Texte vom April 2007

Steingart geht nach Washington

Und dann ist da noch diese kleine Meldung, die oberflächlich gesehen gar nicht mal so spannend ist, schließlich wechselt “nur” ein Berliner Redaktionsleiter seinen Posten in Berlin ein gegen einen Korrespondenten-Job in den USA. Fügt man den Namen “Gabor Steingart” und das Nachrichtenmagazin SPIEGEL hinzu, steckt ein bisschen mehr dahinter. Denn: Da war doch was.

Genau. Steingart ist derjenige, dem immer mal wieder Ambitionen auf die Nachfolge von Stefan Aust nachgesagt wurden. Und auch derjenige, der sich im Dezember als Kandidat für die Geschäftsführung der Mitarbeiter KG bewarb. Die Mitarbeiter KG, die – wie der Name schon sagt – den Mitarbeitern des Verlages gehört, hat bei wichtigen Entscheidungen des Verlages ein gehöriges Wort mit zu reden. Leider war Steingart aber nicht wirklich erfolgreich: Armin Mahler und Kulturredakteurin Marianne Wellershoff zogen in das Gremium ein.

Tja, und nun setzt sich Steingart also in die USA ab, er geht nach Washington, meldet Kress (nicht frei online), meldet die Netzeitung. Er will dort zunächst nur Teilzeit für den SPIEGEL arbeiten, um sich eigenen Projekten zu widmen und ab 2009 den Korrespondenten Georg Mascolo ersetzen.

Hat er den Kampf um das Erbe von Stefan Aust aufgegeben? Oder will er sich stattdessen aus der Ferne als Nachfolger empfehlen. Wir werden sehen.

| Montag, 30. April 2007 | 21:55
Frisch vom Boulevard | 2 Kommentare

Nun offiziell: Das Aus von RUND

Technische Schwierigkeiten? Von wegen. Die zuletzt verschobene Mai-Ausgabe des Fußball-Magazins RUND aus dem Olympia-Verlag, welche zuletzt auch uns im Zeitschriftenblog beschäftigt hatte, erscheint nicht mehr. Dem Mediendienst kress ist zu entnehmen, dass Verlagsleiter Toni Schnell als Grund für das Aus die schlechte Auflagenentwicklung nennt. Zu Kress sagte Schnell, dass man nur 25.000 Exemplare verkauft habe, 50.000 seien die Zielmarke gewesen.

Allerdings könnte es sein, dass es RUND in Zukunft wieder gibt. Denn die Redaktion will das Heft weiterführen und sucht einen neuen Verlagspartner.

Na, zumindest hat man das Versprechen gehalten, erst wieder Anfang nächster Woche etwas zu sagen. Trotzdem schade, dass im Redaktionsblog des Magazins dazu gar nichts zu lesen ist.

| Montag, 30. April 2007 | 19:10
Frisch vom Boulevard, Todesanzeigen | 4 Kommentare

Die Crux mit den Autoren

Zeitschriften leben in der Regel von Autoren, die extern Material zuliefern. Je spezialisierter ein Magazin ist, desto schwieriger wird es, gute Schreiber zu finden. Das ist heute eine der größten Herausforderungen für Chefredakteure und Redaktionsleiter.

Zumal die Autoren nicht nur gefunden, sondern dann auch geführt werden wollen. Selten sind sie exklusiv für einen Verlag tätig. Gelegentlich bestreiten sie andere Projekte oder gehen einer anders gearteten Festanstellung nach. Das macht die Sache nicht einfacher.

Vollends schwierig wird es, wenn die Autoren Produkte testen. Denn natürlich gibt es schwarze Schafe, die mit ihrer Autorenschaft bei Firmen wedeln und Produkte für lau abzugreifen versuchen. Viele Verlage schieben dem einen Riegel vor, indem es klare Ansagen an alle Beteiligten gibt: Testprodukte werden nur vom Verlag geordert und an die Autoren weitergegeben.

Das hindert natürlich den einen oder anderen trotzdem nicht daran, es zu versuchen. Ich schreibe das aus zwei Gründen auf. Einerseits kenne ich das aus eigenem Erleben. Zum anderen sah sich der Verlag vom BIKERs JOURNAL jüngst gezwungen in einer offiziellen Mitteilung auf Distanz zu einem Ex-Autor zu gehen.

