Texte vom November 2006

Lesestoff

Adolf Theobald im Tagesspiegel über den Erfolg von “Neon”.

Kleiner Auszug:

Was macht „Neon“ richtig, anders? Warum greifen seine Leser nicht zu den Männer- und Frauenzeitschriften, die es zuhauf gibt, alle für die gleichen Zielgruppen: die gut verdienende, gut ausgebildete, selbstbewusste, konsumfreudige Frau oder ihr männliches Pendant? Ganz einfach: „Neon“ hat eine – sagen wir es pathetisch – Botschaft. Es macht nicht den 100. Psychotest, die 10 000. Story über schnelle Autos, die 100 000. über „Wie kriege ich wen ins Bett“. „Neon“ bietet eine andere Art von Nutzwert, einen emotionalen. Das Magazin gibt keine Tipps, sondern stellt Fragen. Die schmissige Antwort, die schlüpfrige Geschichte, die Pornografik ist nicht sein Ding. Attribute, mit denen die in der Werbung um Aufmerksamkeit buhlen, vermeidet „Neon“. Stattdessen machen sie Journalismus. Sie machen dem Leser nichts vor, sie informieren, reflektieren Probleme. Ehrlich und authentisch. „Neon“ trifft dabei den Ton seiner Leser.

| Mittwoch, 29. November 2006 | 11:33
Aus berufenem Munde | 4 Kommentare

Vieles im grünen Bereich

Viermal pro Jahr publiziert die Verkaufsabteilung von Gruner+Jahr den Werbetrend. Darin bereiten die Hamburger eine Menge Zahlen auf. Basierend auf den Brutto-Werbeumsätzen, die wiederum regelmäßig von Nielsen Media Research erhoben werden. Dabei reden wir, wie bereits erläutert, im Wesentlichen über statistische Größen. Denn die Brutto-Werbeunsätze sind mehr oder weniger fiktive Zahlen. Sie gehen davon aus, das jeder Kunde, dessen Anzeige gedruckt wurde, brav nach Preisliste zahlt.

Auf Basis eben dieser Werte gibe es zum Beispiel einen Überblick über die Entwicklung einzelner Zeitschriften-Gattungen bei den Publikums-Titeln. Hier stehen im Vergleich die ersten drei Quartale 2005 gegen die ersten drei Quartale dieses Jahres:

Entwicklung der Anzeigenumsätze Publikumszeitschriften nach Gattung
Nach Brutto-Werbeumsätzen sind dies die Top 20 der deutschen Publikumsmagazine:

Die 20 größten Publikumszeitschriften

Und zu guter Letzt noch die Rangliste der deutschen Großverlage. Dafür, dass die Motor Presse Stuttgart einen so brachialen Sparzwang verspürt, hat sie in diesem Jahr durchaus ansehnliche Zuwachsraten erzielt:

Top 10 der deutschen Großverlage

admin | Samstag, 25. November 2006 | 01:59
Spaß mit Zahlen | 1 Kommentar

Wirtschaftlich notwendige Insolvenz?

Wie gestern berichtet, wurde für den Autoszene-Verlag (VW WOB!, Sound off, AUTO SZENE Tuning) das Insolvenzverfahren eröffnet. Die einstigen Eigentümer und heutigen Minderheitsgesellschafter erheben diesbezüglich schwere Vorwürfe gegen ihren Mehrheitspartner, die Motorpresse Stuttgart.

Um eine Stellungnahme gebeten, teilte die 56,5-prozentige Gruner+Jahr-Tochter heute folgendes mit:

Wir bestätigen hiermit, dass über die Autoszene Verlag GmbH, an der die Motor Presse Stuttgart einen Anteil von 50,7 Prozent hält, die Insolvenz eröffnet worden ist. Ein Umsatzrückgang im Tuning-Markt von 40 Prozent sowohl im Vertriebs- als auch im Anzeigenmarkt in den vergangenen Monaten führte zu einem nicht mehr hinnehmbaren wirtschaftlichen Druck auf den Autoszene Verlag. Die Motor Presse Stuttgart hat lange Zeit die finanziellen Mittel bereitgestellt, die nötig waren, um das Überleben des Verlags sicherzustellen. Dies ist leider in Zukunft nicht mehr vertretbar; die Talfahrt der Marktentwicklung in diesem Segment geht unverändert weiter. Die Motor Presse Stuttgart kann nicht die alleinige finanzielle Verantwortung für die Auto Szene Verlag GmbH übernehmen.

