Texte vom Februar 2007

Mehr Verkaufsstellen, weniger Auswahl

Damit die Verlage auch wissen, wo Ihre Zeitungen und Zeitschriften verkauft werden, gibt es die Einzelhandelsstrukturanalyse, kurz EHASTRA. Einmal jährlich werden hier die wichtigsten Daten und Fakten des stationären Presse-Einzelhandels erhoben. Dazu zählen:

In der 39. Kalenderwoche 2006 fand die letzte Erhebung statt, deren Ergebnisse dieser Tage vom Verband Deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ) publiziert wurden. Dabei konstatieren die Experten anhaltende Trends.

Immer mehr Verkaufsstellen

119.767 Verkaufsstellen zählte man beim Bundesverband Presse-Grosso im Rahmen der Erhebung. Das sind schlappe 4.000 mehr als noch zwei Jahre zuvor. Das rasche Wachstum ist im Wesentlichen der Tatsache zu verdanken, dass immer mehr Lebensmittel-Discounter auch Zeitschriften ins Sortiment aufnehmen. 2.193 kamen zwischen 2005 und 2006 hinzu, rund 2.000 davon sind neu erschlossene Penny-Filialen. Damit gibt es in Deutschland inzwischen 6.299 Discounter mit Presse-Produkten. Aber auch Bäckereien sind ein Wachstums-Segment für den Zeitschriftenhandel. 652 kamen hinzu, 26.067 sind es insgesamt.

Immer mehr Verkaufsfläche

Durchschnittlich präsentieren die Geschäfte ihre Zeitschriften auf immer mehr Regalmeter. Von 16,9 Bordmetern je Einzelhändler sprechen die Experten. Das sind immerhin 30 Zentimeter mehr als im Vorjahr.

Immer schmaleres Sortiment

Während also Verkaufsstellen und Verkaufsfläche zunehmen, sinkt jedoch die Sortimentsbreite. 197 Titel hat ein Händler durchschnittlich im Angebot. Ein Jahr zuvor waren es noch 216. Was sie “überlebenden” Verleger freut. Denn natürlich sehen die Kunden im Regal mehr von den darin stehenden Heften. Man spricht dabei vom “Schuppungsgrad”. Der sagt, wieviel von einer Zeitschrift zu sehen ist, bis sie vom nächsten Magazin überlappt wird. Der Schuppungsgrad stieg also von 7,7 auf 8,6 Zentimeter.

Immer mehr wichtige Händler verschwinden

Während also immer mehr Discounter ein immer schmales Presse-Angebot platzieren, stellen die Statistiker gerade bei den Geschäften mit einem Sortiment von mehr als 200 Titeln einen nennenswerten Schwund fest. Der beschleunigt sich sogar. Zwischen 2002 und 2004 sank ihre Zahl um rund 2.200 Einzelhändler. Zwischen 2004 und 2006 schrumpfte diese Sparte bereits um mehr als 4.300 Geschäfte.

Immer weniger Händler machen “viel Umsatz”

Der Anteil der Einzelhändler mit einem Wochenumsatz von unter 250 Euro beträgt noch immer 53 Prozent. Damit stagniert er auf hohem Niveau. Der Anteil der Geschäfte, die mit Zeitungen und Zeitschriften mehr als 1.000 Euro Umsatz pro Woche machen, sank jedoch von 12,6 auf 11,5 Prozent.

Alles in allem keine sonderlich erbauliche Entwicklung. Zwar wird die Gesamtzahl der Verkaufsstellen von Jahr zu Jahr beeindruckender. Aber wenn man es ganz nüchtern betrachtet: Ihre Qualität wird immer schlechter.

Es mag für die Dickschiffe wie SPIEGEL, Stern, Focus, Vanity Fair & Co. relativ wurst sein, wo sie über den Ladentisch gehen. Aber es gibt in Deutschland über 6.000 Zeitschriften. Weit mehr als die Hälfte sind Fachzeitschriften. Viele von Ihnen haben Auflagen die weit unter der Anzahl der Verkaufsstellen liegen. Sie leben von den großen, gut sortierten Einzelhändlern.

