Texte vom Dezember 2006
Der etwas andere Jahresrückblick
Jens Schröder hat für retromedia.de alle Magazine aufgelistet, die im Jahr 2006 den Zeitschriftentod starben.
Männer, Männer, Männer
Der mir unbekannte Autor Simon Feldmer hat sich im Tagesspiegel mit Männermagazinen befasst. Also, sowas wie Playboy, GQ, Matador, FHM oder Player. Die stecken nämlich schon eine Weile in der Krise (Auflagenschwund). Am interessantesten fand ich den Teil, in dem er auf die Veränderungen bei Matador eingeht. Wir erinnern uns: Matador hat seit September einen Chefredakteur namens Peter Praschl (der mit dem Blog).
Sagen wir es so: Ich würde mich sehr freuen, wenn sein Konzept aufgehen sollte.
Praschls Matador soll „abgeklärter, ironischer und gelassener“ werden. Der neue Chef träumt gar von „klassischem Magazinjournalismus gemischt mit kunstvoller Akt-Fotografie à la Helmut Newton“.
Aber wollen Männer das wirklich?
Brandneu am Kiosk: Brand New
Nur das Beste zum Feste. Dachte ich man sich im Wiener Schick-Verlag und dachte ich mir, als ich die Erstausgabe von Brand New kaufte. Denn pünktlich zum Weihnachtsgeschäft legten die Ösis ihren “Trendguide für die und ihn” auf.
Offensichtlich hat Dr. Stefan Schick einen Faible für die schönen Seiten des Lebens. Nach Yacht Trends und Uhren Exclusiv ist Brand New sein drittes Magazin-Projekt. Und beschrieben ist es schnell – bei der Zeitschrift handelt es sich um einen moderierten Katalog.
In den Rubriken Technik, Fashion, Health, Beauty, Sport, Living, Speisekammer und Place To Be (über diesen Deutsch-Englisch-Kauderwelsch mache ich mich jetzt einfach mal nicht lustig) präsentiert die “Redaktion” Produkte, Produkte, Produkte und Produkte – jeweils mit kurzer Beschreibung, Internet-Adresse und Preisangabe. Dabei ist dem Verlag zu wünschen, dass die Hersteller das auch bezahlen. Denn Anzeigen findet man in Brand New kaum. Wozu auch? Ist ja quasi eine Dauerwerbeheft. Und die Farbseite soll laut Mediadaten schließlich 8.600 Euro kosten.
Da, wie das Impressum ausweist, alle Inhalte jeweils von den Herstellern der Produkte geliefert werden, dürfte die Produktion immerhin recht preiswert sein. Die Aufmachung ist es zugegeben eher nicht. 116 Hochglanz-Seiten, lackierter Umschlag und eine Klebebindung machen deutlich, dass der Verlag edel daherkommen möchte.
Und auch die gezeigten Produkte zielen tendenziell eher auf eine kaufkräftige Zielgruppe. Die soll nun vierteljährlich 3,90 Euro für das Magazin am Kiosk lassen. Und ja, eine Bahnfahrt kann man mit dem Gemischtwarenladen sicher unterhaltsam aufwerten, wenn man es sich spart, die wirklich furchtbaren PR-Texte zu rezipieren. Die sollen vielleicht so altmodische Sachen wie Redaktion und Recherche vortäuschen. Klappt aber nicht.
Wenn Dr. Daniela Themmer, Partnerin des merkwürdigen Unternehmens Ticeba (“Back-up Your Life”), über das merkwürdige Unternehmen Ticeba schreibt – “die erste private Gewebebank zu persönlichen und individuellen Einlagerung von Hautgewebe” -, dann kann man das auch ein bisschen eklig finden. Muss man aber nicht.
Wer gern den Quelle-Katalog durchblättert, ist mit Brand New bestens bedient. Denn schicker ist das Heft allemal.
Benno

Ja, ich gebe es zu, ich bin drauf reingefallen: Am Montag war ich im Bahnhofskiosk und fragte, ob es dieses neue Männermagazin gebe, “Benno” heiße das. Leider konnte mir der Zeitschriftenhändler nicht helfen, denn “Benno” gibt es gar nicht.