Die Motor Presse Stuttgart hatte zum 1.11.2004 einen Mehrheitsanteil von 50,7 Prozent an der autoszene Verlag GmbH, München, übernommen. Der autoszene Verlag wurde 1998 gegründet und veröffentlicht die Tuning-Titel VW WOB!, Sound Off und Auto Szene Tuning.

Die Entscheidung, ob und wie die Tuning-Titel weitergeführt werden, liegt nunmehr allein beim Insolvenzverwalter.

Vielleicht ist es eine gute Entscheidung der Stuttgarter, nicht auf die Vorwürfe der Partner im Einzelnen einzugehen. Vielleicht will und kann man damit eine öffentliche Schlammschlacht verhindern. Vielleicht ist es aber auch interessant, wozu die Motorpresse nichts sagt und auf welche Position sie sich zurückzieht.

admin | Donnerstag, 23. November 2006 | 13:59
Todesanzeigen | 22 Kommentare

Offener Brief (anlassbezogen)

Gratis-Content gegen Bezahlung
Herr Graf, machen wir einen Deal? Ich gebe Ihnen diese Info und Sie mir Einlass? So funktioniert doch dieses Web 2.0, oder?

admin | Donnerstag, 23. November 2006 | 09:51
Insider-Humor | Kommentieren

Motorpresse treibt Tochter in die Insolvenz?

Und ich dachte schon, ich sei schuld an der Insolvenz des Autoszene-Verlages. Das kam so: Vor einigen Jahren hatte unser Verlag eine kleine Kooperation mit dem neuen Tuning-Magazin XXL-Tuning, das kurz darauf nicht mehr erschien. Vor wenigen Wochen dann hatten wir eine Kooperation mit der Zeitschrift Auto Szene Tuning, die seit anderthalb Jahren erscheint und nach solidem Geschäft aussah. Insofern war ich etwas irritiert, als letzte Woche ein Anwaltsschreiben über die Eröffnung des Insolvenzverfahrens informierte. Schlechtes Karma?

Nein. Die Mannschaft des Autoszene-Verlages nimmt heute Stellung zur Situation. Und sagt ganz klar: Man wurde vom eigenen Gesellschafter, der Motorpresse Stuttgart (die wiederum seit 2005 zu 56,5 Prozent Gruner+Jahr gehört), in die Insolvenz getrieben.

Nicht wissend, wie lange das Statement online bleiben wird, erlaube ich mir hier das Vollzitat der Sichtweise ehemaliger Mitarbeiter des Autoszene-Verlages:

Liebe Leser, liebe Geschäftspartner,

viele haben uns angerufen oder gemailt, weil sie es nicht begreifen können, dass die VW WOB! oder die Sound off, die wir über viele Jahre erfolgreich im Markt positioniert hatten, nun einfach sterben sollen.

Sie alle wissen aus den Medien, dass die Insolvenz heute ein beliebtes Mittel ist, sich von Verpflichtungen zu befreien. Diese menschenverachtende Vorgehensweise ist offenbar nun auch im Verlagsgewerbe angekommen und da Sie – wie wir – Leidtragende dieses Umstands sind, wollen wir Sie über die wahren Hintergründe nicht im Unklaren lassen.

Die Motorpresse Stuttgart hat in 2004 den Autoszene Verlag in München zu 100 % von den Geschwistern Helmut Horn und Ingrid Horn gekauft. 51 % der Anteile wurden sofort bezahlt und übernommen, die restlichen 49 % sollten Ende 2007 bezahlt werden. In der Tuning-Euphorie des Jahres 2004 stiegen die Stuttgarter mit großer Begeisterung ein und versprachen Synergien mit den etablierten Autotiteln des Hauses wie auto motor und sport, sport auto, Auto HiFi etc. Mit dieser Perspektive stimmten wir gerne dem Wunsch der Motorpresse zu, einen weiteren markenübergreifenden Tuning-Titel auf den Markt zu bringen. In anderthalb Jahren haben wir AUTO SZENE Tuning sowohl in den Verkaufszahlen als auch im Bereich Anzeigen auf das Niveau vergleichbarer Titel gebracht.

Leider war die Geschäftsleitung in Stuttgart nicht in der Lage, die versprochenen Synergien hausintern durchzusetzen; statt dessen stülpte man dem funktionierenden „Familienbetrieb“ Konzernstrukturen über. So wuchsen die Kosten nicht nur durch den neuen Titel, sondern auch durch einen geradezu unglaublichen Mehraufwand im Bereich der Verwaltung. Als sich der Zeitschriftenmarkt im Allgemeinen und der Tuning-Markt im Besonderen rückläufig entwickelten, verlor die Muttergesellschaft das Interesse und lehnte trotz ursprünglich anderslautender schriftlicher Zusage die Verantwortung für den Tuning-Generalisten ab. Durch massive Eingriffe in die Vertriebsstrukturen schnitt man den Münchener Verlag kurzerhand von den Vertriebserlösen ab und zwang die Geschäftsleitung zur Anmeldung der Insolvenz.