Den Discountern sind sie eher lästig. Wenn die Kunden aber das “Basis-Sortiment” von Tageszeitung und General-Interest-Magazin beim Penny bekommen (was aus Kundensicht natürlich praktisch und prima ist), nehmen sie den Gang in den Pressefachhandel gleich viel weniger selbstverständlich und gern auf sich. Für die mittleren und kleinen Verleger, die einen großen Teil des Gesamtsortiments ausmachen, also eine eher bedrohliche Entwicklung. Wenn auch derzeit noch auf hohem Niveau.

admin | Mittwoch, 21. Februar 2007 | 09:58
Spaß mit Zahlen, Telekolleg Zeitschriften | 1 Kommentar

SportBILD zum Runterladen

Wer’s ganz schnell braucht, kann sich bereits heute ab 20 Uhr die morgen erscheinende SportBILD-Ausgabe im Internet kaufen. Für 1,20 Euro bietet Springer sein Sport-Flaggschiff zum Online-Lesen, Herunterladen und/oder Ausdrucken an.

So läuft das jetzt an jedem Dienstag. Jeweils ab 20 Uhr steht die SportBILD-Ausgabe des Folgetages im Internet zum Kauf bereit. Auf diese Weise solle die Verzahnung von Print und online gestärkt werden, sagt Chefredakteur Pit Gottschalk.

Wobei ich da mal die Frage in den Raum stelle, ob der Versuch nicht zu zaghaft ist. Kein Preisvorteil, kaum Zeitvorteil. Ich wüsste nicht, was das große Argument für die Online-Version sein sollte.

admin | Dienstag, 20. Februar 2007 | 17:54
Frisch vom Boulevard | Kommentieren

Opulent, intellektuell, anspruchsvoll

Ich entschuldige mich schonmal für die leichte Vanity Fair-Lastigkeit hier zur Zeit. Aber das fand ich so lustig, das muss ich nochmal aufschreiben. Aus einer heutigen Pressemitteilung des Magazins:

Für den Modestil der deutschen Kanzlerin Angela Merkel findet sie [die amerikanische Sängerin Gwen Stefani] lobende Worte: “Ich finde, dass sie sehr gut aussieht, dass ihr die Hosenanzüge stehen. Sie macht das Beste aus sich und deswegen würde ich an ihr nichts verändern.”

[...]

[Vanity Fair] verbindet als Gesellschaftsmagazin die visuelle Opulenz und die intellektuelle Tiefe einer anspruchsvollen Monatszeitschrift mit dem aktualitätsbezogenen Qualitätsjournalismus eines wöchentlichen Nachrichtenmagazins.

admin | Dienstag, 20. Februar 2007 | 10:59
Frisch vom Boulevard, Insider-Humor | Kommentieren

Falscher Eindruck

Die dritte Ausgabe ist noch nicht auf dem Markt, da sieht Vanity Fair-Chefredakteur Ulf Poschardt womöglich bereits der ersten Klage ins Auge. Im Ausgabe zwei gab es eine durchaus beachtliche Foto-Strecke gerade erst abgewählten österreichischen Finanzministers Karl Heinz Grasser und seiner Frau, Fiona Swarowski.

Karl Heinz Grasser in Vanity FairNun aber berichtet der österreichische Standard, dass die Bilder keineswegs für Vanity Fair gedacht waren. Vielmehr habe es sich um ein Shooting für die italienische Vogue gehandelt, die wie Vanity Fair zum amerikanischen Verlag Condé Nast gehört. Einige Fotos (der nackte Oberkörper im lässigen Sacko) sollten sogar nie veröffentlicht, sondern für private Zwecke angefertigt werden. Der Standard:

Grasser werde die Zeitschrift daher “auf jeden Fall” klagen, kündigte [Grasser-Anwalt] Lepuschitz an: “Der Eindruck, dass Grasser eine gemeinsame Story mit Vanity Fair gemacht hat, ist falsch.” Der frühere Minister habe entsprechende Interview-Anfragen im Gegenteil dezidiert abgelehnt. Die Zitate im Vanity Fair-Artikel “entsprechen nicht den Tatsachen”, betont der Grasser-Sprecher. Das Magazin habe Zitate aus Interviews für andere Medien ohne Quellenangabe verwendet. Keinesfalls könne davon die Rede sein, dass sich der Minister a.D. bewusst mit nacktem Oberkörper für ein Magazin habe ablichten lassen, betont Lepuschitz.

