Texte vom August 2007
Mag G+J die Frau im Spiegel nicht mehr?
Man konnte es verstehen. Es ist ja nicht so, dass die Verantwortlichen von Gruner+Jahr es nicht versucht hätten. Erst haben sie versucht, den Inhalten der Frau im Spiegel mit Look neue Leserinnen zuzuführen. Erfolglos, wie man weiß. Zuletzt musste sogar der Prinz von Anhalt als Society-Experte ran.
Wenn nun das Fachblatt werben & verkaufen Recht hat, nutzte das alles nichts. Demnach steht Frau im Spiegel zum Verkauf. Der WAZ-Gruppe sowie dem Klambt-Verlag sei das Magazin angeboten worden. Der Grund für das Scheitern der bisherigen Verkaufsverhandlungen liege im angestrebten Preis von 20 Millionen Euro.
Eine Menge Holz für einen Titel mit zu wenig Leserinnen, die im Schnitt auch noch immer älter werden. G+J bemüht sich nicht mal um ein Dementi. Dort äußert man sich einfach nicht zu den Gerüchten.
Stars on TV

Früher als ich noch “Verbotene Liebe” und “Marienhof” geschaut habe und zwischendurch mal eine Folge nicht sehen konnte, habe ich im Videotext nachgelesen, was passiert ist. Als ich wenig später eine “GZSZ”-Phase hatte, habe ich im Videotext nachgelesen, was in der Woche so passieren wird. Manchmal stand das auch in einer der Fernsehzeitschriften, die mir in die Hände gerieten. Und als ich dann eine Weile immer wieder bei “Verliebt in Berlin” reingeschaut habe, hielt ich mich durch die Vorschau auf der Webseite auf dem Laufenden. Leider gucke ich seit einigen Monaten keine Soaps mehr, nein, ich verfolge nicht einmal mehr das Geschehen per Videotext, Internet oder TV-Zeitschrift. Würde ich das noch tun, ich könnte zu “Stars on TV” greifen.
Denn: Für 2,50 Euro bekomme ich das monatliche Geschehen von allen Soaps in einem Heft dargereicht. Ob Klassiker wie “Verbotene Liebe” oder Telenovelas wie “Rote Rosen” – alles mit dabei. Das ist für Fans geradezu genial und auch für solche, die irgendwie noch dranbleiben wollen, weil sie sich noch nicht ganz mit ihrem soap-freien Leben abfinden wollen, nicht unbedingt unnütz. Ein weiteres Lob muss an die Macher gehen: Denn auch das, was man in Programmzeitschriften immer gerne als Mantel bezeichnet, ist durchaus lesenswert. Zumindest für uns klatsch- und tratschsüchtigen Frauen. Wir sehen ein paar Soap- und Musikstars am Strand, ein paar private Bilder von Heidi Klum und Co., aber auch Geschichten um das TV-Business. Durchaus lesenswert ist sogar die Titelgeschichte über die Quoten-Queens im deutschen Fernsehen. Klar, hätten die Textchen mit ein bisschen mehr kritischer Distanz geschrieben werden können (der Text über Alexandra Neldel wirkt durch die ganze Berichterstattung um Roger Schawinskis “Enthüllungsbuch” sehr skurril), aber für das Soap-Publikum wäre das vermutlich auch vergebene Liebesmüh.
Noch ein Pluspunkt: Auch die viel gesehenen amerikanischen Serien kommen in dem Heft, das die Verlagsgruppe Klambt herausgibt, vor. Dann noch ein bisschen Kino-, DVD- und Musikkram – fertig ist das Heft.
Mir würd’s gefallen. Wenn ich noch Soaps gucken würde.
Viel zu spät ist gut vergeigt
Ich lebe in einem Haushalt, der über ein Abo des Mediummagazins verfügt. Und ich arbeite in einer Redaktion, in der vergangene Woche Donnerstag drei große Stapel dieser Zeitschrift herumlagen – wer wollte, konnte sich eins mitnehmen. Das Jahresabo kostet 44 Euro plus 5 Euro Versand. Trotzdem landete das abonnierte Exemplar heute erst im Briefkasten. Nicht unbedingt ein Argument dafür, dieses Magazin zu abonnieren.
