einer Pressemitteilung von der Mitarbeiter KG aus. Am Spiegel-Verlag ist die Mitarbeiter-KG mehrheitlich beteiligt. Aust und der Spiegel-Verlag waren laut wuv.de für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.
Blicken wir doch noch einmal zurück: Seit Dezember 1994 ist der 61-Jährige Chefredakteur des Spiegel. Zuvor war er sechs Jahre lang Chefredakteur von Spiegel TV. Er wurde damals gegen viele Widerstände von Herausgeber und Spiegel-Gründer Rudolf Augstein ins Amt berufen. Der starb 2002.
Vor zwei Jahren hatte Stefan Aust dann von dem Verlag folgenden Vertrag erhalten: Nach einer Amtszeit von drei Jahren – Ende 2008 – sollte sich der Vertrag um zwei weitere Jahre verlängern, solange die Gesellschafter nichts anderes beschlössen. Jetzt haben die Gesellschafter offenbar die Option gezogen, den Vertrag von Aust vorzeitig zum Ende nächsten Jahres zu kündigen. Der Geschäftsführer Mario Frank darf nun endlich einen Nachfolger suchen.
Überraschend ist, dass sich nun die Mitarbeiter, also insbesondere die Redaktion für eine Ablösung von Aust eingesetzt haben. Hintergrund: Aust war zwar für viele der Mitarbeiter unbequem, doch der Erfolg des Magazins machte ihn schwer angreifbar.
Laut Informationen von kress.de gab es in der heutigen Redaktionskonferenz bereits Anzeichen für die Personalie. Vize-Chef Joachim Preuß habe dort erzählt, Spiegel-Geschäftsführer Mario Frank habe die Nachfolgersuche bereits in Angriff genommen. In der Pressemitteilung heißt es:
Über eine Nachfolge wird zu gegebener Zeit informiert.
Foto: Spiegel-Verlag
Der Blick in die Zukunft
Live von der Jahrestagung Zeitschriftentage des Verbandes Deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ) in Berlin. Das Thema des zweitägigen Branchentreffs heißt “Die Zukunft von Print in der digitalen Welt″
“Lessons from the Future” ist das Thema von Wolfgang Grulke, Autor und Zukunftsforscher.
Märkte drehen sich nicht mehr um Platformen, Kanäle, Distributionswege. Vielmehr geht es um Produkte, um Inhalte. Wer sich auf die Kanäle ihres Transports konzentrieren will, macht einen Fehler.
Die Zugangshürden werden immer niedriger. Daher wird es immer weniger große Unternehmen geben, die einen Markt beherrschen. Vielmehr werden die Märkte von vielen kleinen Firmen bestimmt. Gleichsam werden die Konsumenten im Netz auch zu Produzenten. Wer hier noch erfolgreich Wirtschaften will, muss lernen und umdenken.
Vier Lehren der Vergangenheit fasst er für die Zukunft zusammen:
- Multiple Plattformen machen das Geschäft – Wer erfolgreich sein will, nutzt alle Kanäle in alle Märkte und er lässt seine Kunden mitreden. Denn heute zeichnet sich ab, dass Nutzer anderen Nutzern mehr trauen als großen Marken.
- Unordnung ist die neue Ordnung – Zukunft lässt sich immer weniger planen. Also ist Planung nutzlos. Kurzfristige Reaktion ist gefragt. Ebenso wie die stete Bereitschaft zur Innovation und das Sicheinlassen auf neue Technologien.
- Nutzergenerierter Inhalt ist ein berechenbarer Tsunami – Nutzer sind zu schätzen, was sie tun, ist zu lieben. Nur mit dieser Attitüde lässt sich noch erfolgreich wirtschaften.
- Make Money from Free to Fee – Infrastruktur und Produkte sind für Nutzer kein Geld mehr wert. Kunden zahlen für exklusive Nutzen. Die gilt es zu entwickeln und vermarkten.
Was sieht die Zukunft der Print-Medien aus? – Das hält Grulke für die vollkommen falsche Frage. Die richtige Fragestellung dreht sich um Inhalte, Medien und Kunden. Und Kunden. Und Kunden. Wer sie erreichen will, muss sich strecken, sich anstrengen. Egal, ob auf Papier oder im Netz.
Dabei hat sich eines ganz entscheidend verändert – das klassische Beziehungsgeflecht von wenigen Sendern und vielen Empfängern. Kunden-Netzwerke werden dezentral, weil jeder Sender gleichsam Empfänger ist, jeder Empfänger ein potenzieller Sender.
Die Musik-Industrie gibt ein schönes Beispiel ab. Ihre Entwicklung ist Vorbild für viele andere Branchen, die die Veränderung noch vor sich haben. Der Musikmarkt wächst weltweit. Die Platten-Industrie nicht. Sie hatte nicht die richtigen Antworten auf die Herausforderungen der Digitalisierung. Das war ihr Urteil. Sie hat den Anschluss an den Markt verloren.