Nach Angaben der Zeitung sehe Ulf Poschardt einer Klage, wenn sie denn käme, “gelassen” entgegen.

Nachtrag: Wie der Standard übrigens in einer weiteren Ausgabe berichtete, hat die Vanity Fair-Veröffentlichung auch weitere Konsequenzen. Autor des Textes rund um die strittigen Bilder war Karl Wendl, Mitglied der Chefredaktion des österreichischen Nachrichtenmagazins News. Am News-Verlag wiederum ist Gruner+Jahr beteiligt, wo man – wie wir wissen – sehr irritiert auf Vanity Fair reagiert. Kurzum: Wendl ist gefeuert. Denn er hatte für seine Nebenbeschäftigung nicht die erforderliche Genehmigung seines Arbeitgebers eingeholt. In Österreich zierte Grasser auch den Titel des neuen Magazins, während in Deutschland Giselle Bündchen sinnlich von Seite eins guckte.

Mit Dank an die Library Mistress für den sachdienlichen Hinweis.
Bildquelle: Vanity Fair

admin | Dienstag, 20. Februar 2007 | 10:26
Frisch vom Boulevard | 2 Kommentare

Oh oh, PCgo und PC Magazin böse

Ich glaube, die Jungs und Mädels vom Phonoverband sind ein bisschen sauer auf die Jungs und Mädels vom WEKA Computerzeitschriften-Verlag. Die haben in ihren Titeln PCgo und PC Magazin nämlich recht detailliert über illegale Download-Möglichkeiten für Musik und anderes berichtet. So detailliert, dass man die Artikel auch durchaus als Anleitung gebrauchen konnte.

Das fanden einige Plattenfirmen gar nicht lustig und beschwerten sich beim Deutschen Presserat. Dem zahnlosen Tiger der Medienwirtschaft, der eigentlich über den selbst gebastelten Pressekodex wachen soll, dabei aber sehr merkwürdige Maßstäbe ansetzt. Denn in Wahrheit steht das Gremium stark unter dem Druck der Großverlage. Aber das wäre eigentlich mal ein ganz eigenes Thema.

Zurück zu PCgo und PC Magazin. Es gab also Beschwerden beim Presserat. Und der hat eine öffentliche Rüge ausgesprochen. Das ist die härteste Sanktion, die der freiwilligen Selbstkontrolle der Printmedien zur Verfügung steht. Die Verlage sind dem Kodex entsprechend verpflichtet, eine solche Rüge abzudrucken.

Nun haben die Redaktionen von Weka das bislang nicht getan. Was allerdings auch alles andere als ungewöhnlich ist. Die Bild-Zeitung lässt sich gern auch mal zwei Jahre Zeit, ohne dass man das beim Presserat beanstandenswürdig findet. Nach dieser Rechnung hätte das Weka-Team also noch gute 21 Monate Zeit.

Der Verband der Phonografischen Wirtschaft, Lobby-Verein der deutschen Platten-Industrie, versucht nun jedoch, mit öffentlichem Druck ein bisschen nachzuhelfen. Gestern publizierte Stefan Michalk, Sprecher des Verbandes und bis Ende letzten Jahres in gleicher Funktion beim Verband Deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ) tätig, eine entsprechende Pressemitteilung. Darin heißt es unter anderem:

“Wenige schwarze Schafe, die mit reißerischen Titeln Auflage machen, schaden so einer ganzen Zeitschriftengattung, die überwiegend seriös berichtet. Auch zwei Ausgaben später die Rügen des Presserates nicht abzudrucken, hat mit fairer Berichterstattung wenig zu tun”, sagt Peter Zombik, Geschäftsführer der deutschen Phonoverbände.