Ich habe offen gestanden keine Ahnung, welchen Umfang der E-Mail-Verteiler hatte. Dass ich ohne jede Beziehung zu dem Heft drin stand, lässt mich – neben der Ansprache – allerdings vermuten, dass er nicht klein war:

Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen,

mit dieser Rundmail möchten wir Sie darüber in Kenntnis setzen, dass sich BIKERs JOURNAL von der Zusammenarbeit mit dem Buch-Autor Can A. (www. .de) klar distanziert.

In der Vergangenheit kam es offenbar vor, dass sich Herr A. als Mitarbeiter / Testredakteur von BIKERs JOURNAL ausgab. Dies entspricht bereits seit einem halben Jahr nicht mehr den Tatsachen.

Sollten Sie von Herrn A. bzgl. Test-Material zwecks versprochener Veröffentlichung im BIKERs JOURNAL angesprochen worden sein, würden wir uns über eine kurze Info freuen.

Den Namen habe ich mal gekürzt und die Domain des Betroffenen nicht übernommen.

admin | Donnerstag, 26. April 2007 | 19:00
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Beim Beißen gucken

Delius Klasing, nach eigener Darstellung Europas größter Wassersport-Verlag (Surf, Boote, Yacht und andere) goes Web 2.0. Unter bissclips.de kann man seit einigen Tagen sehen, wie Menschen Fische aus dem Wasser ziehen.

Das “erste Angel-Video-Magazin im Internet” ist eine Kooperation zwischen dem Verlag und dem Journalisten Holger Höner. Neben eigenproduzierten Kurz-Filmreportagen lebt die Plattform von Nutzern, die ihre Fänge filme und dann you-tube-mäßig hochladen.

admin | Donnerstag, 26. April 2007 | 18:13
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RUND und zugeknöpft

Eins habe ich als nicht Fußballbegeisterter schonmal gelernt – RUND ist geil. Ich bin umgeben von Fans des Magazins. Die gucke ich seit Tagen allerdings sehr traurig an, wenn sie davon berichten.

Denn die Informationspolitik des Verlages rund um die zur Zeit nicht erscheinende Mai-Ausgabe ist ziemlich schlimm. Ja, die Abonnenten haben inzwischen ein Sonderheft aus der im selben Verlag erscheinenden kicker-Edition erhalten. Aber ob und wann RUND nochmal kommt, sagt im Augenblick niemand. Dabei habe ich es wirklich versucht.

1. Versuch

Mail an den Leserservice letzte Woche. Die Auskunft ist nicht so aussagefähig:

Leider kann ich Ihnen keine nähre Auskunft geben, da wir keine neuen Informationen vorliegen haben.

Anfang dieser Woche sollte es Neues geben. Man wolle sich wieder melden.

2. Versuch

Nachhaken per Mail beim Leserservice am Dienstag. Nach wie vor keine Auskunft:

Bisher ist aus unserer Verlagsleitung noch nichts bis zu uns vorgedrungen.

Ja, Wege in einem Verlag sind zuweilen lang und verschlungen. Im Ergebnis ergibt das eine desaströse Außendarstellung.

3. Versuch

Anruf beim Olympia-Verlag in Nürnberg. Dort erscheint auch der kicker. Beim Stichwort RUND werde ich sofort zur Verlagsleitung durchgestellt. Die Sekretärin sagt nur, dass sie zu dem Thema nichts sagt. Wenn wer was sagt, dann der Chef und der sagt erst ab Anfang nächster Woche wieder was.

4. Versuch

Anruf bei der Redaktion des Magazins in Hamburg. Auch da zugeknöpftes Schweigen. Zu redaktionellen Belangen könne man gern Auskunft geben, nicht aber zu verlegerischen Fragen. Die Mai-Ausgabe wurde jedenfalls produziert und auch die Juni-Ausgabe sei nach wie vor in Arbeit. Immerhin.

.