Im Zeitraum der vorläufigen Insolvenz hat das Münchener Team erneut bewiesen, dass es schwarze Zahlen schreiben kann. Doch weder Stuttgart noch die Insolvenzverwaltung hatte Interesse, das Unternehmen fortzuführen. Die Mitarbeiter wurden einen Tag nach Drucklegung der aktuellen WOB! kurzerhand vor die Tür gesetzt.

Es blieb niemandem die Zeit, Leser und Geschäftspartner zu informieren. Trotz der für die kommenden Ausgaben gebuchten höchsten Anzeigenumsätze des Jahres wurde der Betrieb stillgelegt und die Arbeit von Jahren vernichtet. Wir bedauern sehr, dass Ihre Anzeigen, die Sie im Vertrauen gebucht haben, nicht mehr erscheinen können. Bei den Abonnenten bedanken wir uns für die langjährige Treue und schämen uns für das üble Vorgehen der Insolvenzverwaltung, das letzte Heft der VW WOB! nicht mehr auszuliefern.

Wir bedanken uns für die vielen „Beileidsbekundungen“ und die erklärte Solidarität. Wer uns treu bleiben will, kann uns jederzeit erreichen über www.tuning.de

Nachtrag: Von der Motor Presse Stuttgart gibt es inzwischen auch eine Stellungnahme.

admin | Mittwoch, 22. November 2006 | 18:44
Todesanzeigen | 4 Kommentare

Autsch

Der Burda-Verlag hat heute eine kulinarische Pressemitteilung versandt:

Der deutsche Playboy teilt mit, dass es bei dem im Rahmen einer Promotionaktion beigelegten Schokoladen-Adventskalender eventuell vereinzelt zu einer Geschmacksübertragung von Gerüchen aus dem Magazin auf die Schokolade im Adventskalender kommen könnte.

Der Playboy-Verlag bietet den Käufern gegen Einsendung des weißen Etiketts auf der Rückseite des Kalenders [...] Schokoladenersatz an.

[...]

Die Schokolade im Adventskalender wurde in einem separaten Karton angeliefert – geschützt von einer Alufolio, Polsterfutter und einer verschweißten Folie. Laut Expertenurteil liegt keine Gesundheitsgefährdung vor. Bei Zweifeln bittet Playboy jedoch vorsorglich, vom Verzehr der Produkte abzusehen.

admin | Mittwoch, 22. November 2006 | 13:45
Frisch vom Boulevard, Insider-Humor | Kommentieren

Das Presse-Grosso (Teil 2) – Wer verdient wieviel?

Nach dem ersten Teil war klar – über den deutschen Pressevertrieb, das Grosso und seine Funktionsweisen gibt es noch eine Menge zu sagen. Allein, es fehlt etwas an Zeit. Zur Zeit. Da kam mir die Frage von Berndi ganz recht: Welche Handelsspanne haben die Grossisten?

Natürlich ist die nicht so einfach mit einer Zahl zu beantworten. Aber immerhin mit einer Reihe von Zahlen.

Zunächst mal haben wir den Verkaufspreis, auch Copy-Preis genannt. Er enthält den ermäßigten Mehrwertsteuersatz von 7 Prozent. Der übrigens auch nach der Mehrwertsteuer-Erhöhung gleich bleibt. Nach Abzug der Mehrwertsteuer haben wir den Netto-Verkaufspreis. Von diesem aus errechnet sich die Marge für den Grossisten sowie für den Einzelhändler, der vom Grossisten beliefert wird.

Dabei werden die Abrechnungen zwischen den Handelspartnern auf vier Stellen nach dem Komma genau vorgenommen. Das sieht zwar lächerlich aus, wenn es um das einzelne Heft geht. Da wir aber über einen Milliarden schweren Markt reden, kann auch die vierte Stelle nach dem Komma wirtschaftlich bedeutend sein.

Nun also zu den Grosso-Margen. Ich habe sie mal in einer Tabelle zusammengestellt. Diese Spannen wurden im Februar 2003 verhandelt und gelten bis Februar 2009. Wieviel der Grossist an einem Magazin verdient, hängt somit von zwei Faktoren ab:

  1. Wieviel Exemplare werden pro Erscheinungsintervall deutschlandweit verkauft?
  2. Wieviel Umsatz macht die Zeitschrift?