Bundesliga-Sonderhefte
Wären Fußballfans nicht derart treue Seelen und ihren Ritualen verhaftet, Kicker und Sport-Bild hätten es mit ihren Sonderheften nicht leicht. In schöner Regelmäßigkeit wird in jeder Sommerpause ein mit wenigen Änderungen zum Vorjahr deckungsgleiches Heft präsentiert. Das mag uninspiriert wirken, entspricht aber dem, was sich der ebenfalls nicht besonders kreative deutsche Fußballfan wünscht. Ausnahmen bilden da höchstens ein paar Hardcore-Fußballromantiker, aber für die gibt es ja 11 Freunde – jetzt auch mit einem Sonderheft.

Kicker oder Sport-Bild? Ich schätze, alle über 30-jährigen kaufen den Kicker, weil er eben schon immer da war und weil das hauseigene Kicker-Sonderheft-Archiv (hat jeder gute Fußballfan) nun einmal gepflegt gehört. Ohnehin bin ich der festen Überzeugung, dass der Kicker den Begriff „Sonderheft“ überhaupt erst erfunden hat. Hier gibt es die obligatorischen Teamfotos (diesmal ohne eingeklinkte Bilder, da mangels WM oder EM alle Profis rechtzeitig zum Fototermin aus dem Urlaub zurück waren), natürlich die Stecktabelle (bei der man nur einmal vor der Saison seine Wunschtabelle zusammensteckt – den eigenen Verein ganz oben, Bayern, sofern es nicht der eigene Verein ist, nach ganz unten). Zahlreiche Statistiken, Expertenmeinungen, Gewinnspiele und ein bisschen Blabla darüber, „dass es am Ende nur um die Kohle geht“ (Karl-Heinz Rummenigge) fehlen natürlich auch nicht. Eigentlich ist man mit dem Heft in 30 Minuten durch und damit auf dem neuesten Stand. Wer hat jetzt welchen Sponsor, welchen Ausrüster, wie heißt inzwischen das Stadion und wie sehen eigentlich die Abschlusstabellen der anderen europäischen Ligen aus? Ich erfahre, wie immer, dass mein Verein vielleicht schlecht, vielleicht aber auch ganz gut eingekauft hat, dass, wenn alle fit bleiben, was gehen kann, dass, wenn es schlecht läuft, es auch schlecht laufen kann. Oder so. Irgendwas in der Richtung steht da zu jedem Verein (außer bei den Bayern. Da steht, wie jedes Jahr, sie seien das „Maß der Dinge“ – wie originell). Ach, ich liebe den Kicker und kaufe ihn seit der Saison 78/79 jedes Jahr. Er gehört einfach zum Sommer. Vielmehr ist er der Sommer, auch wenn dieser wieder nur 30 Minuten dauert.
Anders das Sport-Bild-Sonderheft. Hier erfahre ich, wie immer, dass mein Verein vielleicht schlecht, vielleicht aber auch ganz gut eingekauft hat, dass, wenn alle fit bleiben, was gehen kann, dass, wenn es schlecht läuft, es auch schlecht laufen kann. Dazu gibt’s ne DVD und ein Spielplan-Poster zum selbst eintragen (was man maximal den ersten Spieltag durchhält). Die Sport-Bild bietet überraschenderweise keine Teamfotos (wie soll ich denn so auf den neuesten Stand kommen, optisch? Die erste Sportschau wird so zum Ratespiel, wer da gerade gegen wen spielt). Dafür gibt’s Statistiken en masse (die Pornobilder eines echten Fans). Wenn ich mir alle dort aufgeführten Daten einverleibe, können Netzer, Delling und Kloppo einpacken. Kerner und Beckmann sowieso. Für die Sport Bild braucht man eigentlich auch nicht mehr als 30 Minuten (außer man paukt Statistiken), nur ist man danach trotzdem irgendwie nicht up to date. Man wirbt im Übrigen mit dem Claim „Es geht wieder rund“. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt (Tusch Triola Hayes, 3 Euro ins Phrasenschwein).