Mir tut das ein bisschen leid. Das Redaktionsteam ist offensichtlich von Leidenschaft beseelt. Bereits das erste Magazin der Mannschaft kam bei den Fans gut an. Viertel nach 5 war ein Stadtteil-Magazin für St. Pauli, in dem es auch um Fußball ging. Dauerkarten-Besitzer des FC St. Pauli erhielten es kostenfrei.

Genau genommen trug natürlich der Verein die Kosten. Die waren aber nach zwei Klassenabstiegen nicht mehr tragbar. So starb Viertel nach 5. Das Team entwickelte das RUND-Konzept und fand mit den erfahrenen Nürnbergern einen Verlag. 25.000 verkaufte Exemplare sind die letzte publizierte Zahl. Das ist nicht richtig viel (kicker hat allein mehr als 80.000 Abonnenten und verkauft insgesamt mehr als 200.000 Hefte pro Ausgabe), aber auch nicht wenig für einen Nischenmarkt.

Am traurigsten an der gesamten Situation ist allerdings die Kommunikationspolitik.

admin | Mittwoch, 25. April 2007 | 16:57
Frisch vom Boulevard | 3 Kommentare

unRUND

Autsch. Das Fußball-Magazin RUND kündigt derzeit sehr schwammig ein verspätetes Erscheinen der Mai-Ausgabe an. Wörtlich heißt es da aus der Verlagsleitung:

Zu unserem Bedauern müssen wir Ihnen leider mitteilen, dass sich die Ausgabe 5/07 von RUND - Das Fußballmagazin aus technischen Gründen um einige Zeit verschiebt.

Dabei machen mich zwei Dinge stutzig. “Technische Gründe”. Nunja, das mag es geben. Die Druckmaschine streikt, ein Auslieferungs-LKW fährt in einen Graben – alles schon passiert. Aber zum einen höchst selten, zum anderen kommt da die zweite Stutz-Vokabel ins Spiel.

“Um einige Zeit”. Ehrlich – wenn es ein technisches Problem gibt, dann kann man die Verzögerung in der Regel sehr genau beziffern. Oft verschiebt man den Erstverkaufstag dann um eine Woche. Vor allem kann man das “technische Problem” dann aber auch exakt benennen.

Diese extrem schwammige Formulierung klingt eher nach “Wir suchen noch das Geld für die Druckrechnung der Vorausgabe zusammen”. Oder nach internen Problemen bei der Magazin-Produktion. Wobei das natürlich eine reine Spekulation meinerseits ist. Und vielleicht ja sogar gemein.

(Mit Dank an Simon für den sachdienlichen Hinweis.)

admin | Freitag, 20. April 2007 | 11:09
Frisch vom Boulevard | 2 Kommentare

kressblog online

Der kressreport war früher mal witzig, einer der wichtigsten Branchendienste der deutschen Medienwelt und im Internet ganz vorne dran. Inzwischen sind die Macher eher unentspannt, gerne mal mit Abmahnungen dabei und hecheln im Internet dem Wettbewerb hinterher.

Offensichtlich gab es keine Ausrede mehr für die Heidelberger Mannschaft, kein Blog zu führen. Also haben sie jetzt eins – das kressblog.

Im neuen kressblog schreibt die Redaktion des Fachdienstes nicht nur über Medien, sondern über Gott und die Welt, Kinofilme, Reisen, Befindlichkeiten usw. Das kressblog will in erster Linie unterhalten und zum Mitreden auffordern.

heißt es in der heutigen Pressemitteilung, die diese und einige andere Entwicklungen des Internet-Auftritts als Online-Offensive zu verkaufen sucht. Auch wenn Defensive vielleicht das treffendere Wort wäre. Oder “back to the roots”.

Erfreulich ist nämlich, dass nun auch kress, wovon ja bereits seit langem die Rede ist, aktuelle Nachrichten künftig auch wieder ohne Bezahlung zugänglich macht. Mit diesem Service hatte kress.de früher mal die Nase vorn. Für Abonnenten soll es trotzdem Premium-Inhalte geben, die ihnen vorbehalten sind.

admin | Freitag, 20. April 2007 | 11:00
Frisch vom Boulevard | 4 Kommentare

No Woman, more cry

Wir haben alles versucht, WOMAN in Deutschland langfristig zu etablieren. Leider ist es uns nicht gelungen, eine wirtschaftliche Perspektive zu erarbeiten. Wir danken den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in Redaktion und Verlag für ihre außerordentlichen Leistungen und ihr großes Engagement.