Und das aus einer Branche, die dabei ist, Ihre eigenen Kunden unter Generalverdacht zu stellen und sich schrittweise selbst das Geschäft zu zerstören. Ich glaube zwar, dass das eine wenig mit dem anderen zu tun hat, wollte es aber trotzdem loswerden.

admin | Dienstag, 20. Februar 2007 | 08:59
Frisch vom Boulevard | 2 Kommentare

Wenn man die Nerven verliert oder Park Avenue jetzt auf dem Grabbeltisch

Ich glaube ja, die Vanity Fair-Panik in verschiedenen Verlagen war zunächst mal umsonst. Natürlich stört jeder neue Mitspieler den Markt erstmal. Egal, ob er langfristig erfolgreich ist oder nicht – er saugt erstmal Anzeigen- und Vertriebsgelder aus dem Markt. Und natürlich steckt hinter Vanity Fair mit Condé Nast ein ernst zu nehmendes Medienhaus.

Aber ist es ein gutes Signal an den Markt, wenn man dergestalt die Nerven verliert wie bei Gruner+Jahr? in Deutschlands größtem Zeitschriftenverlag bangen die Verantwortlichen um Stern, Gala und vor allem um Park Avenue.

Laut werben&verkaufen schrieb ein Vertriebs-Außendienstler des Verlages in einer E-Mail an Grossisten:

Wir sehen die Bemühungen des Condé Nast Verlages nicht nur in der Einführung eines weiteren neuen Titels, sondern als strategischen Angriff auf den deutschen Zeitschriftenmarkt.

Zudem kommt der Stern in Reaktion auf Vanity Fair jetzt vier Wochen lang mit Hörbuch-CD. Eine Maßnahme, über deren Clevernes man durchaus unterschiedlicher Auffassung sein kann. Ich halte sie für vollkommen konzept- und nutzlos. Kann mich aber irren.

Nun jedenfalls teilte Gruner+Jahr heute mit, dass auch Park Avenue ab sofort zum Kampfpreis von 1 Euro (statt 5 Euro) angeboten wird. So viel kostet Vanity Fair in der Einführungs-Phase, über deren Dauer allerdings öffentlich nichts bekannt ist. In der Pressemitteilung zur Verramschung nimmt der Verlag auch direkt Bezug auf den neuen Mitspieler:

Die März-Ausgabe des PersonalityMagazins PARK AVENUE erscheint am Mittwoch, den 21. Februar 2007, zu einem Copypreis von 1 Euro. “Wir sehen Vanity Fair konzeptionell im Segment von PARK AVENUE und möchten jetzt den Lesern die Möglichkeit geben, zu gleichen preislichen Bedingungen ihre Entscheidung zu treffen”, so Gabriele Saß, Verlagsleiterin PARK AVENUE.

Autsch’, sag ich da mal. Zumal man mit der Preis-Ansage das Konzept von Park Avenue total konterkarriert. Das wird in der selben Mitteilung so beschrieben:

PARK AVENUE versteht sich als PersonalityMagazin, das für gehobenes Entertainment steht [...] Unsere Leser wissen, dass sie sich auf ein anspruchsvolles Lesevergnügen einlassen.

Ganz viel Anspruchsvolles für jetzt nur 1 Euro. Ich weiß wirklich nicht, ob diese Panik-Reaktionen die richtige Antwort sind. Sie soll jedenfalls auch massiv “neben Print- und POS-Werbung mit einer reichweitenstarken Funk-Kampagne sowie mit Bannerwerbung auf ausgewählten Sites beworben” werden.
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admin | Montag, 19. Februar 2007 | 11:26
Frisch vom Boulevard | 5 Kommentare

Apropos Transparenz

PC Professionell wird einem Relaunch unterzogen. Und während sich Redaktion und Grafik zu diesem Zweck sonst wochenlang den Kopf zerbrechen und irgendwann das “neue” Heft mit viel Tamtam präsentieren, hat der Verlag in diesem Fall ein Blog zum Relaunch gestartet.

Darin diskutiert der Chefredakteur mit Kommentatoren auch mal die Unterschiede von Print und Online, stellt man das neue Logo des Heftes schon einmal vor und erklärt die Hintergründe der Neugestaltung.

Im Augenblick ist das ganze noch etwas blutleer. Schade zum Beispiel, dass nur Chefredakteur Neumeier seine Beträge unterschreibt, während die anderen anonym eingestellt werden. Bisher sind es aber auch nur fünf Beiträge.