Apropos Rund. Die Konkurrenz des leider noch immer brach liegenden Fußballkultur-Magazins, 11 Freunde, hat ein bisschen geschummelt und die reguläre Ausgabe 69 einfach zur Sonderausgabe erklärt. Meisterschale auf den Titel, kleiner Saisonplaner mit bei. Fertig. Gut, einer so kleinen Redaktion sei das verziehen und auch die Abokunden scheint es, schaut man sich in einschlägigen Bundesliga-Foren um, zu freuen. Und es ist ja auch wirklich gut gemacht, dieses „Sonderheft“. Wenngleich, ja wenngleich da nicht diese vielen kleinen handwerklichen Fehler wären. In einem Bericht spricht man davon, jedes Bundesliga-Spiel wird durchschnittlich von 39.957 Anhängern besucht. Im nächsten Artikel sind es nur noch rund 38.500. Und den Bericht über die Strippenzieher der Liga haben wir in Rund schon besser recherchiert gelesen. Weltklasse hingegen das Interview mit Ex-Profi Torsten Legat, der einst auf die Frage, wie er zum Bodybuilding kam, antwortete: „Immer die Castroper Straße rauf“. Heute antwortet er auf Fragen seines Durchsetzungsvermögens innerhalb eines Teams mit „du musst Blut fressen, du musst Scheiße fressen.“ Lecker. Manchmal entdeckt man aber auch Merkwürdiges. Beim HSV steht unter dem größten musikalischen Verbrechen im Namen des Vereins die Liedpassage: „… mach kein Scheiß, los vorwärts – noch ein Tor!” Tatsächlich heißt es aber: „… Happel schreit, los vorwärts – noch ein Tor”. Hat da etwa Chefredakteur Philipp Köster nicht richtig hingehört? In einem Bericht von ihm hab ich mal gelesen, er habe bei Falcos Kommissar immer fleißig „… dadideldum, der Kommissar geht um“ mitgesungen. Na dann. Das Heft wird ohnehin immer dann ein wenig peinlich, wenn man versucht besonders witzig zu sein. Schlechte Profifußballer-Frisuren haben wir auf www.fiese-scheitel.de schon bessere gesehen. Trotzdem hat es die Redaktion geschafft, zu jedem Verein gute Berichte und nette Anekdoten zusammenzutragen. Mit dem beiliegenden Saisonplaner hat man außerdem das wertigste Giveaway geschaffen. Auch wenn so einen Saisonplaner niemand braucht (nach Spieltag 1 weiß man sowieso nicht mehr, wo das Ding abgeblieben ist), das kleine Heft bietet noch mal viel Schmöker-Material. Der Beitrag der Wolfsburg-Anhängerin hat in mir doch glatt etwas Mitleid aufkommen lassen. Vielleicht, ja ganz vielleicht werde ich dem VFL diesmal nicht den Abstieg wünschen.
Fest steht, im nächsten Jahr kaufe ich mir wieder das Kicker-Sonderheft – muss ja. Und 11 Freunde? Warum nicht. Es sei denn, Rund macht ein Sonderheft – oder überhaupt mal wieder ein Heft.
Vanity Fair wird verramscht
Gestern, übrigens, da habe ich das Ende gesehen. Das Ende von Vanity Fair. Es blickte mir in Form von Scarlett Johannson ins Gesicht. Die ziert nämlich das aktuelle Heft (wir erinnern uns: “Sommerausgabe”, erscheint deshalb nur zweiwöchentlich). Dass allerdings diese so genannte “Sommerausgabe” auch nur einen (als Zahl: 1) Euro kosten würde, damit hatte ich wirklich nicht gerechnet. Scheint mir alles auf einen letzten Hilfeschrei hinauszulaufen.