WOMANMit diesen herzerwärmenden Worten von Dr. Bernd Buchholz, Vorstand und Deutschland-Chef von Gruner+Jahr, gab der Verlag heute das Aus für das Frauenmagazin bekannt. Mit Heft 10/2007 erscheint am 30. April die letzte deutsche Ausgabe. Hintergrund sei, Überraschung!, die fehlende wirtschaftliche Perspektive.

Vor rund viereinhalb Jahren versetzte G+J mit dem Start von WOMAN den Markt der Frauenzeitschriften in helle Aufregung. Zum Kampfpreis von 1 Euro sollte die Zeitschrift starten. Nur zog der Verlag diese Startphase arg in die Länge und lies immer offen, wann das Heft mal für einen wirtschaftlich sinnvollen Preis verkauft werden sollte. Es begann eine Prima-Preisschlacht im Segment.

Nun bleibt am Baumwall nichts, als noch einmal zu betonen, dass man es trotz

treuer Lesergemeinde, hoher publizistischer Qualität und hoffnungsvoller Startphase

leider nicht geschafft habe. Die Seelen der Job verlierenden Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter werden auch noch einmal von Verlagsgeschäftsführer Dr. Volker Breid öffentlich gestreichelt:

Die Kolleginnen und Kollegen in Redaktion und Verlag haben mit viel Herzblut für WOMAN gekämpft. Wir suchen jetzt nach fairen Lösungen für alle betroffenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Ich bedanke mich bei dem tollen WOMAN-Team für den unermüdlichen Einsatz.

admin | Donnerstag, 19. April 2007 | 18:08
Frisch vom Boulevard, Todesanzeigen | 2 Kommentare

Geld für Springer-Aktionäre

Heute fand in Berlin die Hauptversammlung der Axel Springer AG in Berlin statt. Dabei folgten die Aktionäre dem Vorschlag von Vorstand und Aufsichtsrat. 107.318.050 Euro aus dem 2006er-Bilanzgewinn von 122.946.776 werden an die Teilhaber ausgeschüttet. Das entspricht einer Dividende von 3,50 Euro pro Aktie.

admin | Donnerstag, 19. April 2007 | 15:58
Frisch vom Boulevard | 1 Kommentar

VNU Deutschland wird geschlossen

PC ProfessionellGerade noch wurde das Computer-Magazin PC Professionell einem Relaunch unterzogen. Sogar mit einem begleitenden Blog. Profitieren wird die Mannschaft nicht mehr davon.

Denn nachdem es nicht gelang, das Magazin zu verkaufen, wird eingestellt. Im Mai erscheint mit Ausgabe 6 nach 16 Jahren das letzte Heft. Ebenso wie vom Schwesterblatt Internet Professionell, das es 12 Jahre lang gab. Zum 30. Juni wird der Verlag VNU Business Publications Deutschland geschlossen, 75 Angestellte sind davon betroffen.

Die Private-Equity-Gesellschaft 3i hatte VNU Europa im Februar gekauft. Die VNU-Verlagsgruppe Business Media Europe ist in sieben Ländern aktiv. Das eigentliche Interesse der Investoren galt jedoch ausschließlich den niederländischen Aktivitäten. Alle anderen Landesgesellschaften sollten verkauft oder eben geschlossen werden. Bis Juni hatten sich die neuen Inhaber dafür Zeit gegeben. Nun heißt es, es sei kein Investor zu finden.

Wie in solchen Fällen üblich, verkauft 3i die Abonnenten-Datenbank. Zum Käufer gibt es allerdings noch keine Information. Es wird ein Mitbewerber sein, der seine Datenbestände nun günstig aufstockt.

admin | Mittwoch, 18. April 2007 | 16:09
Frisch vom Boulevard, Todesanzeigen | 4 Kommentare

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