Produkte, Qualität und Menschen – das waren die Inhalte des Geschäftes in den Neunzigern. Schon heute gehr es um Services, Inhalte und Beziehungen. Und in Zukunft? Redet niemand mehr über Fernsehen oder Zeitschriften.
Kluge Recherche, dynamische Inhalte, Menschliche Markte, kostenlose Kanäle, neue Business-Modelle – das sind die Schlagworte des Zukunftsforschers in 20 Jahren.
Im Grunde gilt: Nichts bleibt, wie es war, Märkte sind in Bewegung, Nutzer gewinnen macht und für die Distributionskanäle für Information zahlt niemand mehr Geld. Und diese Entwicklung hat gerade erst begonnen. Es gilt der Darwinismus als oberstes Prinzip, nachdem der erfolgreich überlebt, der sich am besten anpasst an die neue Welt.
Die Wahrheit liegt, wie so oft, in der Mitte
Live von der Jahrestagung Zeitschriftentage des Verbandes Deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ) in Berlin. Das Thema des zweitägigen Branchentreffs heißt “Die Zukunft von Print in der digitalen Welt″
Die Elefantenrunde diskutiert nun das Thema. Die Teilnehmer:
- Markus Schönmann, Managing Director Condé Nast Verlag
- Philipp Welte, Vorstandsvorsitzender Bild.T-Online.de
- Dr. Bernd Buchholz, Vorstand Zeitschriften Gruner + Jahr & Co KG
- Giovanni di Lorenzo, Chefredakteur DIE ZEIT
- York von Heimburg, Geschäftsführer IDG Magazine Media
- Kilian Müller, Geschäftsführer publish-industry Verlag
- Moderation: Frank Thomsen, Chefredakteur stern.de
Die eindrucksvollste Erinnerung aus der Elefantenrunde ist die Moderation von Frank Thomsen. Spontan, frech, interessiert. So quittierte er die Abwesenheit von Condé-Nast-Geschäftsführer Bernd Runge mit der Frage “Muss er Vanity Fair retten?” an dessen Vertreter. Und machte auch vor der Provokation seines neben ihm sitzenden Vorstandes nicht Halt.
Ansonsten hielten sich Konflikte und Erkenntniswert in Grenzen. Beide Medien haben Vor- und Nachteile, die man gut miteinander verbinden muss. Ebenso wie die Medienkonvergenz, also die Vermischung der verschiedenen Darstellungsformen, viele Chancen biete. Entscheidend sei die Glaubwürdigkeit der Medienmarken.
Unterhaltsam war da schon der Schaukampf zwischen Bernd Buchholz und York von Heimburg, die sich gegenseitig anfrotzelten. Der eine sei zu apokalyptisch (Buchholz über Heimburg), was Print betrifft, der andere viel zu altbacken und zu inkonsequent bei der Eroberung von Online. Selten wurde Giovanni di Lorenzo so an die Wand gespielt, der sich im Übrigen hier von seiner Rolle als Online-Verächter zu distanzieren versucht.
Die Zukunft von Print in der digitalen Welt
Live von der Jahrestagung Zeitschriftentage des Verbandes Deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ) in Berlin. Das Thema des zweitägigen Branchentreffs heißt “Die Zukunft von Print in der digitalen Welt″
Sehr ausführlich und mit vielen Marktforschungserkenntnissen unterlegt, referiert Renate Köcher, Geschäftsführerin vom Institut für Demoskopie Allensbach, über die Nutzung von Print und Online. Dabei stellt sie fest, dass es nur eine marginale Kannibalisierung gibt. Vielmehr haben beide Gattungen sehr unterschiedliche Funktionen. Diesen Umstand, so ihr kleiner Nackenschlag, finde sie in den vermeintlichen Strategien der Verlage kaum berücksichtigt.
Entscheidend sei aber, dass es keine allgemeingültige Aussage geben könne, da die Mediennutzungs-Gewohnheiten der zielgruppenspezifisch seien. So gebe es Print-Titel, die relativ unbeeindruckt neben dem Internet existieren. Andere hingegen verlieren tatsächlich Leser an das digitale Medium.
Wo Verlage sowohl in Print als auch online relativ erfolgreich seien, gebe es eine sehr interessante Beobachtung: Die Nutzer beider Medien sind nicht die selben. Sie sind aber ziemlich deckungsgleich, was Einkommen, Interessen und andere Merkmale betreffe.
Köcher endet mit einem Apell, die Herausforderung Online anzunehmen. Denn das erfolgreiche Bestehen von Print in der Medienwelt sei ein enscheidender Faktor für den Bildungsstand und die Urteilsfähigkeit der Gesellschaft.
Es folgt die Elefantenrunde mit der Diskussion zum Thema.