Das kann man zum einen feststellen, wenn man auf die Webseite www.benno-magazin.de geht. Dort liest Frau Schwarzer zwar zunächst aus “Benno”, aber wenig später wird klar, dass es sich bei “Benno” nur um einen Werbegag zum 30-jährigen Jubiläum von “Emma” handelt. Zum anderen konnte man gestern in der aktuellen Ausgabe von “Horizont” lesen, dass Jung van Matt bei der Entwicklung der Kampagne seine Finger mit im Spiel hatte und dass sie allein einem Ziel dient: der Gewinnung neuer Leserinnen.
Aber ob das mit Mahmud Ahmadinedschad wirklich gelingt? Man wird sehen.
Der Stern bekommt ein neues Layout? Na, das wurde aber auch mal Zeit.
Springer goes Switzerland
Nachdem Matthias Döpfner, Vorstandsvorsitzender von Springer, seine Milliarden aus kartellrechtlichen Gründen nicht für die ProSiebenSat.1 Media AG ausgeben durfte, geht er nun im Ausland shoppen. Heute gab der Verlag bekannt, zum 1. Januar 2007 die Mehrheit (99,5%) der Zürcher Jean Frey AG vom bisherigen Hauptaktionär Dr. Tito Tettamanti übernommen zu haben. Grundlage für den Kaufpreis ist ein Unternehmenswert von 140 Millionen Schweizer Franken (CHF), also etwa 87 Millionen Euro, also Peanuts. Auch die verbliebenen Kleinaktionäre sollen noch ausgezahlt werden.
Bei Jean Frey erscheinen die Konsumenten- und Beratungszeitschrift BEOBACHTER, mit 315.000 Verkäufen vierzehntäglich immerhin die größte Publikumszeitschrift der Schweiz, das Fernseh-Magazin TV STAR sowie das Wirtschaftsblatt BILANZ. Darüber hinaus erbringt das Unternehmen diverse Dienstleistungen für Fachmedien. Im Jahre 2006 werde Jean Frey, laut Springer-Meldung, mit 240 Mitarbeitern rund 70 Millionen CHF (43,7 Mio. Euro) Umsatz erzielen.
Die 70-prozentige Beteiligung der Jean Frey AG an der Weltwoche wurde vorher ausgegliedert, ist also nicht Teil des Deals mit Springer.
In der Schweiz ist der deutsche Verlag bereits seit 1999 mit seiner Verlagsgruppe Handelszeitung (HANDELSZEITUNG, STOCKS,TV DIGITAL SCHWEIZ, sechs Fachzeitschriften, Konferenzaktivitäten) aktiv, einer 100-prozentigen Tochtergesellschaft. Sie beschäftigt nach Verlagsangaben 120 Mitarbeiter. Mittelfristig ist eine Zusammenführung der beiden Schweizer Verlagshäuser von Axel Springer geplant.
Revolution bei SPEX
Wie die Berliner Zeitung berichtete, hat die Piranha Media AG die gesamte Kölner Redaktion ihres Musikmagazins SPEX entlassen, den Redaktionssitz nach Berlin verlegt, wo auch der neue Chefredakteur Max Dax sitzt, das Erscheinen von elfmal jährlich auf sechs Ausgaben pro Jahr eingeschränkt und überhaupt keinen Stein auf dem anderen belassen.
In der tageszeitung spricht Dax, der auch Herausgeber des Interview-Magazins alert ist, darüber, wie er sich SPEX künftig vorstellt.
(via Popkulturjunkie)
“Endlich! Die Wahrheit!” – was die alte, neue Tempo-Redaktion uns vielleicht sagen wollte.
Während Stefan Niggemeier sich hier ja eher eine Geschichte aus der TEMPO-Jubiläumsausgabe vorgenommen hat, betrachtete Herr Paulsen im spanischen Exil das große Ganze. Der Vollständigkeit wegen also noch einmal TEMPO:
Ich hab ja Zeit. Sogar Zeit für TEMPO. Momentan sitze ich in einer winzigen, in Stein geschlagenen Gastarbeiterwohnung in den katalanischen Bergen (Meerblick!), abends jedoch schwärzt sich das Panorama und ich könnte die mitgeschleppten Bücher lesen. Stattdessen lese ich den mitgeschleppten, neuen TEMPO-Katalog. Immer stärker wird dabei dieses Gefühl, dass sich beim Betrachten totgefahrener Tiere am Straßenrand einstellt. Ein innerlicher Ekel. Man muss aber trotzdem irgendwie hinsehen. Ich müsste ja nicht hinsehen, ich könnte diese knapp 400 Seiten lautstarker Langeweile dem Altpapier überlassen. Die mir eigene Sorgfaltspflicht hindert mich aber daran. Ich schreibe nicht über ein Magazin, ohne wirklich alles gelesen zu haben. Vielleicht übersehe ich den Lichtblick, vielleicht verpasse ich die Gesamt-Idee dahinter.