Die Idee jedenfalls ist hervorragend. Wäre schön, wenn sie weiter mit Leben gefüllt würde.

via Popkulturjunkie

admin | Montag, 19. Februar 2007 | 11:09
Frisch vom Boulevard | 1 Kommentar

Neo-Neon

In die Modernisierung des Heftes sind unsere Erfahrungen aus drei Jahren NEON und das Feedback unserer Leser eingeflossen. An unserer Grundidee selbst haben wir nichts geändert – NEON bleibt NEON, das General-Interest-Magazin für die 20 bis 35-jährigen Männer und Frauen in Deutschland.

Neon wird modernisiert.

admin | Montag, 19. Februar 2007 | 10:56
Frisch vom Boulevard | 3 Kommentare

Vanity Fair – erste Datenübertragungsprobleme

“Herr Lauterbach hat recht. Einem Datenübertragungsfehler ist es zu verdanken, dass etwas ‘Blauäugiges’ in den Text von Herrn Lauterbach gerutscht ist. Wir bedauern dies.”

Ach so. Datenübertragungsfehler. Der zwei Drittel des Originaltextes mal eben eigenmächtig verändert hat. Du böser Datenübertragungsfehler, Du.

Der Popkulturjunkie über fiese Peinlichkeiten bei Vanity Fair.

admin | Mittwoch, 14. Februar 2007 | 21:29
Frisch vom Boulevard, Insider-Humor | Kommentieren

Comeback für Allegra?

AllegraAch, das mit Allegra ist eine traurige Geschichte. Einst war das Magazin der Stern am Himmel der Frauenzeitschriften. Die Redaktion unter Andreas Petzold (heute Stern-Co-Chefredakteur) traf genau den richtigen Ton für eine ganze Generation junger Frauen. Lange galt das Heft als beispielhaft.

Doch irgendwie ging es irgendwann bergab. 200.000 verkaufte Exemplare waren den Anzeigenkunden versprochen worden. Nicht mal 170.000 waren es im Durchschnitt des dritten Quartals 2003. In der Folge ging auch das Anzeigengeschäft zurück. Der Verlag doktorte ein bisschen am Heft rum, tauschte das dezent-edle Cover-Design mit Schwarz-weiß-Bildern gegen das typische Bonbon-Bunt von LauraLisaPetra und montierte auch an Inhalten rum. Gut tat es dem Magazin nicht. Geholfen hat es auch nicht. Springer stellte Allegra schließlich ein.

Da trat dann Jens Eichler auf den Plan. Ehemaliger BILD-Volontär, 20 Jahre als Journalist im Geschäft, mit hoch fliegenden Plänen gesegnet. Die ganz großen Brötchen wollte er backen und kaufte Springer die Titelrechte an Allegra ab. Gelegentlich unterliegen Journalisten ja dem Irrglauben, sie seien auch gute Verleger.

Und so kam, was kommen musste. Eichler investierte zunächst mal in eine riesige Party zum Neustart des Heftes. Geile Location, hübsche Mädchen, leckere Häppchen. Und in die Auflage. Statt die Marke, die einige Monate vom Markt verschwunden war, neu aufzubauen und mit kleiner Auflage sowie überschaubaren Produktionskosten den Neustart zu wagen, mussten es gleich die Zahlen von früher sein. Eine sechsstellige Auflage stellte Eichler an die Kioske.

Zweimal. Dann war das Geld alle. Nicht viel Zeit, um potenzielle Anzeigenkunden zu überzeugen. Unter dem Aktenzeichen 67a IN 553/05 läuft in Hamburg seit Ende 2005 das Insolvenz-Verfahren. Ein trauriger Niedergang einer werthaltigen Marke.

Glaubt man bei Springer nun, man könne Allegra ein drittes Mal starten? Eine Meldung im Kontakter legt das nahe. Demnach habe der Verlag beim Bundeskartellamt unter dem Aktenzeichen B6-28/07 den Antrag auf “Erwerb wesentlicher Vermögensteile der Jens Eichler GmbH & Co. KG” gestellt. Einziger verbliebener Wert dieser Firma dürften die Allegra-Titelrechte sein.

Bildquelle: vitrado.de

admin | Dienstag, 13. Februar 2007 | 08:59
Frisch vom Boulevard | 2 Kommentare

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