Schächter und das Netz
Live von der Jahrestagung Zeitschriftentage des Verbandes Deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ) in Berlin. Das Thema des zweitägigen Branchentreffs heißt “Die Zukunft von Print in der digitalen Welt″
Der Drang des öffentlich-rechtlichen Rundfunks ins Internet, das die Print-Branche als ihr klasisches Zuhause betrachtet, ist eines der heutigen Kernthemen. Hubert Burda hat das Missfallen der Branche sehr deutlich ausgedrückt.
Nun übernimmt ZDF-Intendant Markus Schächter das Mikrofon und reagiert. Langatmig, redundant, eindimensional. Mit acht mehr als ausführlich vorgetragenen Thesen langweilt er das Publikum, dass sich in kleinen Grüppchen schon jetzt zunehmend vor dem Saal zum Kaffee-Smalltalk trifft.
Niemand, der ein breites Publikum erreichen wolle, könne auf Angebote im Internet verzichten. Neue Mediennutzungsgewohnheiten und die zunehmende Konvergenz der Medienformen stehen dem entgegen. Den Öfis bleibe also gar keine andere Wahl, als ins Netz zu gehen.
Darin sieht Schächter sich auch durch das Bundesverfassungsgericht bestätigt. Dies habe bestätigt, dass sich der Begriff des öffentlich-rechtlichen Rundfunks nicht auf einen medialen Distributionsweg beschränke, sondern einen Funktionsauftrag darstelle.
Außerdem verzichte das ZDF ja auf Werbevermarktung und eCommerce, also alles halb so wild. Und schließlich brauche die komplexe Nachrichtenwelt ja kompetente Nachrichtenvermittler wie ARD und ZDF. Hmmm.
Wenn Schächter die Verleger davon überzeugen wollte, dass alles in bester Ordnung ist, hat er wohl versagt. Überzeugt wirkt niemand. Eher gelangweilt.
Die Begrüßung
Live von der Jahrestagung Zeitschriftentage des Verbandes Deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ) in Berlin. Das Thema des zweitägigen Branchentreffs heißt “Die Zukunft von Print in der digitalen Welt″
“Wir haben Mut, wir haben Geld, wir haben Strategie.” Nein, mit kleinen Worten wird der Kongress heute nicht eröffnet. VDZ-Geschäftsführer Wolfgang Fürstner griff gleich mal die Worte von Tagesmoderator Klaus Schweinsberg, im Hauptberuf Capital-Chefredakteur, auf.
Ein besonderes Willkommen erfährt ZDF-Intendant Markus Schächter, der nachher über Online Kooperationen sprechen wird. Da gab es in den letzten Wochen ja ganz besondere Avancen der öffentlich-rechtlichen Sender.
Und natürlich bleibt auch Angela Merkels morgiges Erscheinen nicht unerwähnt, zeige es doch “den guten Draht des VDZ in die Politik”. Und schwups übernimmt Hubert Burda das Mikrofon.
Der ehrt mit salbungsvollen Worten zunächst Karl-Dietrich Seikel. Der ehemalige Spiegel-Manager und Vorsitzende des Fachverbandes Publikumszeitschriften im VDZ habe der Branche durch sein wirken wie kaum ein anderer positiv geprägt.
Nun geht’s ums Grundsätzliche. Und irgendetwas habe ich verpasst. Denn seit 1994, so Burda, habe die Branche die Herausforderungen der digitalen Zukunft erkannt und aktiv angepackt. Hmmm. Nunja. Das muss dann wohl sehr im Verborgenen gelaufen sein. Ich beobachte eigentlich seit Jahren nur Aktionismus, der sich mit Panik und demonstrativer Gelassenheit abwechselt. Wenige Beispiele stehen dem entgegen.
Ansonsten huberts da ein bisschen durcheinander von der Bühne. Und trotzdem gehört Burda zu den wenigen, die sich tatsächlich ernsthaft mit der digitalen Zukunft auseinandersetzt. Der alte Mann weiß sicher mehr über das, was da im Netz passiert, als der Durchschnitt der Verlagsmanager, der da vor ihm sitzt und 20 Jahre jünger ist.
Heute live

In Berlin finden erneut die Zeitschriftentage des Verbandes Deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ) statt. Zwei Tage lang treffen sich führende und andere Köpfe der deutschen Print-Industrie und reden über “Die Zukunft von Print in der digitalen Welt”. Eines meiner Leib- und Magenthemen also. Ich werde heute live aus dem Branchentreff berichten.
Bahnstreik und die Wettersituation an süddeutschen Flughäfen lassen die Veranstaltung verspätet beginnen.
Spiesser-Stawowy geht
Es warten neue Herausforderungen, heißt es. Deshalb geht Peter Stawowy zum Ende des Jahres weg vom Jugendmagazin “Spiesser”. Wohin weiß man nicht, wer folgt ebenfalls nicht. Klingt alles ein bisschen überstürzt. Oder?