Gerade habe ich es geschafft. Ich bin durch. Und muss der Redaktion um Markus Peichl ganz herzlich gratulieren. Eindrucksvoll gelang der Coup, aber wirklich jeden Mist, jeden Fehlgriff, jede Entgleisung, jede Mode der aktuellen deutschen Unterhaltungszeitschriftenlandschaft zu kopieren und auch zu drucken. Ich meine: Geschwätzigkeit, Langeweile, Beliebigkeit, Ignoranz. Ich meine: selbstverliebtes Rummeinen, ich meine populistisches Geschwafel mit umwerfend brummendem Selbstvertrauen. Ich meine: Seiten zu füllen ohne nennenswerte Inhalte zu liefern. Mäkeln, draufhauen, Bange machen. Nachmachen statt anders sein. Dranhängen statt Vormachen. Wer glaubte, die alte, neue TEMPO-Redaktion sei angetreten, nochmals Impulse zu geben, Zeichen zu setzen, der sei jetzt nicht enttäuscht, sie haben den oben umrissenen Zeitschriftenstil erfunden und salonfähig gemacht, dieses „immer alles ganz lustig, ganz doof finden“. Das war neu, das war erfrischend, es sei der Mannschaft ihre kurze Auferstehung in Grabsteinform gegönnt.
Ich gehe nicht auf die einzelnen Artikel ein, das haben andere Menschen an anderen Stellen ausführlich und wunderbar gemacht. Was mich wundert: die Lektüre der Zeitschrift erschütterte mich ernsthaft. Niemals zuvor sah ich so geballt alles, was ich am heutigen Zeitschriftenjournalismus verachte und niemals war der Wunsch dringlicher, über Alternativen nachzudenken. Wie wäre es denn, wenn Zeitschriften wieder eine Seele hätten und eine Überzeugung, wenn Zeitschriften ihren Lesern nicht nur das Ungemach der Welt aufzeichneten sondern auch Lösungswege anböten? Wenn Zeitschriften wieder sexy wären, ohne nackt zu sein? Verführer, Neugierigmacher, Ermutiger. Und nicht nur marktschreien und wiederkäuen, sondern: auch mal wieder denken mit der Tastatur und sich der Sprache erinnern. Und: keine Angst vor Gefühlen! Ja, gut, letzteres ist jetzt wirklich zuviel verlangt.
Das zu leisten, war nicht Aufgabe der alten, neuen TEMPO-Redaktion. Vielleicht aber ist in den Redaktionsräumen etwas wirklich Großes passiert. Vielleicht war beabsichtigt, was ich beim Lesen dachte: dass dieses Heft, willentlich und mit den Mitteln von vor zehn Jahren, den Ist-Zustand der Deutschen Lifestyle-Zeitschriftenlandschaft aufzeigen sollte. Dann wäre diese TEMPO-Ausgabe tatsächlich der ganz große Wurf.
Wunder geschehen…
Nach Angaben von Kress hat Heinzi Bauer (67) bei der Präsentation der Geschäftszahlen darüber geplaudert, dass sein Nachfolger eine Frau sein werde. Wer etwas Anderes von dem Familienmenschen erwartet hatte, melde sich bitte in den Kommentaren.
Nur dienstlich bitte
Aus der Einladung zu Interviews mit den Hauptdarstellern des Sat.1-Films “Unter Mordverdacht – Ich kämpfe um uns”:
Anfang Februar 2007 um 20.15 Uhr zeigt Sat.1
Der Termin steht also ganz fest. Schonmal vormerken. Nun aber zur eigentlichen Einladung:
Bettina Zimmermann wird per Mail für Anfragen (die bitte rein beruflicher Natur sein sollten) zur Verfügung stehen.
(Hervorhebung von mir)
Ist das nicht traurig?