Der Absatz bestimmt die Marge und je höher der Umsatz ist, desto höher fällt der Bonus aus, den die Grossisten noch einmal on top bekommen. Verlage mit besonders hohem Umsatz bekommen allerdings noch einen Bonus, der widerum zu Lasten des Handels geht.

Grosso-Margen Deutschland
Diese Spannen gelten für das Grosso Inland und für regelmäßig erscheinende Magazine. Für Sonderhefte, One-Shots, Kataloge und ähnliche Print-Produkte gibt es Zusatzbedingungen.

Und was bekommt der Einzelhändler vor Ort? Für ihn läuft die Sache wesentlich einfacher. Er bekommt

Im Bahnhofsbuchhandel sieht die Rechnung etwas anders aus. Da er direkt von den Verlagen beliefert wird, fehlt der Zwischenhandel. Entsprechend gibt es hier eine pauschale Regelung. Sie gilt seit etwa anderthalb Jahren und gewährt dem Bahnhofsbuchhändler für Zeitschriften, die seitdem neu auf den Markt kommen, die auflagen-bezogene

Und demnächst nehme ich mir dann auch mal die Zeit für die anderen Geheimnisse des Grossos und des Presse-Vertriebs.

admin | Mittwoch, 22. November 2006 | 09:01
Telekolleg Zeitschriften | 12 Kommentare

TEMPO gedrosselt?

TEMPO war ja hier auch schon Thema – das Lifestyle-Magazin der späten Achziger und frühen Neunziger, das selten pünktlich am Kiosk stand. Nachdem bereits Wett-Anbieter auf den Erscheinungstag setzen ließen, musste der Jahreszeiten-Verlag in der Tat die einwöchige Verspätung der für den 24. November geplanten Jubiläumsausgabe ankündigen.

Gesetzter Erstverkaufstag ist nun der 1. Dezember. Das sind nach meinem Kalender keine zwei Wochen mehr.

Wie man nun hier und da hört, fehlt der Redaktion in Berlin jedoch durchaus noch mehr als nur eine Seite. Und da fragt sich der geneigte Beobachter schon: Kommt das Heft “pünktlich” am 1. Dezember? Wird eine weitere Verzögerung angekündigt? Oder verzichtet Verleger Ganske am Ende ganz auf das Erscheinen?

Es gibt ja Indizien dafür, dass ein Magazin wie TEMPO einfach nicht mehr in die Zeit passt. Wäre ich Spieler, würde ich jetzt auf den Totalausfall setzen.

admin | Dienstag, 21. November 2006 | 11:17
Insider-Humor | 2 Kommentare

Wuff und aus

Wie hier und da berichtet, hat Gruner+Jahr kürzlich DOGS gestartet. Ein Hundemagazin, für dessen Promotion die Verleger eine Kooperation mit der VOX-Show “TOP DOG – Deutschland sucht den Superhund” eingingen.

Nunja, zumindest die eine Hälfte des gemeinsamen Projekts lief nicht so prall. Wie kress gestern mitteilte, wurde die Show aufgrund mangelnder Quoten von der Dienstags-Primetime auf den Sendefriedhof Sonntagnachmittag verschoben.

Gut, dass der Verlag fürs Magazin den Fallschirm schon früh gepackt hat. Denn vorsorglich hatte man ja zum Start angekündigt, “zunächst mit drei Ausgaben� zu kommen.

admin | Dienstag, 21. November 2006 | 11:09
Frisch vom Boulevard, Todesanzeigen | Kommentieren

Mehr Bauch, weniger Retorte

Gute Zeitschriften sind Kinder der Leidenschaft und lebende Wesen. Jede Zeitschrift ist eine Persönlichkeit, mit der ich mich unterhalte, die mich überrascht, die mir Neues sagt. Wie ein Freund, der mich regelmäßig besucht. Das heißt, ohne Begeisterung, ohne Liebe geht es nicht. Das Verlagsgeschäft ist Kunsthandwerk. Sie können das nicht aus der Retorte generieren. Und mein Eindruck ist, dass zu viel aus der Retorte gemacht wird und zu wenig aus dem Bauch.

Gerd Schulte-Hillen (66), von 1981 bis 2000 Vorstandsvorsitzender von Gruner+Jahr (Stern, Brigitte, Schöner Wohnen), heute Mitgesellschafter an David Montgomerys BV Deutsche Zeitungsholding, im Manager Magazin, Ausgabe 11/06.

admin | Montag, 13. November 2006 | 11:19
Aus berufenem Munde | 3 Kommentare

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